Mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn am Wochenende des 14. Dezember 2025 schließt sich ein kurioses Kapitel im innerösterreichischen Fernverkehr. Nach 18 Jahren stellte die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) am Samstag, dem 13. Dezember 2025, den Betrieb des Intercitybusses (ICB) zwischen Klagenfurt und Graz ein.
Diese beliebte Buslinie, die seit 2007 die Landeshauptstädte Kärntens und der Steiermark verband, wird durch das Jahrhundertprojekt Koralmbahn obsolet. Die neue Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke, deren Herzstück der Koralmtunnel ist, verkürzt die Reisezeit zwischen den beiden Städten drastisch von bisher rund zwei Stunden im Bus auf nur noch 41 bis 42 Minuten im Zug. Die Einstellung des ICB markiert den Übergang zu einem neuen Zeitalter der Mobilität im Süden Österreichs, das durch eine nie dagewesene Geschwindigkeit und Taktfrequenz im Schienenverkehr charakterisiert wird.
Einst betrieb die Österreichische Postbus AG im Auftrag der ÖBB-Personenverkehr AG auch Intercitybus-Linien von Klagenfurt bzw. später nur noch ab Villach nach Triest und Venedig. Diese waren dem Umstand geschuldet, dass es Meinungsverschiedenheiten mit den italienischen Staatseisenbahnen gegeben hat. Vor einiger Zeit wurden die „Reifenzüge“ aber eingestellt. Nun ist auch mit der innerösterreichischen Linie Schluss. Näheres zu den nun ehemaligen Intercitybus-Strecken bei Aviation.Direct unter diesem Link.
Ein überbrückender Service geht in Rente
Der Intercitybus zwischen Klagenfurt und Graz wurde im Jahr 2007 ins Leben gerufen, um eine direkte und effiziente Verbindung zwischen den beiden Bundesländern zu schaffen. Die herkömmliche Zugverbindung über die Bergstrecke der Südbahn war aufgrund des Umstiegs in Bruck an der Mur und der kurvenreichen Trassenführung zeitaufwendig und dauerte mitunter fast drei Stunden. Der ICB, der oftmals als Doppelstockbus ausgeführt wurde, bot den Fahrgästen eine komfortable und direkte Alternative, die über die Autobahn A2, die sogenannte Süd Autobahn, und über den Pack-Sattel führte.
Die Busse wurden von Pendlern und Gelegenheitsreisenden gleichermaßen geschätzt. Sie boten Annehmlichkeiten wie geräumigen Sitzkomfort, Bordtoiletten, WLAN und Klimaanlagen, in der ersten Klasse sogar Ledersitze und Arbeitsflächen. Die Fahrzeit von rund zwei Stunden war deutlich konkurrenzfähiger als die damalige Bahnalternative. Die Einstellung des Dienstes nach fast zwei Jahrzehnten ist ein direkter und beabsichtigter Effekt der lange geplanten Bahninfrastrukturverbesserung.
Die Koralmbahn: Ein Meilenstein im Bahnverkehr
Die Koralmbahn, die nun den Intercitybus ablöst, ist das größte Infrastrukturprojekt der Zweiten Republik Österreichs. Die Bauarbeiten für die insgesamt 130 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Graz und Klagenfurt begannen offiziell im Jahr 2008. Zentrales Element der Strecke ist der 32,9 Kilometer lange Koralmtunnel, der das gleichnamige Bergmassiv unterquert und die Fahrzeit zwischen den beiden Landeshauptstädten revolutionär verkürzt.
Die offizielle Inbetriebnahme des Personenverkehrs erfolgte am 14. Dezember 2025 mit dem Fahrplanwechsel der ÖBB. Die schnellsten Verbindungen, der sogenannte Railjet Xpress (RJX), benötigen für die Nonstop-Fahrt nur 41 bis 42 Minuten, was eine Reduktion der Reisezeit um mehr als zwei Drittel im Vergleich zur alten Südbahn- oder zur ICB-Verbindung darstellt. Auf der Hochleistungsstrecke sind Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h möglich, was die Verbindung zwischen Graz und Klagenfurt schneller macht, als es in den meisten Fällen mit dem Individualverkehr möglich wäre.
Die Koralmbahn ist Teil der sogenannten neuen Südstrecke, die auch den Semmering-Basistunnel umfasst, der voraussichtlich ab 2030 in Betrieb gehen wird. Dieses Gesamtprojekt ist wiederum ein wichtiger Bestandteil des Baltisch-Adriatischen Korridors, einer transeuropäischen Verkehrsachse, die die Ostsee mit dem Mittelmeer verbindet und für eine entscheidende strukturelle Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Südösterreichs sorgt. Die kürzere Fahrzeit wirkt sich auch auf die Erreichbarkeit anderer Regionen aus, beispielsweise verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Wien und Klagenfurt um 45 Minuten auf nun rund drei Stunden.
Veränderungen im regionalen und Fernverkehr
Die Einstellung der ICB-Verbindung und die Inbetriebnahme der Koralmbahn führen zu tiefgreifenden Änderungen im öffentlichen Verkehrsnetz Kärntens und der Steiermark. Die ÖBB bieten nun auf der neuen Strecke einen dichten Fahrplan an, mit insgesamt bis zu 29 Direktverbindungen pro Tag zwischen Graz und Klagenfurt.
Die neue Bahnverbindung bindet auch Regionen wie das Lavanttal besser an das österreichische Hochleistungs-Bahnnetz an, unter anderem durch den neu errichteten Intercity-Bahnhof in St. Paul im Lavanttal und den Bahnhof Kühnsdorf/Klopeiner See. Diese Bahnhöfe verbessern die Anbindung der Region an Graz, Klagenfurt und Wien erheblich. Die Fahrzeit von Wolfsberg nach Klagenfurt beispielsweise beträgt nun nur noch 40 Minuten.
Gleichzeitig haben die Verkehrsbetriebe in den Regionen ihre Fahrpläne angepasst, um eine bessere Verknüpfung von Nah- und Fernverkehr zu gewährleisten. Der Start der Koralmbahn führte zu einer umfassenden Umgestaltung des S-Bahn- und RegioBus-Verkehrs in der Steiermark und in Kärnten, wobei fast 90 Prozent aller Züge in der Steiermark einen neuen Fahrplan erhalten haben. Die ÖBB bieten nun in der Region auch internationale Direktverbindungen, beispielsweise nach Zürich, München und Venedig, an, was die Stellung des Südens Österreichs im europäischen Bahnnetz stärkt.
Wirtschaftliche und verkehrspolitische Bedeutung
Die Koralmbahn ist nicht nur ein Symbol für technische Meisterleistung, sondern auch ein Motor für wirtschaftliche Entwicklung. Die drastisch verkürzte Fahrzeit zwischen den beiden Landeshauptstädten wird voraussichtlich die Pendlerströme und den Arbeitsmarkt zwischen Kärnten und der Steiermark enger zusammenführen. Experten erwarten positive Impulse für den regionalen Arbeitsmarkt und eine erhöhte Attraktivität der Regionen als Wohn- und Geschäftsstandorte. Die Kärntner Wirtschaft erhofft sich durch die verbesserte Anbindung an den Großraum Graz und die internationale Anbindung neue Wachstumspotenziale.
Die Fertigstellung der Koralmbahn ist ein wichtiges Signal für die Priorität der Schiene in der österreichischen Verkehrspolitik. Sie demonstriert die langfristige strategische Ausrichtung auf den Ausbau der Hochleistungsstrecken, die Österreich fest in die europäischen Verkehrsnetze integrieren. Die nun erreichte Geschwindigkeit und Kapazität auf der neuen Südstrecke zielt darauf ab, sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr effizienter zu gestalten und Österreichs Position im europäischen Transitverkehr zu festigen. Die Entscheidung zur Einstellung des Intercitybusses ist dabei eine logische Konsequenz: Eine Busverbindung, die ursprünglich als temporäre Zwischenlösung für eine mangelnde Bahninfrastruktur geschaffen wurde, hat ihren Zweck erfüllt und wird durch eine überlegene und zukunftsfähige Alternative abgelöst.