Air Astana MRO-Center Astana (Foto: Jan Gruber).
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Air Astana: A320-Wartung nach EASA-Standards in Kasachstan

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Auf dem kasachischen Hauptstadtflughafen Astana unterhält die Fluggesellschaft Air Astana ihr eigenes Wartungszentrum, das derzeit auf den Maschinentyp Airbus A320-Reihe spezialisiert ist. Es handelt sich eigenen Angaben nach um das derzeit modernste MRO-Zentrum des asiatischen Staats.

Die Arbeiten werden nach EASA-Standards durchgeführt und man verfügt auch über sämtliche Zulassungen, die erforderlich sind, um nach den Richtlinien der EU-Behörde arbeiten zu dürfen. Das hat auch einen bestimmten Grund, denn die eigene Flotte und jene der Tochtergesellschaft Fly Arystan sind im irischen Register eingetragen, so dass es verpflichtend notwendig ist, dass nach EASA-Standards gearbeitet wird. Ansonsten würde man Gefahr laufen, dass die irische IAA eine Deregistrierung vornehmen würde. Das war aber bei Air Astana noch nie ein Thema, denn vor der Inbetriebnahme der eigenen MRO-Zentren hat man diesen Typ bei renommierten Anbietern außerhalb Kasachstans warten lassen. Bei der Langstreckenflotte (Boeing 767) ist das übrigens noch immer der Fall.

Im Bereich der Bürokratie bedeutet der Unterhalt eines Wartungszentrums nach EASA-Standards in Kasachstan übrigens doppelte Arbeit, denn sämtliche Berichte müssen in englischer Sprache für die europäischen Behörden und in der Amtssprache Russisch für die kasachische Zivilluftfahrtbehörde verfasst und abgegeben werden. Dies nimmt man seitens Air Astana gerne in Kauf, denn langfristig will man auch Wartungsdienstleistungen für Drittkunden an den Standorten Almaty und Astana anbieten. Bereits jetzt steht man für dringende Arbeiten parat, also wenn beispielweise ein Flugzeug, für das man zur Wartung berechtigt ist, ein AOG hat und die Hilfe der Air Astana Technik angefragt wird, zur Verfügung. Planmäßige Arbeiten macht man derzeit aus Kapazitätsgründen noch nicht, jedoch ist dies im Zuge der geplanten Expansion explizit vorgesehen.

Kapazitäten sollen ausgebaut werden

Der Ausbau der MRO-Kapazitäten soll analog mit den Flottenwachstum erfolgen. Der nächste Step wird die Erweiterung des bestehenden Hangars in Astana sein. Das Projekt soll in den nächsten Jahren umgesetzt werden und dann soll es möglich sein Maschinen bis ungefähr zu Größenklasse Boeing 787-10 zu warten. Es ist davon auszugehen, dass man bis dahin auch für die bestellten Dreamliner die erforderlichen Wartungsberechtigungen erlangen wird. Derzeit führt man in Astana ausschließlich für Maschinen der A320-Reihe sowohl Base- als auch Line-Checks- und -arbeiten durch.

Angesprochen darauf, ob das kontinentale Winterklima, das in Kasachstan bekanntermaßen äußerst kalt sein kann, die Arbeiten an den Verkehrsflugzeugen erschwert, meinte ein Technik-Manager von Air Astana, dass es natürlich eine Herausforderung ist, jedoch alles handelbar ist und man mit den klimatischen Gegebenheiten bestens umgehen kann.

Warum ist die Flotte in Irland registriert?

Achtet man genau auf die Registrierung von Flugzeugen, die für Air Astana im Einsatz sind, so erkennt man auch als Laie rasch, dass diese gar nicht im Heimatland der Fluggesellschaft zugelassen sind. Die Maschinen sind ausnahmslos im irischen Register eingetragen. Selbiges gilt auch für die noch junge Tochtergesellschaft Fly Arystan. Warum eigentlich?

Bei italienischen Fluggesellschaften kommt es häufig vor, dass geleaste Flugzeuge außerhalb Italiens registriert sind. Beliebte Zulassungsorte sind dabei Irland und Dänemark. In jüngerer Vergangenheit erfreut sich auch das maltesische Register wachsender Beliebtheit. Dahinter steckt, dass das italienische Insolvenzrecht äußerst kompliziert ist und bei I-Registrierung die Lessoren einen mühsamen Weg gehen müssten, um ihr Eigentum zurückholen zu können. Das trifft in dieser Form nicht auf Kasachstan zu, aber es handelt sich auch um eine bürokratische Angelegenheit.

Vereinfacht ausgedrückt hat es zwei Gründe: Einerseits ersparen sich kasachische Airlines durch die Registration im Ausland durchaus hohe Importsteuern und andererseits trägt dies auch zum Werterhalt der Flugzeuge bei. Viele Lessoren bzw. potentielle Käufer von Verkehrsflugzeugen akzeptieren die Aufsicht durch die kasachische Zivilluftfahrtbehörde nicht. Es bestehen erhebliche Vorbehalte, dass diese nicht über ausreichende Kompetenz in Sachen westlichem Fluggerät verfügen würde. Analog verhält es sich mit Russland, weshalb vor dem Einmarsch in die Ukraine die meisten durch russische Operators betriebenen westlichen Flugzeuge zum Beispiel auf den Bermuda-Inseln oder in Irland registriert werden. Anschließend wurden diese ohne Zustimmung der Flugzeugeigentümer ins RA-Register überführt und gelten somit als unbeaufsichtigt, was zu einer erheblichen Wertminderung führt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Registration westlicher Verkehrsflugzeuge außerhalb Kasachstans eine gängige Praxis der örtlichen Fluggesellschaften ist, um einerseits Steuern zu sparen und andererseits Auflagen von Lessoren nachzukommen bzw. den Werterhalt von Eigentumsmaschinen zu optimieren. Die Aufsicht über die Maschinen hat dann die irische Zivilluftfahrtbehörde und nicht jene von Kasachstan. Für die Passagiere hat das auch einen Vorteil, denn das Fluggerät unterliegt damit den hohen EASA-Standards, die durch die irische Behörde überwacht werden müssen. In gewisser Weise ist das für Fly Arystan und Air Astana auch von Prestige.

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