Der langwierige Abwicklungsprozess der insolventen indischen Fluggesellschaft Jet Airways hat mit dem Verkauf von fünf Passagierflugzeugen des Typs Boeing 777-300ER an das maltesische Unternehmen Ace Aviation einen weiteren Meilenstein erreicht.
Der Flugbetrieb der einst führenden indischen Privatfluggesellschaft wurde bereits am 17. April 2019 eingestellt, nachdem das Unternehmen in eine schwere Finanzkrise geraten war und Schulden von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar angehäuft hatte. Während der Großteil der aus rund 110 Flugzeugen bestehenden Flotte von Leasinggesellschaften zurückgefordert wurde, verblieben einige im Eigentum der Fluggesellschaft befindliche Großraumflugzeuge jahrelang Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten und Insolvenzverfahren. Die endgültige Anordnung der Liquidation durch den Obersten Gerichtshof Indiens im November 2024 machte den Weg frei für die Verwertung der verbliebenen Vermögenswerte, um ausstehende Forderungen von Gläubigern und Flughafenbetreibern zumindest teilweise zu bedienen.
Ersteigerung der Mumbai-Flotte nach rechtlichen Hürden
Der Verkaufs- und Liquidationsprozess erstreckte sich über mehrere Jahre und war von rechtlichen Auseinandersetzungen geprägt. Drei der Maschinen des Typs Boeing 777-300ER mit den indischen Registrierungen VT-JES, VT-JEV und VT-JEM standen seit der Einstellung des Flugbetriebs auf dem Chhatrapati Shivaji Maharaj International Airport in Mumbai. Ace Aviation, eine Tochtergesellschaft der internationalen Frachtfluggruppe Challenge Group, hatte sich bereits im Oktober 2022 im Rahmen einer vorläufigen Versteigerung für diese drei Maschinen beworben und eine Anzahlung geleistet.
Der rechtliche Vollzug wurde jedoch durch Einsprüche verzögert. Sowohl das Jalan-Kalrock-Konsortium, welches ursprünglich eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs anstrebte, als auch die Betreibergesellschaft des Flughafens Mumbai legten Rechtsmittel ein. Der Flughafenbetreiber forderte offene Standgebühren in Höhe von umgerechnet rund 104 Millionen US-Dollar. Das Insolvenzgericht erkannte letztlich jedoch nur einen Teilbetrag von etwa 53,2 Millionen US-Dollar an. Am 11. Februar 2026 bestätigte Jet Airways den offiziellen Abschluss der Verkaufsvereinbarung. Die drei Maschinen erzielten zusammen einen Erlös von rund 46 Millionen US-Dollar. Im Einzelnen entfielen 16 Millionen US-Dollar auf die Maschine VT-JES, 12,5 Millionen US-Dollar auf die VT-JEV und 17,5 Millionen US-Dollar auf das Exemplar VT-JEM.
Auktion der in Delhi abgestellten Maschinen und ungeklärte Standgebühren
Zwei weitere Einheiten des Typs Boeing 777-300ER verblieben auf dem Indira Gandhi International Airport in Delhi. Nach der gerichtlichen Anordnung der Liquidation wurden die Flugzeuge VT-JET und VT-JEU im März 2026 über die staatliche E-Auktionsplattform für Insolvenzverfahren zum Verkauf angeboten. Das Bieterverfahren erbrachte einen Gesamterlös von rund 61,4 Millionen US-Dollar, was die vom Insolvenzverwalter angesetzten Mindestpreise von zusammen etwa 38 Millionen US-Dollar deutlich übertraf.
Für das Flugzeug mit der Registrierung VT-JET lag der Zuschlag bei rund 33 Millionen US-Dollar, während für die Maschine VT-JEU etwa 27 Millionen US-Dollar erzielt wurden. Auch in Delhi standen dem Verkauf langjährige Forderungen des Flughafenbetreibers im Weg. Der Betreiber DIAL forderte aufgelaufene Parkgebühren in Höhe von etwa 36,7 Millionen US-Dollar. Erst nach einer Teilregelung im Rahmen des Insolvenzrechts konnten die rechtlichen Voraussetzungen für den Eigentumsübergang geschaffen werden.
Technische Wiederherstellung der Flugtauglichkeit und hohe Instandsetzungskosten
Die Übernahme der seit sieben Jahren im Freien abgestellten Maschinen erfordert von den neuen Eigentümern erhebliche finanzielle Vorleistungen, bevor die Flugzeuge überhaupt wieder in die Luft steigen können. Aufgrund der langen Standzeit ohne reguläre Wartungsarbeiten besitzen die Flugzeuge derzeit keine Zulassung für den Flugbetrieb. Um das indische Luftfahrtbundesamt Directorate General of Civil Aviation für eine Überführungsgenehmigung zu überzeugen, müssen umfangreiche Inspektionen und Arbeiten durchgeführt werden.
Branchenschätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für die Wiederherstellung der Grundflugtauglichkeit sowie notwendige Inspektionspakete der Flugzeughersteller auf etwa 500.000 bis zwei Millionen US-Dollar pro Maschine. Hinzu kommen Instandsetzungskosten für die Triebwerke, die je nach Zustand und Laufleistung zwischen 10 und 15 Millionen US-Dollar pro Triebwerk liegen können. Insgesamt schlagen die Maßnahmen zur Vorbereitung eines Überführungsfluges mit schätzungsweise 10 bis 15 Millionen US-Dollar pro Flugzeug zu Buche.
Umrüstung zu Frachtflugzeugen und Gesamtkostenkalkulation
Das Ziel der Challenge Group ist die Nutzung der erworbenen Flugzeuge im weltweiten Luftfrachtverkehr. Sämtliche fünf Maschinen sollen im Rahmen des 777-300ERSF-Programms bei der Israel Aerospace Industries in Tel Aviv von Passagierflugzeugen in reine Frachtflugzeuge umgebaut werden. Dieser Umbau umfasst tiefgreifende strukturelle Anpassungen, das Einbauen einer Frachttür, Verstärkungen des Kabinenbodens sowie die Aktualisierung der Bordelektronik. Die Kosten für diese Frachterumrüstung liegen bei geschätzten 35 bis 40 Millionen US-Dollar pro Einheit.
Unter Einberechnung des durchschnittlichen Anschaffungspreises von etwa 21,5 Millionen US-Dollar, den Aufwendungen für die Flugtauglichkeitsherstellung sowie den Kosten für den Frachterumbau summiert sich die Gesamtinvestition pro Flugzeug auf schätzungsweise 66,5 bis 71,5 Millionen US-Dollar. Die erste Maschine, das ehemals in Mumbai abgestellte Flugzeug VT-JEM, wurde im August 2026 nach Tel Aviv überführt, nachdem es im Luftfahrtregister von Guernsey neu eingetragen worden war.
Verwertung der verbliebenen Flottenbestände
Neben den fünf Boeing 777-300ER verbleiben weitere Flugzeuge aus der Masse von Jet Airways im Verwertungsprozess. Im Sommer 2026 umfasste das Portfolio des Insolvenzverwalters noch drei Maschinen des Typs Boeing 737 sowie drei Großraumflugzeuge des Typs Airbus A330. Zwei Boeing 737-800 wurden Ende Juli 2026 mit Mindestpreisen von jeweils rund 8,5 Millionen US-Dollar zur Versteigerung angeboten. Eine ebenfalls angebotene Boeing 737-900 erzielte aufgrund fehlender Bauteile wie eines Triebwerks und eines Hilfstriebwerks einen deutlich geringeren Schätzwert von rund 590.000 US-Dollar. Der Verkauf der drei verbliebenen Airbus A330 ist für September 2026 angesetzt, womit die Abwicklung der Flugzeugflotte der einstigen Fluggesellschaft ihren Abschluss finden wird.