Boeing 787-8 (Foto: Robert Spohr).
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Äthiopiens Megaprojekt am Horn von Afrika: Baubeginn für den Milliarden-Hub in Bishoftu

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Mit einer feierlichen Grundsteinlegung am 10. Januar 2026 hat Äthiopien den offiziellen Startschuss für eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte des afrikanischen Kontinents gegeben. In Anwesenheit von Premierminister Abiy Ahmed und der Führungsspitze von Ethiopian Airlines begannen die Bauarbeiten für das neue internationale Drehkreuz in Bishoftu.

Mit einem Investitionsvolumen von rund 12,5 Milliarden US-Dollar soll etwa 45 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Addis Abeba ein Flughafen entstehen, der in seiner Endausbaustufe zu den kapazitätsstärksten der Welt zählen wird. Das Projekt zielt darauf ab, die bestehenden infrastrukturellen Engpässe im afrikanischen Luftverkehr zu beseitigen und die zentrale Rolle Äthiopiens als logistische Drehscheibe zwischen Asien, Europa und dem Rest Afrikas zu zementieren. Das Design sieht ein System von vier Start- und Landebahnen vor, wobei die erste Phase bereits bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein soll, um ein Passagieraufkommen von jährlich 60 Millionen Menschen zu bewältigen.

Strategische Neuausrichtung fernab von Bole International

Der derzeitige Hauptflughafen der Fluggesellschaft, der Addis Ababa Bole International Airport, stößt trotz zahlreicher Erweiterungen in den letzten Jahren zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Aufgrund seiner Lage mitten im Stadtgebiet von Addis Abeba und der beträchtlichen Höhe von über 2.300 Metern über dem Meeresspiegel sieht sich der operative Betrieb mit physischen und logistischen Einschränkungen konfrontiert. Das neue Gelände in Bishoftu liegt deutlich niedriger, was die Startleistung der Flugzeuge verbessert und somit höhere Nutzlasten sowie größere Reichweiten bei vollbeladenen Maschinen ermöglicht.

Laut Mesfin Tasew, dem Vorstandsvorsitzenden der Ethiopian Airlines Group, ist der neue Hub nicht nur eine Antwort auf das Wachstum der nationalen Fluggesellschaft, sondern eine notwendige Investition in die wirtschaftliche Integration des gesamten Kontinents. Im Rahmen der afrikanischen kontinentalen Freihandelszone soll der Flughafen als primärer Umschlagplatz für Waren und Reisende fungieren. Die Planung sieht vor, dass die Kapazität nach Abschluss aller Bauphasen auf bis zu 110 Millionen Passagiere pro Jahr ansteigt, womit Bishoftu in einer Liga mit globalen Drehkreuzen wie Dubai oder Istanbul spielen würde.

Phasenweise Entwicklung und infrastrukturelle Anbindung

Der Bau des Megaprojekts ist in mehrere strategische Abschnitte unterteilt. Die erste Phase, deren Fertigstellung für das Ende des laufenden Jahrzehnts projektiert ist, umfasst den Bau der wesentlichen Terminalgebäude sowie der ersten beiden Landebahnen. Parallel dazu wird an der logistischen Anbindung an die Hauptstadt gearbeitet. Geplant sind Schnellstraßenverbindungen sowie eine Schienenanbindung, um den Transfer zwischen dem Stadtzentrum und dem neuen Luftfahrtzentrum effizient zu gestalten.

Ein kritischer Punkt bei Projekten dieser Größenordnung ist stets die Umsiedlung lokaler Gemeinschaften. Die äthiopische Regierung und die Fluggesellschaft bestätigten im Rahmen der Zeremonie, dass die Resettlement-Maßnahmen für die betroffenen Bewohner bereits erfolgreich abgeschlossen wurden. Das Design des Flughafens selbst, das bei der Grundsteinlegung enthüllt wurde, setzt auf ein modulares Konzept. Dies erlaubt es der Flughafenverwaltung, die Kapazitäten flexibel an die tatsächliche Marktentwicklung anzupassen, ohne den laufenden Betrieb späterer Phasen massiv zu stören.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region und den Kontinent

Äthiopien verfolgt seit Jahren eine konsequente Strategie des exportorientierten Wachstums und der industriellen Entwicklung. Der Luftverkehrssektor gilt dabei als einer der wichtigsten Motoren. Durch die massiven Investitionen in Bishoftu schafft der Staat Tausende von Arbeitsplätzen im Baugewerbe und später im Dienstleistungssektor. Der neue Flughafen wird zudem die Frachtkapazitäten erheblich erweitern, was insbesondere für den Export von Agrargütern und Textilien von Bedeutung ist.

Die Entscheidung für den Standort Bishoftu ist auch unter dem Aspekt der regionalen Entwicklung zu sehen. Die Stadt ist bereits heute ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum und beherbergt bedeutende industrielle Einrichtungen sowie touristische Ziele. Die Ansiedlung eines globalen Luftfahrt-Hubs wird die Immobilienpreise und die gewerbliche Tätigkeit in der Region Oromia voraussichtlich weiter ankurbeln.

Wettbewerb im afrikanischen Luftraum

Mit dem Bau des 12,5-Milliarden-Dollar-Projekts setzt sich Äthiopien deutlich von seinen regionalen Wettbewerbern ab. Während andere afrikanische Staaten mit veralteter Infrastruktur und stagnierenden nationalen Fluggesellschaften kämpfen, nutzt Ethiopian Airlines ihre starke Marktposition, um Tatsachen zu schaffen. Der neue Hub wird die Effizienz von Umsteigeverbindungen innerhalb Afrikas verbessern, was bisher oft über Umwege über europäische oder arabische Flughäfen abgewickelt werden musste.

Finanziert wird das Projekt durch eine Kombination aus staatlichen Mitteln, Krediten internationaler Finanzinstitutionen und den Gewinnen der profitabel operierenden Ethiopian Airlines. Kritiker weisen zwar auf die hohe Schuldenlast hin, die solche Großprojekte mit sich bringen können, doch die Verantwortlichen in Addis Abeba verweisen auf die langfristigen Renditechancen durch Gebühreneinnahmen und die Stärkung der nationalen Wirtschaftskraft.

Zukünftige Kapazitäten und operative Vorteile

In der Endausbaustufe wird der Flughafen über modernste Wartungszentren, ausgedehnte Logistikparks und ein eigenes Hotelviertel für Transitreisende verfügen. Die vier Landebahnen ermöglichen den simultanen Betrieb von Starts und Landungen, was die Verspätungsanfälligkeit bei hohem Verkehrsaufkommen minimiert. Das Projekt spiegelt den Aufstieg Äthiopiens zur führenden Luftfahrtnation Afrikas wider und zeigt, dass das Land bereit ist, massiv in seine physische Konnektivität zu investieren, um am globalen Handel partizipieren zu können.

Das Jahr 2030 wird somit zum ersten großen Prüfstein für die Vision einer neuen afrikanischen Luftfahrt-Ära. Sollten die Wachstumsraten im Passagierverkehr wie prognostiziert anhalten, könnte Bishoftu schon bald nach seiner Eröffnung zum wichtigsten Bindeglied für den Handel zwischen dem globalen Süden und dem Norden werden. Die Grundsteinlegung markiert damit den Beginn einer baulichen Transformation, die das Gesicht Ostafrikas nachhaltig verändern wird.

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