Comac C919 (Foto: Weimeng).
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Air Asia verhandelt mit Comac über Großauftrag für C919

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Der Billigflugriese Air Asia bereitet einen bedeutenden strategischen Schritt vor, der die Luftfahrtlandschaft in Asien verändern könnte. Tony Fernandes, CEO von Capital A, der Muttergesellschaft von Air Asia, hat bestätigt, daß seine Fluggesellschaft in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem chinesischen Flugzeughersteller Comac steht, um eine unbestimmte Anzahl von C919-Mittelstreckenjets zu erwerben.

Diese Verhandlungen, über die Fernandes auf dem Belt and Road Summit in Hongkong sprach, signalisieren eine ernsthafte Absicht, die Flotte der Airline mit chinesischen Maschinen zu erweitern. Sollte der Deal zustande kommen, wäre dies ein Durchbruch für Comac, das bislang den Großteil seiner C919-Bestellungen auf dem heimischen Markt generierte, und ein Zeichen für die wachsende Bedeutung chinesischer Flugzeugbauer im globalen Luftverkehr.

Flottenerneuerung und strategische Diversifizierung

Die möglichen Verhandlungen über den Erwerb von Comac-Jets sind nicht die erste Ankündigung in dieser Richtung. Tony Fernandes hat in den letzten Jahren wiederholt die Absicht geäußert, die chinesischen Flugzeuge als Option für zukünftige Flottenbestellungen zu prüfen. Die aktuelle Bestätigung unterstreicht, daß die Gespräche nun eine fortgeschrittene Phase erreicht haben. Für Air Asia, das eine finanziell turbulente Zeit hinter sich hat, die in einer Restrukturierung gipfelte, stellt der geplante Ausbau der Flotte ein zentrales Element ihrer Wachstumsstrategie dar.

Air Asia, das seine Heimatbasis in Kuala Lumpur hat, setzt derzeit auf eine Flotte von Airbus A320-Familienflugzeugen, die in den asiatisch-pazifischen Regionen weit verbreitet sind. Erst im Juli 2025 hatte das Unternehmen seine Partnerschaft mit Airbus auf der Pariser Luftfahrtschau bekräftigt, indem es bis zu 70 Airbus A321XLR bestellte. Nun scheint die Fluggesellschaft eine Dual-Sourcing-Strategie zu verfolgen, die es ihr ermöglichen würde, ihre Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller zu verringern.

Neben den Gesprächen mit Comac wird Air Asia auch in Verbindung mit Airbus und Embraer gebracht. Berichten zufolge verhandelt die Airline über weitere Flugzeuge im Segment von 100 bis 150 Sitzen, wobei die A220– und E2-Jets in Betracht gezogen werden. Diese Modelle würden die Flexibilität des Streckennetzes von Air Asia weiter erhöhen, da sie sich für Routen mit geringerem Passagieraufkommen eignen.

Vorteil im Preis: Die Comac-Strategie

Der malaysische Verkehrsminister Anthony Locke, der ebenfalls an dem Event in Hongkong teilnahm, äußerte sich positiv über die mögliche Akquisition chinesischer Jets durch Air Asia. Er forderte Comac jedoch auf, seine internationalen Marketingbemühungen zu verstärken, um das Markenbewußtsein außerhalb Chinas zu erhöhen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Flugzeuge zu stärken.

Tony Fernandes griff diesen Punkt auf und nannte Comacs mangelnde Markenbekanntheit außerhalb des chinesischen Marktes als einen Faktor, der Air Asia die Möglichkeit gebe, vorteilhafte Preise für die neuen Flugzeuge zu erzielen. Dies ist eine entscheidende Erkenntnis, da die C919-Jets eine direkte Konkurrenz zum Airbus A320 und zur Boeing 737 sind. Während Comac mehr als 1.000 Bestellungen für die C919 von chinesischen Fluggesellschaften verzeichnen konnte, war die internationale Vertriebstätigkeit bislang begrenzt. Das Fehlen westlicher Zertifizierungen ist eine Hürde, die jedoch durch eine aggressive Preispolitik kompensiert werden könnte. Die Verhandlungen zwischen Air Asia und Comac könnten somit auch eine Testphase für die Markteinführung des C919 im globalen Luftverkehr darstellen.

Comacs Expansion in Südostasien

Der potentielle Großauftrag von Air Asia ist kein Einzelfall. Comac ist bereits dabei, in den Nachbarländern Fuß zu fassen. Am selben Tag, an dem die Gespräche mit Air Asia bekannt wurden, hat die kambodschanische Fluggesellschaft Air Cambodia eine Absichtserklärung über den Kauf von bis zu 20 kleineren Regionaljets des Typs C909 unterzeichnet. Der C909, ehemals bekannt als ARJ21, ist bereits bei Fluggesellschaften in Indonesien, Vietnam und Laos im Einsatz.

Die Entscheidung von Air Cambodia ist bemerkenswert, da die Airline im August 2025 auch zehn Boeing 737 Max 8 bestellte. Dies deutet darauf hin, daß die Fluggesellschaften in Südostasien eine gemischte Flottenstrategie verfolgen, um von den Angeboten verschiedener Hersteller zu profitieren. Für Comac ist jede internationale Bestellung ein wichtiger Schritt, um die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in seine Produkte zu steigern.

Die Luftfahrtindustrie in Südostasien ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte weltweit. Die Region, die für den Tourismus und den regionalen Handel von entscheidender Bedeutung ist, bietet Herstellern wie Comac die Möglichkeit, sich zu etablieren. Die Verhandlungen mit einem Branchenschwergewicht wie Air Asia könnten den chinesischen Flugzeugbauer auf eine neue Ebene heben.

Die kommende Entscheidung von Air Asia über den Kauf der C919-Jets wird von der gesamten Luftfahrtbranche aufmerksam verfolgt. Sie wird nicht nur die Zukunft von Air Asia und Comac prägen, sondern auch ein Indikator dafür sein, wie schnell sich die globale Luftfahrtlandschaft in den kommenden Jahren verändern wird.

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