Der Flughafen Köln/Bonn hat im Rahmen einer internationalen Qualitätsprüfung zum ersten Mal eine Bewertung durch die spezialisierte Ratingorganisation Skytrax erhalten. Die in London ansässige Institution zeichnete den rheinischen Verkehrsflughafen mit dem globalen Zertifikat eines Vier-Sterne-Regionalflughafens aus.
Grundlage für diese Einstufung war eine mehrtägige Untersuchung im Juni zweitausendsechsundzwanzig, bei der sämtliche Phasen des Passagieraufenthalts analysiert wurden. Die Prüfer bewerteten dabei die bestehende Infrastruktur, die digitalen Dienstleistungsangebote sowie die Servicequalität des Personals vor Ort. Da Skytrax-Ratings in der zivilen Luftfahrtbranche als bedeutende Referenzgrößen für den Komfort und die Abfertigungseffizienz gelten, liefert das Ergebnis eine unabhängige Bestandsaufnahme über den aktuellen Modernisierungsstand des Flughafens. Insbesondere die jüngsten baulichen und prozessualen Veränderungen bei den Sicherheitskontrollen und in den Passagierterminals standen im Fokus der Beurteilung.
Das Modernisierungsprogramm und die Umgestaltung der Passagierprozesse
Die Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH verweist im Zusammenhang mit der Bewertung auf das laufende Investitionsprogramm unter dem Titel Next Chapter. Dieses Vorhaben zielt darauf ab, die Abläufe entlang der gesamten Abfertigungskette – von der Ankunft am Terminal über die Gepäckaufgabe bis hin zum Einstieg in das Flugzeug – neu zu strukturieren. Die Umstellung umfasst vier zentrale Handlungsfelder: die Automatisierung von Bodenprozessen, die Modernisierung der Sicherheitsüberprüfungen, die Aufwertung der Wartezonen sowie die Umgestaltung des Einzelhandels-, Gastronomie- und Loungeangebots.
Ein wesentlicher Teil dieser Maßnahmen betrifft die Automatisierung beim Check-in. Um die Wartezeiten für Reisende in den Stoßzeiten der Ferienmonate zu verringern, wurden investive Maßnahmen in die Selbstbedienungsinfrastruktur getätigt. Den Passagieren stehen mittlerweile 20 Automaten zur eigenständigen Kennzeichnung des Gepäcks sowie 16 Schalter für die automatisierte Gepäckabgabe zur Verfügung. Diese Systeme sollen in naher Zukunft weiter ausgebaut werden. Kritische Branchenbeobachter merken hierzu an, dass eine zunehmende Automatisierung zwar die Effizienz steigern kann, bei IT-Störungen oder Bedienungsproblemen durch ungeübte Passagiere jedoch neue Engpässe an den Geräten entstehen können, die durch das verbleibende Servicepersonal kompensiert werden müssen.
Technische Neuerungen an der zentralen Sicherheitskontrolle
Ein Kernpunkt des Skytrax-Audits war die Bewertung der neu konzipierten zentralen Sicherheitskontrolle. Bis zum Beginn der Sommerferien zweitausendsechsundzwanzig wurden die Kontrollspuren flächendeckend mit moderner Computertomographie-Technologie ausgestattet. Diese CT-Scanner ermöglichen es dem Sicherheitspersonal, dreidimensionale Bilder des Handgepäcks auszuwerten, wodurch Passagiere elektronische Geräte und Flüssigkeitsbehälter mit einem Volumen von bis zu zwei Litern während des Prüfvorgangs im Gepäck belassen können.
Die Prüfgesellschaft hob in ihrem Bericht die helle und großzügige Gestaltung dieses Bereichs sowie die klare Wegeführung hervor. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht stellt die Beschaffung und Wartung dieser komplexen CT-Anlagen eine erhebliche finanzielle Belastung für den Flughafenbetreiber dar. Zwar erhöht sich durch die Technologie der Durchsatz an Passagieren pro Stunde, die langfristige Zuverlässigkeit der Systeme unter Volllast während der Hauptreisezeit muss sich jedoch im kontinuierlichen Dauereinsatz erst noch dauerhaft beweisen.
Aufenthaltsqualität im Terminal 2 und Überarbeitung des kommerziellen Angebots
Neben den Kontrollprozessen wurde die gestalterische Qualität der Wartebereiche im Terminal 2 modifiziert. Die neu geschaffenen Sitzzonen folgen einer regionalen Leitidee, die gestalterisch an den Verlauf des Rheins angelehnt ist. Das Konzept beinhaltet eine offene Raumgestaltung, die Integration von Pflanzen sowie die Installation einer höheren Anzahl von Stromanschlüssen für mobile Endgeräte. Die Prüfer von Skytrax bewerteten diese Maßnahmen zur Verbesserung der Atmosphäre als zielführend für das Reiseerlebnis.
Parallel dazu erfolgte eine Restrukturierung des kommerziellen Sektors auf dem Flughafengelände. In Zusammenarbeit mit dem Gastronomiepartner Autogrill wurden 18 Cafés und Restaurants erneuert, um den veränderten Konsumgewohnheiten der Fluggäste Rechnung zu tragen. Ergänzt wird diese Entwicklung durch modernisierte Duty-Free-Zonen und die Einführung eines veränderten Loungekonzepts. Die Erhöhung der Aufenthaltsqualität in den Terminals dient nicht zuletzt dem Zweck, die Verweildauer der Passagiere in den kommerziellen Bereichen zu verlängern und somit die Non-Aviation-Einnahmen des Flughafens zu stabilisieren. Kritiker geben zu bedenken, dass derartige Modernisierungen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden müssen, um im Wettbewerb mit benachbarten Großflughäfen wie Düsseldorf oder Frankfurt nicht an Boden zu verlieren.
Hintergrund zur Ratingorganisation und Ausblick
Die für die Bewertung verantwortliche Organisation Skytrax wurde 1989 gegründet und betreibt das World Airport Rating-Programm seit dem Jahr 1999. Das System stuft Flughäfen weltweit auf einer Skala von eins bis fünf Sternen ein, wobei sowohl die physische Produktqualität als auch die Serviceleistungen des Personals in die Endnote einfließen. Das Erreichen von vier Sternen platziert den Flughafen Köln/Bonn in einem Segment von Verkehrsflughäfen, die einen guten Standard in den Kernbereichen der Passagierabfertigung nachweisen können.
Für die Geschäftsführung des Flughafens stellt das Ergebnis eine Bestätigung der bisherigen Investitionen dar, wirft jedoch gleichzeitig die Frage auf, wie das erreichte Niveau angesichts schwankender Passagierzahlen und steigender Betriebskosten gehalten werden kann. Die Beibehaltung des Vier-Sterne-Status erfordert kontinuierliche Aufwendungen für die Instandhaltung der Infrastruktur und die Schulung des Personals. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die umgesetzten Prozessautomatisierungen und die neuen Kontrolltechnologien ausreichen, um den Qualitätsansprüchen der internationalen Prüfer auch bei zukünftigen Re-Audits dauerhaft gerecht zu werden.