Airbus A330-300 (Foto: byeange).
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Air Asia vor strategischer Neuausrichtung: Golf-Drehkreuz geplant

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Nach einer Phase der Zurückhaltung kündigt Air Asia, Asiens größter Günstigflieger, eine ambitionierte Wachstumsstrategie an, welche die Rückkehr nach Europa zum Ziele hat. Anders als in der Vergangenheit plant Airlinechef Tony Fernandes, den europäischen Markt nicht direkt von Asien aus, sondern über ein regionales Drehkreuz in einem Golfstaate zu erschließen.

Dieses Modell soll die bisherige Konzentration auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen aufbrechen und den Anteil der Umsteigepassagiere, welcher derzeit lediglich bei acht Prozent liege, signifikant erhöhen. Fernandes signalisiert zudem Interesse an Zielen in Deutschland, um seine Expansionspläne in die Tat umzusetzen. Mit dieser Neuausrichtung sollen neue, sehr profitable Geschäftsbereiche erschlossen werden, gestützt durch eine mögliche Flottenerweiterung um Airbus A220-Flugzeuge.

Die Rückkehr nach Europa: Eine ambitionierte Strategie

Lange Zeit war es still geworden um Air Asia, den dominierenden Günstigflieger Asiens. Die weltweiten Reisebeschränkungen hatten die Luftfahrtindustrie schwer getroffen, und auch Air Asia mußte ihre ambitionierten Wachstumspläne vorübergehend auf Eis legen. Doch nun, nach der Überwindung der größten Krisen, schaltet der Konzern wieder auf Wachstum und richtet seinen Blick erneut auf den europäischen Markt. Dieses Mal jedoch mit einer modifizierten Strategie, welche aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt haben dürfte.

In der Vergangenheit hatte Air Asia über ihren Langstreckenableger Air Asia X bereits Linienverbindungen nach London und Paris unterhalten. Der Versuch, das erfolgreiche Günstigflugmodell, welches auf Kurz- und Mittelstrecken in Asien florierte, auf die Langstrecke zu übertragen, erwies sich jedoch als unrentabel. Die Fluggesellschaft stellte diese Flüge aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit wieder ein. Dies zeigte, daß die spezifischen Anforderungen und Kostenstrukturen der Langstrecke eine andere Herangehensweise erfordern als der einfache Punkt-zu-Punkt-Verkehr auf kürzeren Distanzen.

Airlinechef Tony Fernandes, eine prägende Figur der asiatischen Luftfahrt, plant nun eine andere Herangehensweise. Anstatt mit einer Neuauflage von Nonstop-Langstrecken aus dem bisherigen Hauptdrehkreuz Kuala Lumpur will Fernandes Europa dieses Mal über ein zwischengeschaltetes Drehkreuz in den Golfstaaten erschließen. Er habe bereits mit mehreren potentiellen Partnern auf der Pariser Luftfahrtschau über die Einrichtung eines solchen regionalen Hubs gesprochen, wie Fernandes der „Financial Times“ mitteilte. Ein solches Drehkreuz würde es Air Asia ermöglichen, Passagiere aus ihrem weitverzweigten asiatischen Netz zu sammeln und diese über den Golf in verschiedene europäische Städte zu befördern.

Das Drehkreuz-Modell: Effizienz und Profitabilität

Derzeit, so Tony Fernandes, steigen lediglich acht Prozent der Passagiere im komplexen Netz von Air Asia um. Dies ist ein vergleichsweise geringer Wert für eine Fluggesellschaft, welche die Effizienz ihres Netzwerkes maximieren möchte. „Fluggesellschaften wie wir waren bisher überwiegend im Punkt-zu-Punkt-Verkehr tätig“, erklärte der Manager. Dieses Modell, welches Direktflüge zwischen zwei Städten ohne Umstieg anbietet, ist für bestimmte Märkte und Passagiersegmente sehr erfolgreich. Es bietet Bequemlichkeit und oft kürzere Reisezeiten.

Allerdings stößt das Punkt-zu-Punkt-Modell auf der Langstrecke an seine Grenzen, insbesondere wenn es darum geht, ein breites Spektrum an Destinationen zu bedienen und Passagierströme zu bündeln. Die Erweiterung des Geschäftsmodells in Richtung eines Netzwerkcarriers, welcher Umsteigeverbindungen aktiv fördert, könnte nach Einschätzung von Fernandes „sehr, sehr profitabel“ sein. Ein regionales Drehkreuz in einem Golfstaat wäre hierfür ein entscheidender Schritt. Die Golfregion, mit ihren modernen Flughäfen und ihrer strategischen Lage zwischen Asien und Europa, hat sich bereits als wichtiger Luftverkehrsknotenpunkt etabliert. Fluggesellschaften wie Emirates in Dubai, Qatar Airways in Doha und Etihad Airways in Abu Dhabi haben dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie nutzen ihre geografische Position, um als „Brücke“ zwischen verschiedenen Kontinenten zu fungieren.

Für Air Asia würde ein solches Drehkreuz bedeuten, daß sie Passagiere aus ihrem umfangreichen asiatischen Kurz- und Mittelstreckennetzwerk nach einem Golfstaat bringen könnten. Von dort aus würden diese Passagiere auf Flüge nach Europa umsteigen. Dies würde es Air Asia ermöglichen, ein größeres Passagieraufkommen für die Langstrecke zu generieren und die Auslastung ihrer Flüge nach Europa zu optimieren. Es ist ein Modell, welches auf der Konsolidierung von Passagierströmen basiert, um effizientere und rentablere Operationen auf der Langstrecke zu ermöglichen.

Ziele in Europa: Von London bis nach Deutschland

Obwohl ein Drehkreuz in einem Golfstaat die primäre Strategie darstellt, um den europäischen Markt zu erschließen, hat Tony Fernandes bereits konkrete Zielorte in Europa im Blick. „Gatwick wäre dabei meine erste Wahl“, sagte der Air-Asia-Chef der „Financial Times“. Der Flughafen London Gatwick ist nach Heathrow der zweitgrößte Flughafen der britischen Hauptstadt und ein wichtiges Drehkreuz für Günstigfluggesellschaften. Eine Präsenz in London würde Air Asia Zugang zu einem der größten und lukrativsten Märkte Europas verschaffen.

Doch Fernandes denkt nicht nur an die bekannten Metropolen. Auch Ziele in der zweiten Reihe wie Köln in Deutschland, Glasgow und Manchester in Großbritannien sowie Dublin in Irland hat der Airlinechef auf dem Zettel. Diese Städte verfügen oft über geringere Gebühren und weniger überlastete Lufträume als die großen Hauptstädte, was sie für ein Günstigflugmodell attraktiv macht. Zudem könnten sie als Zubringer für Passagiere aus den jeweiligen Regionen dienen. Das Interesse an Köln signalisiert, daß Deutschland als wichtiger europäischer Markt ebenfalls im Fokus der Expansionspläne von Air Asia steht. Auch in Osteuropa wittert Air Asia dem Vernehmen nach Chancen, was auf eine breitere geografische Diversifizierung der europäischen Ziele hindeutet.

Obwohl Fernandes eine „Aushängeroute“ nach London durchaus in Betracht zieht, werde sich Air Asia bei der Zielauswahl eher wieder an einer „Ryanair-Strategie“ orientieren. Dies deutet darauf hin, daß die Fluggesellschaft auch in Europa bevorzugt Flughäfen anfliegen wird, welche geringere Betriebskosten und weniger Wettbewerb bieten, und sich dabei auf die Kernprinzipien des Günstigflugmodells – Effizienz und Kostenkontrolle – konzentrieren wird. Die Wahl kleinerer oder sekundärer Flughäfen ist eine bewährte Strategie von Günstigfliegern, um ihre Ticketpreise niedrig zu halten und somit eine breitere Kundenschicht anzusprechen.

Neue Flottenpläne: Airbus A220 und die Zukunft der Air Asia-Flotte

Die ambitionierten Expansionspläne von Air Asia gehen Hand in Hand mit einer strategischen Neuausrichtung der Flotte. Die Fluggesellschaft schmiedet inzwischen wieder umfassende Ausbaupläne für ihre Flugzeugflotte, nachdem in der Krise die Airbus-Auslieferungen gestoppt werden mußten. Dies zeigt nicht nur die Erholung des Marktes, sondern auch das Vertrauen von Air Asia in ihre zukünftige Wachstumsfähigkeit.

Air Asia soll derzeit mit Airbus über die Anschaffung von bis zu 100 A220-Flugzeugen verhandeln. Die Airbus A220, ein Mittelstreckenflugzeug, ist bekannt für ihre Treibstoffeffizienz, ihre Reichweite und ihren Komfort in dieser Größenklasse. Sie würde eine flexible Ergänzung der bestehenden Flotte darstellen und sich gut für das geplante Drehkreuzmodell eignen, da sie sowohl auf kürzeren Zubringerflügen als auch auf längeren Regionalstrecken effizient eingesetzt werden kann. Die Entscheidung für die A220 könnte auch die Interoperabilität mit anderen Airbus-Flugzeugen im Netz von Air Asia erleichtern.

Aktuell stehen bei Airbus noch 358 A321neo und 15 A330-900 zur Lieferung an Air Asia und ihren Langstreckenableger Air Asia X aus. Die A321neo ist ein wichtiges Flugzeug für die Kurz- und Mittelstreckennetze der Air Asia Gruppe und ermöglicht eine hohe Kapazität auf populären Routen. Die A330-900, ein Großraumflugzeug, ist für die Langstreckenflüge von Air Asia X vorgesehen und würde die Kapazität für die neuen Verbindungen nach Europa und möglicherweise für weitere Interkontinentalrouten bereitstellen. Diese umfangreichen Bestellungen zeigen, daß Air Asia ihre Flotte nicht nur modernisieren, sondern auch signifikant erweitern möchte, um die geplanten Wachstumsziele im asiatischen und europäischen Markte zu erreichen. Die Verhandlungen über die A220 sind ein weiterer Hinweis auf eine strategische Anpassung der Flotte an das angestrebte Netzwerkmodell und die Erschließung neuer Märkte.

Eine neue Ära für Air Asia?

Die angekündigte strategische Neuausrichtung von Air Asia, weg vom reinen Punkt-zu-Punkt-Verkehr hin zu einem hybriden Modell mit einem regionalen Drehkreuz in den Golfstaaten, stellt einen bedeutenden Wandel im Geschäftsmodell des Günstigfliegers dar. Das Ziel, den Anteil der Umsteigepassagiere signifikant zu erhöhen und gleichzeitig den europäischen Markt über eine neue Route zu erschließen, zeigt den Willen, neue Profitabilitätsquellen zu erschließen und die Präsenz von Air Asia auf globaler Ebene zu stärken.

Die Wahl eines Golfstaates als Drehkreuz ist ein kluger Schachzug, da diese Region bereits über eine etablierte Infrastruktur für interkontinentale Verbindungen verfügt. Für europäische Reisende könnte dies bedeuten, daß Air Asia eine weitere preisgünstige Option für Flüge nach Asien anbietet, was den Wettbewerb auf diesen Routen beleben könnte. Der Fokus auf Ziele in der zweiten Reihe, wie Köln, ist zudem eine interessante Strategie, um weniger umkämpfte Märkte zu erschließen und lokale Nachfrage zu bedienen.

Die Flottenpläne, insbesondere die Verhandlungen über die Airbus A220 und die ausstehenden Lieferungen von A321neo und A330-900, unterstreichen die langfristigen Ambitionen von Air Asia. Sollten diese Pläne erfolgreich umgesetzt werden, könnte Air Asia nicht nur ihre Position als größter Günstigflieger Asiens festigen, sondern auch zu einem ernstzunehmenden Akteur im interkontinentalen Reiseverkehr werden, welcher das herkömmliche Netzwerkmodell neu definiert. Die kommenden Monate werden zeigen, inwiefern Tony Fernandes seine Vision in die Realität umsetzen kann und ob dieses neue Kapitel für Air Asia sehr, sehr profitabel wird.

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