Die ägyptische Nationalfluggesellschaft Egyptair steht am Vorabend einer umfassenden strategischen Neuausrichtung, die darauf abzielt, ihre Präsenz auf dem globalen Luftverkehrsmarkt, insbesondere in Nordamerika, signifikant auszubauen.
Wie Ahmed Adel, der geschäftsführende Direktor von Egyptair, am Rande der Pariser Luftfahrtschau 2025 bekanntgab, plant die Fluggesellschaft die Einführung einer neuen Langstreckenverbindung nach Los Angeles, Kalifornien, die ihren längsten Flug im derzeitigen Streckennetz darstellen wird. Diese ehrgeizigen Pläne gehen Hand in Hand mit der Modernisierung der Flotte durch die Integration neuer Airbus A350-Flugzeuge und einer generellen Aufstockung der Frequenzen auf bestehenden US-Routen. Die Ankündigungen erfolgen kurz nachdem das Unternehmen eine Vereinbarung mit Accor Aviation über die Lieferung des Verkehrswarn- und Kollisionsvermeidungssystems (Traffic Alert and Collision Avoidance System – TCAS) für seine Boeing 737 Max-Flugzeuge unterzeichnete, was die kontinuierlichen Bemühungen um Flugsicherheit unterstreicht.
Los Angeles als zukünftiges Herzstück der US-Expansion
Die bevorstehende Einführung der Route nach Los Angeles markiert einen Meilenstein in der Expansionsstrategie von Egyptair. Obwohl bisher keine Nonstop-Verbindung zwischen Kairo und Los Angeles bestand, zeigt die Marktanalyse von OAG Traffic Analyzer ein beträchtliches Potential: In den zwölf Monaten bis Juli 2024 reisten rund 63.000 Passagiere auf dieser Strecke im Hin- und Rückflug. Damit war Los Angeles das drittgrößte Ursprungs- und Zielpaar im US-Verkehr von und nach Kairo und die größte unbediente Verbindung in Nordamerika. Dieses hohe Nachfragevolumen ohne direkte Anbindung unterstreicht die Attraktivität der Route für Egyptair.
Die zukünftige Airbus A350-Flotte von Egyptair wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Captain Adel bestätigte, daß die Auslieferung des ersten A350 für Dezember dieses Jahres erwartet wird. Ursprünglich hatte die Fluggesellschaft im November 2023 zehn Flugzeuge dieses Typs bestellt, mit Optionen für sechs weitere. Während des Interviews auf der Pariser Air Show deutete Captain Adel an, daß diese Optionen noch in derselben Woche offiziell gemacht würden – eine Ankündigung, die tatsächlich am Mittwoch erfolgte. Somit erhöht sich die feste Bestellung von Egyptair auf insgesamt 16 Airbus A350-900. Diese Flugzeuge sind für ihr hohes Maß an Treibstoffeffizienz und Reichweite bekannt, was sie ideal für lange transkontinentale Flüge macht.
Der Einsatz der A350s ist strategisch geplant: Sie sollen schrittweise die ältere Boeing 777-Flotte ersetzen, deren Ausmusterung voraussichtlich im November 2026 beginnen wird. Zu diesem Zeitpunkt sollte Egyptair über eine Flotte von sieben A350-900 verfügen. Captain Adel präzisierte die Einsatzstrategie der A350s: „Die erste Charge von sieben A350s wird das Netzwerk ergänzen und Hand in Hand mit den 787ern arbeiten, da der A350 eine höhere Kapazität hat. Im Grunde werden sie auf demselben Netzwerk eingesetzt. Sobald wir mehr als acht Flugzeuge haben, werden wir neue Routen eröffnen. Eine der Hauptrouten auf dem Plan wird LAX sein, da die Zahlen gut aussehen, aber wir brauchen mindestens sechs oder sieben A350s, um diese Route zu betreiben.“ Dies zeigt, daß die Einführung der Los Angeles-Route an den Fortschritt der A350-Auslieferungen gekoppelt ist.
Umfassendere Expansion in den Vereinigten Staaten: Frequenzerhöhungen und Marktstärke
Neben der Einführung der neuen Los Angeles-Verbindung strebt Egyptair eine umfassendere Expansion in den Vereinigten Staaten an. Ziel ist es, bis Anfang 2027 die Frequenzen auf allen Routen in die Vereinigten Staaten auf täglich zu erhöhen. Derzeit bedient die Fluggesellschaft vier Destinationen in Nordamerika, von denen lediglich zwei, New York-JFK und Toronto, täglich angeflogen werden. Die wichtigste Route ist dabei der tägliche Flug nach New York-JFK, der mit einer Boeing 777-300ER betrieben wird.
Die aktuellen Frequenzen und die durchschnittliche Auslastung im Jahre 2024, basierend auf Informationen des US-Verkehrsministeriums, stellen sich wie folgt dar:
- New York JFK Airport: Täglich, Boeing 777-300ER, durchschnittliche Auslastung 71 %.
- Washington Dulles International Airport: Zweimal wöchentlich, Boeing 787-9, durchschnittliche Auslastung 76 %. (Geplante Erhöhung auf täglich bis Anfang 2027)
- Newark Liberty International Airport: Dreimal wöchentlich, Boeing 787-9, durchschnittliche Auslastung 77 %. (Geplante Erhöhung auf täglich bis Anfang 2027; neueste US-Route, 2023 eingeführt).
Die insgesamt 12 wöchentlichen Flüge in die Vereinigten Staaten erreichten im Jahre 2024 eine kombinierte durchschnittliche Auslastung von 73 %. Die bestperformende Route nach dieser Metrik war Newark mit 61.000 Hin- und Rückflugpassagieren bei 79.000 angebotenen Sitzen. Obwohl die Auslastungsfaktoren nicht direkt die Profitabilität einer Route widerspiegeln, da die Erträge unberücksichtigt bleiben, und JFK trotz niedrigerer Auslastung eine deutlich höhere Kapazität bietet, unterstreichen diese Zahlen die solide Position von Egyptair auf dem US-Markt.
Interessanterweise bemerkte Captain Adel auf die Frage nach möglichen Auswirkungen der Unsicherheit rund um US-Präsident Donald Trump auf die Passagiernachfrage, daß das Unternehmen „keinen Einfluß“ feststellen konnte. Er verwies dabei auf die lange Geschichte der Airline in den Vereinigten Staaten, die bis in die 1980er Jahre zurückreicht. „Wir mögen diesen Markt“, schloß der CEO, und die geplante Expansion dient als deutlicher Beweis dafür. Dies unterstreicht die Robustheit der Nachfrage und die etablierten Verbindungen zwischen Ägypten und den Vereinigten Staaten, die durch familiäre Bindungen, Tourismus und Geschäftsreisen getragen werden.
Los Angeles und der afrikanische Luftkorridor: Eine einzigartige Verbindung
Die neue Verbindung nach Kairo wird für Los Angeles eine besondere Bedeutung haben: Sie wird die einzige Nonstop-Flugverbindung des Flughafens nach Afrika darstellen, basierend auf seinem derzeitigen Streckennetz. Daten des Luftfahrtanalyseunternehmens Cirium zeigen, daß der Flughafen seit mindestens 2002 keine Nonstop-Flüge nach Afrika hatte, mit Ausnahme einer kurzen Periode im Jahre 2019 durch Ethiopian Airlines.
Die äthiopische Fluggesellschaft hatte im Dezember 2018 einen dreimal wöchentlichen Nonstop-Flug nach Lome eingeführt, der als sogenannte Fünfte-Freiheit-Verbindung auf dem Weg in die äthiopische Hauptstadt diente. Diese Route war jedoch sehr kurzlebig und wurde bereits Ende Februar 2019 wieder eingestellt. Ethiopian Airlines strich die LAX-Verbindung und wechselte zu Houston. Zuvor flog Ethiopian nach Los Angeles über Dublin, was jedoch nicht als Nonstop-Route nach Afrika zählte.
Die Etablierung einer direkten Verbindung zwischen Los Angeles und Kairo ist nicht nur für Egyptair von strategischer Bedeutung, sondern auch für Reisende an der US-Westküste, die eine direkte Anbindung an den afrikanischen Kontinent suchen. Es wird erwartet, daß diese Route sowohl den Tourismus als auch Geschäftsreisen ankurbeln wird, indem sie die Reisezeit verkürzt und die Bequemlichkeit für Passagiere erhöht. Die A350-Flotte mit ihrer Fähigkeit, solche Langstrecken effizient zu bedienen, ist der Schlüssel zur Realisierung dieser ambitionierten Pläne. Die Fähigkeit, direkte Flüge auf solchen historisch unbedienten Strecken anzubieten, positioniert Egyptair als wichtigen Akteur in der globalen Langstreckenluftfahrt und stärkt die Konnektivität zwischen den Kontinenten.