Die asiatische Billigfluggesellschaft Air Asia X, der Langstreckenarm der größten Günstigfluggruppe Asiens, kehrt in diesem Jahr nach Europa zurück.
Ab dem 17. November 2025 wird die Airline viermal wöchentlich eine Direktverbindung zwischen ihrem Drehkreuz Kuala Lumpur und dem Flughafen Istanbul-Sabiha Gökçen anbieten. Die Entscheidung markiert den ersten Schritt einer neuen, strategischen Expansion nach Europa, die nach den Rückzügen aus London und Paris in der Vergangenheit als Neuanfang zu verstehen ist. Mit dieser neuen Route tritt Air Asia X in direkte Konkurrenz zur etablierten Turkish Airlines, die ebenfalls eine Verbindung in die malaysische Hauptstadt unterhält.
Die neue Langstreckenstrategie: Ein regionaler Hub am Golf
Die Wiederaufnahme von Europaflügen ist Teil einer umfassenden strategischen Neuausrichtung, die von Air Asia-Chef Tony Fernandes vor kurzem angekündigt wurde. Die Fluggesellschaft plant, ein regionales Drehkreuz in den Golfstaaten aufzubauen. Von dort aus sollen nach und nach weitere Langstreckenverbindungen nach Europa erschlossen werden. Istanbul dient dabei als erste dieser Verbindungen, die den neuen Ansatz der Fluggesellschaft testen soll.
Für die neue Route wird ein Airbus A330-300 eingesetzt, ein Flugzeug, das bereits in der Flotte der Air Asia X etabliert ist. Die Flugzeiten und das Buchungssystem der Airline bestätigen den Start der Verbindung für den 17. November. Durch die Wahl von Istanbul-Sabiha Gökçen, dem zweitgrößten Flughafen der türkischen Metropole, positioniert sich die Fluggesellschaft am asiatischen Rand Europas.
Die neue Strategie von Air Asia X unterscheidet sich deutlich von früheren Versuchen, sich auf dem europäischen Markt zu etablieren. In der Vergangenheit hatte die Fluggesellschaft bereits Flüge nach London und Paris angeboten, diese jedoch aus Mangel an Wirtschaftlichkeit wieder eingestellt. Die damals eingesetzten Airbus A330-Flüge waren nicht rentabel genug. Mit der neuen Herangehensweise über ein Drehkreuz im Nahen Osten und einer selektiveren Routenwahl soll dieses Mal ein nachhaltiger Erfolg gesichert werden.
Flottenerweiterung als Grundstein der Expansion
Ein wesentlicher Baustein der neuen Langstreckenstrategie ist die Modernisierung und Erweiterung der Flotte. Auf der Pariser Luftfahrtschau im Juni 2025 unterzeichnete die Air Asia Group einen Vorvertrag über 50 neue Langstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A321XLR, zusätzlich zu 20 Optionen.
- Der A321XLR ist eine neue, weiterentwickelte Version des beliebten A321neo-Jets mit einer stark vergrößerten Reichweite. Das Flugzeug kann dank Zusatztanks und einer höheren Startmasse Nonstop-Flüge von bis zu 8700 Kilometern durchführen.
- Die kompakte Größe und die hohe Effizienz des A321XLR machen ihn ideal für Langstreckenflüge mit geringerem Passagieraufkommen. Dies eröffnet der Airline die Möglichkeit, auch weniger stark frequentierte Routen wirtschaftlich zu bedienen.
- Der Einsatz des A321XLR, der als „ultra-long-range narrowbody“ bekannt ist, ermöglicht es Airlines, neue Märkte zu erschließen, die für große Langstreckenflugzeuge wie den A330 unrentabel wären.
Die neue Flugzeuggeneration, die die Fluggesellschaft in den kommenden Jahren erhalten soll, wird eine entscheidende Rolle bei der weiteren Expansion nach Europa spielen. Die Wahl des A321XLR, der auch bei anderen Fluggesellschaften immer beliebter wird, zeigt, daß Air Asia X eine kosteneffiziente und flexible Langstreckenstrategie verfolgt, die auf kleineren, aber frequenteren Verbindungen aufbaut.
Wettbewerb und Marktpositionierung
Mit der Aufnahme der Route nach Istanbul tritt Air Asia X direkt in Konkurrenz zur etablierten Turkish Airlines, die den Flughafen Istanbul Havalimanı (IST) als ihr Hauptdrehkreuz nutzt. Turkish Airlines, die bereits eine starke Präsenz in Südostasien hat, betreibt auch eine eigene Nonstop-Verbindung zwischen Istanbul und Kuala Lumpur. Der Wettbewerb wird sich wahrscheinlich auf die Preisgestaltung konzentrieren, da Air Asia X als Billigflieger bekannt ist und Turkish Airlines als Full-Service-Carrier auftritt.
Die Wahl des Flughafens Istanbul-Sabiha Gökçen (SAW), der weiter außerhalb des Stadtzentrums liegt, aber ein wichtiges Drehkreuz für Günstigfluggesellschaften wie Pegasus Airlines ist, könnte Teil der strategischen Kalkulation von Air Asia X sein. Die Positionierung am Sabiha Gökçen-Flughafen erlaubt es der Airline, sich als die preiswerte Alternative zu Turkish Airlines zu etablieren. Zudem könnten von dort aus mit den Partnern von Pegasus Airlines Umsteigeverbindungen innerhalb Europas angeboten werden, auch wenn die strategische Allianz zwischen den beiden Unternehmen noch nicht öffentlich bekannt ist.
Der Wiedereinstieg von Air Asia X in den europäischen Markt wird von der Branche mit großem Interesse verfolgt. Die Fluggesellschaft hat in Asien einen Ruf als Innovator und Preisführer. Ob sie diesen Erfolg auch auf den europäischen Langstreckenmarkt übertragen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Kombination aus einem regionalen Drehkreuz im Nahen Osten, dem Einsatz moderner und effizienter Flugzeuge und der strategischen Wahl der Destinationen soll die Grundlage für ein dauerhaftes und rentables Europageschäft legen.