Die AirAsia Aviation Group steht vor einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung und Konsolidierung, die eine Rückkehr zum ursprünglichen Namen AirAsia Group sowie eine ambitionierte geographische Expansion vorsieht. Im Zentrum dieser Pläne steht die Errichtung eines neuen Drehkreuzes im Nahen Osten, dessen operative Aufnahme für die zweite Jahreshälfte 2026 angestrebt wird. Dieses strategische Zentrum soll die Vernetzung des südostasiatischen Low-Cost-Riesen mit wichtigen Märkten in Europa und dem Vereinigten Königreich vorantreiben. Die Wahl fiel dabei auf Bahrain International, das sich in der Wettbewerbsanalyse als vorteilhafter Standort gegenüber den etablierten Drehkreuzen Dubai International oder Abu Dhabi International erwiesen hat.
Bo Lingam, der Geschäftsführer der Gruppe, bestätigte, dass die initialen Operationen Verbindungen zwischen Kuala Lumpur International und Bahrain International umfassen sollen. Zudem werde eine Anbindung des Standorts Bangkok Don Mueang in Betracht gezogen. Bahrain soll dabei als zentraler Startpunkt für weitere Flugdienste nach Europa dienen. Die Entscheidung für Bahrain basiert laut Lingam auf dessen wettbewerbsfähigen Tarifen und der effizienten, nicht überlasteten Infrastruktur. Als weitere Option zur langfristigen Etablierung im Nahen Osten prüft die Gruppe die Gründung eines eigenen, in Bahrain ansässigen Air Operator’s Certificate (AOC). Parallel zur Expansion außerhalb Asiens plant AirAsia einen signifikanten Flottenausbau, um das Wachstum in Schlüsselmärkten wie Indonesien und den Philippinen zu unterstützen.
Strategische Neuausrichtung im Nahen Osten
Der Schritt in den Nahen Osten markiert eine wichtige Phase in der Unternehmensgeschichte von AirAsia. Obwohl die Region bereits von großen und finanzstarken nationalen Fluggesellschaften dominiert wird, zielt AirAsia darauf ab, in der Nische der kosteneffizienten Langstreckenverbindungen Fuß zu fassen. Bahrain International, das eine geringere Komplexität und niedrigere Betriebskosten als seine Nachbarn bietet, passt gut zur Geschäftsphilosophie eines Billigfliegers.
Die Wahl Bahrains als Drehscheibe ist strategisch motiviert. Der Flughafen verfügt über eine moderne, aber weniger frequentierte Infrastruktur, was zu geringeren Abfertigungszeiten und somit zu einem effizienteren Betrieb führen kann. Die geringeren Gebühren und Betriebskosten an diesem Standort könnten AirAsia einen entscheidenden Kostenvorteil verschaffen, den die Gruppe benötigt, um gegen die etablierte Konkurrenz auf den Strecken nach Europa anzutreten.
Die Pläne sehen vor, Bahrain als Brückenkopf für Verbindungen nach Europa und das Vereinigte Königreich zu nutzen. Dies würde es AirAsia ermöglichen, Passagiere aus ihrem breiten Streckennetz in Südostasien über Kuala Lumpur oder Bangkok zu bündeln und sie mit nur einem Zwischenstopp zu europäischen Zielen zu bringen. Dieser Ansatz könnte besonders für preissensible Reisende attraktiv sein, die bereit sind, für einen günstigeren Flug einen Zwischenstopp in Kauf zu nehmen. Die Prüfung der Gründung eines lokalen AOC in Bahrain zeigt die langfristige Absicht, die Präsenz in der Region zu verfestigen und möglicherweise interne Steuervorteile oder operative Vereinfachungen zu nutzen, die mit einer lokalen Registrierung verbunden sind.
Konsolidierung und Flottenmanagement
Der Expansionsschritt geht Hand in Hand mit einer umfassenden Konsolidierung innerhalb der Gruppe. Die geplante Zusammenführung der AirAsia Aviation Group mit AirAsia X – dem Langstreckenarm der Gruppe – unter dem gemeinsamen Markennamen AirAsia Group soll die operative Effizienz erhöhen, Synergien nutzen und die Markenidentität stärken. Ziel dieser Restrukturierung ist es, eine einheitlichere Struktur zu schaffen, die sowohl Kurz- als auch Langstreckenflüge abdeckt und so die Gesamteffizienz des Streckennetzes verbessert.
Um die Wachstumspläne sowohl im Nahen Osten als auch in den asiatischen Kernmärkten zu stützen, ist ein signifikanter Flottenausbau geplant. Die Gruppe erwartet die Indienststellung von elf neuen Flugzeugen im Jahr 2026. Diese Neubauten setzen sich aus vier A321-200NX(LR)s (Long Range) und sieben A321-200NX zusammen. Die A321-Neo-Familie ist besonders wichtig für die Strategie von AirAsia. Die A321LR-Version, die längere Reichweiten ermöglicht, ist ideal für die geplanten, längeren Strecken in den Nahen Osten und darüber hinaus, während die Standard-Neo-Version die Kurz- und Mittelstreckenflüge in Asien optimieren soll.
Zusätzlich zu diesen elf neuen, direkt von Airbus stammenden Flugzeugen plant die Gruppe, weitere 15 bis 30 geleaste A320-200 in die Flotte aufzunehmen. Diese geleasten Maschinen dienen primär der kurzfristigen Kapazitätssteigerung, um die Nachfrage in den Kernmärkten Indonesien und den Philippinen zu bedienen und die Lücken zu schließen, die durch die anhaltenden Lieferverzögerungen bei Neuauslieferungen in der gesamten Luftfahrtindustrie entstehen.
Stärkung der asiatischen Kernmärkte
Während die Expansion in den Nahen Osten Schlagzeilen macht, bleibt die Stärkung der Präsenz in Südostasien das Fundament des Geschäftsmodells von AirAsia. Indonesien und die Philippinen gelten als wichtige Wachstumsmärkte mit großen und schnell wachsenden Populationen, die zunehmend reisen. Die zusätzliche Kapazität durch die neuen und geleasten Flugzeuge ist darauf ausgerichtet, die Frequenzen auf bestehenden Routen zu erhöhen und neue innerasiatische Verbindungen aufzunehmen.
Insbesondere die philippinische Tochtergesellschaft, AirAsia Philippines, und AirAsia Indonesia sehen in dem Kapazitätszuwachs die Möglichkeit, ihre Marktanteile im jeweiligen Heimatland und der Region auszubauen. Die gesteigerte Verfügbarkeit von Sitzplätzen ist entscheidend, um auf die hohe inländische und regionale Reisenachfrage zu reagieren. Die konsolidierte und gestärkte AirAsia Group beabsichtigt, ihre Position als Marktführer im Niedrigpreissegment Asiens zu festigen und ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber regionalen Konkurrenten zu sichern.
Wettbewerbslandschaft und Ausblick
Die Entscheidung von AirAsia, in den Nahen Osten vorzustoßen, wird die Wettbewerbslandschaft auf den Strecken zwischen Asien und Europa weiter intensivieren. Der Konzern wird direkt mit den großen Golf-Carriern konkurrieren, aber auch indirekt mit anderen südostasiatischen Fluggesellschaften, die ebenfalls auf der Jagd nach Transitpassagieren sind. AirAsia setzt darauf, Reisenden über das neue Drehkreuz Bahrain eine attraktive Kombination aus günstigen Tarifen und einer effizienten Reisekette anzubieten.
Die Realisierung dieser Pläne hängt wesentlich von der Einhaltung des geplanten Zeitrahmens für die Indienststellung der neuen Flugzeuge ab. Angesichts der allgemeinen Produktionsengpässe in der Luftfahrt, wie sie von der IATA beschrieben wurden, stellt die geplante Indienststellung von elf neuen A321-Maschinen eine ambitionierte Herausforderung dar. Die Nutzung geleaster A320-Flugzeuge zeigt die pragmatische Reaktion der Gruppe auf die industrieweiten Lieferprobleme und ihre Entschlossenheit, die notwendige Kapazität für das angestrebte Wachstum bereitzustellen. Sollte das Vorhaben in Bahrain erfolgreich sein, könnte dies den Weg für andere Low-Cost-Carrier ebnen, ähnliche Langstreckenstrategien über effiziente Zwischenhubs zu verfolgen.