Die Reiselust der österreichischen Bevölkerung zeigt sich im Jahr 2026 unbeeindruckt von wirtschaftlichen Unsicherheiten und erreicht mit einer Reiseabsicht von 90 Prozent einen neuen Höchststand. Laut dem aktuellen Ruefa Reisekompass, einer repräsentativen Studie unter 1.550 Befragten, planen Herr und Frau Österreicher in diesem Jahr durchschnittlich 21 Urlaubstage ein, was einer Steigerung von zwei Tagen gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Trotz anhaltender Teuerung bleibt die Zahlungsbereitschaft hoch: Das geplante Budget pro Kopf steigt leicht auf durchschnittlich 2.209 Euro. Während der klassische Badeurlaub am Meer weiterhin die unangefochtene Spitzenposition einnimmt, gewinnen Wellnessauszeiten und Städtereisen zunehmend an Bedeutung. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede in der Budgetplanung, wobei insbesondere die älteren Generationen über die umfangreichsten finanziellen Mittel für ihre Entdeckungsreisen verfügen.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Budgetplanung
Obwohl die allgemeine Teuerung viele Lebensbereiche beeinflusst, genießt der Urlaub bei den Österreicherinnen und Österreichern einen hohen Stellenwert als unverzichtbare Kraftquelle. 43 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Reisepläne durch die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kaum beeinflusst werden. Dennoch agiert ein Teil der Bevölkerung preisbewusster: 15 Prozent weichen gezielt auf die günstigere Nebensaison aus, und 13 Prozent setzen auf die Preisvorteile von Frühbucher-Angeboten.
Ein detaillierter Blick auf die Finanzen offenbart eine markante Kluft zwischen den Generationen. Während die Angehörigen der Generation Z mit einem Budget von rund 1.938 Euro kalkulieren, verfügen die Baby Boomer bereits über 2.630 Euro pro Kopf. Den Spitzenwert erreicht die Generation der Traditionalisten, die im Schnitt 4.444 Euro für ihre Reisen im Jahr 2026 veranschlagen. Regional betrachtet erweisen sich die Tiroler mit einem geplanten Budget von 2.517 Euro als besonders investitionsfreudig, dicht gefolgt von den Wienern und den Burgenländern.
Beliebteste Urlaubsformen und Reiseziele
Der Drang nach Sonne und Meer ist im Jahr 2026 stärker denn je. 54 Prozent der Österreicher planen mindestens einen Badeurlaub, was einem Zuwachs von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auf den weiteren Plätzen der Beliebtheitsskala rangieren Städtereisen mit 41 Prozent sowie Wellness- und Erholungsurlaube mit 35 Prozent. Sportliche Aktivitäten und Rundreisen komplettieren das Bild der vielfältigen Urlaubsinteressen.
Bei der Wahl der Destinationen bleibt Europa das Hauptziel für 80 Prozent der Reisenden. Italien verteidigt mit 32 Prozent seine Spitzenposition als liebstes Auslandsziel, gefolgt von Kroatien und Deutschland. Im Inland ziehen vor allem die Steiermark, Kärnten und Salzburg die heimischen Urlauber an. Im Fernreisebereich verzeichnet Thailand ein deutliches Plus und liegt mit 15 Prozent an der Spitze der Langstreckenziele, während das Interesse an den USA leicht rückläufig ist. Bemerkenswert ist zudem die steigende Nachfrage nach Reisen nach Japan und China, die als Trendziele für 2026 gelten.
Mobilität und Reisezeitraum
Die Anreise zum Urlaubsort erfolgt weiterhin primär individuell. 51 Prozent der Österreicher setzen auf das eigene Auto, während 46 Prozent das Flugzeug nutzen. Die Bahn kommt für 14 Prozent der Reisenden als Verkehrsmittel infrage. Obwohl die Mehrheit der Befragten nicht an Schulferien gebunden ist, bleibt die Konzentration auf die Sommermonate Juli und August hoch. Ein wachsender Trend zeigt sich jedoch in der Nutzung der Randmonate Mai, Juni und September, die vor allem wegen der moderateren Temperaturen und der geringeren Auslastung der Destinationen geschätzt werden.
Hinsichtlich der Reisekonstellation dominieren Paarreisen mit 43 Prozent. Etwa jede vierte Reise wird als Familienurlaub mit Kindern durchgeführt. Ein interessanter Aspekt ist der Anteil der Solo-Reisenden, der mit 10 Prozent eine stabile Nische am Markt darstellt.
Motive und die Bedeutung persönlicher Beratung
Was macht eine Reise unvergesslich? Für 59 Prozent der Österreicher stehen Naturerlebnisse zwischen Bergen und Strand an erster Stelle. Kulinarik, sportliche Betätigung und die Begegnung mit der lokalen Tier- und Pflanzenwelt sind weitere zentrale Motive. Auch die Qualität der Unterkunft sowie kulturelle Hintergründe spielen eine wesentliche Rolle bei der Destinationswahl.
Trotz der fortschreitenden Digitalisierung und der Verfügbarkeit von Künstlicher Intelligenz bleibt das Vertrauen in menschliche Expertise ungebrochen. Während nur 12 Prozent der Befragten Reiseempfehlungen von Chatbots vertrauen, verlassen sich 59 Prozent auf die Beratung in Reisebüros. Das persönliche Gespräch und die individuelle Expertise der Berater werden insbesondere bei komplexeren Reisen oder der Suche nach neuen Trendzielen wie Menorca geschätzt. Die Baleareninsel wird für 2026 als Geheimtipp gehandelt und ist durch neue Direktverbindungen ab Wien leichter erreichbar geworden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der österreichische Reisemarkt im Jahr 2026 von einer hohen Stabilität und einer ausgeprägten Differenzierung geprägt ist. Die Bereitschaft, für Qualität und Erholung Geld auszugeben, ist quer durch alle Bevölkerungsschichten vorhanden. Die Branche reagiert auf diese Nachfrage mit spezialisierten Angeboten – von Sportreisen über Kulturreisen bis hin zu neuen Store-Konzepten, die digitale Features mit persönlicher Beratung verknüpfen. Urlaub bleibt für die Österreicher ein zentrales Lebensbedürfnis, das auch in herausfordernden Zeiten Priorität genießt.