Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
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Air Baltic: Air Serbia integriert Airbus A220 mittels Wet-Lease

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Die nationalen Fluggesellschaften Serbiens und Lettlands, Air Serbia und Air Baltic, haben ihre Zusammenarbeit mit einem umfassenden Wet-Lease-Abkommen über zwei Jahre deutlich intensiviert. Ab dem 1. November 2025 wird Air Baltic, bekannt für ihre reine Airbus A220-300-Flotte, Maschinen dieses Typs für Air Serbia auf Kurz- und Mittelstrecken betreiben.

Diese Vereinbarung markiert nicht nur einen operativen Meilenstein für die seit 2013 bestehende Codeshare-Partnerschaft, sondern führt auch den modernen Airbus A220 in das Netzwerk des serbischen Flag-Carriers ein. Der Schritt ermöglicht Air Serbia eine schnelle Kapazitätserweiterung und Flottenflexibilität, während Air Baltic ihre Position als wichtiger Anbieter von ACMI-Dienstleistungen (Aircraft, Crew, Maintenance, and Insurance) in Europa festigt.

Zunächst werden zwei A220-300 während der Wintersaison 2025/2026 für Air Serbia zum Einsatz kommen. Die Kooperation sieht eine Aufstockung auf bis zu vier Flugzeuge für den Sommerflugplan 2026 vor. Jede Maschine ist mit 148 Sitzen konfiguriert und wird komplett von Air Baltic mit Besatzung, Wartung und Versicherung gestellt. Der Wet-Lease ist bis Ende 2027 befristet und soll Air Serbia helfen, die Passagiererfahrung zu verbessern und das Streckennetz effizient auszubauen.

Die strategische Bedeutung des Wet-Lease-Modells

Das gewählte Wet-Lease-Modell ist in der Luftfahrtbranche ein gängiges Instrument zur schnellen und flexiblen Reaktion auf Marktanforderungen. Es erlaubt Fluggesellschaften wie Air Serbia, Kapazitäten gezielt während Spitzenzeiten oder für neue Strecken hinzuzufügen, ohne die eigene Flotte permanent aufzustocken oder zusätzliche Pilotenschulungen für einen neuen Flugzeugtyp durchführen zu müssen. Dies ist besonders relevant für Air Serbia, die in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnete.

Air Serbia, die von ihrem Hauptdrehkreuz in Belgrad (BEG) über 80 Destinationen in Europa, Nordamerika und dem Mittleren Osten anfliegt, verfolgt eine ambitionierte Wachstumsstrategie. Die Fluggesellschaft, die sich zu 100 Prozent im Besitz der serbischen Regierung befindet, hat in den ersten Monaten des Jahres 2025 bereits eine Rekordzahl an Passagieren befördert. Bis Ende August 2025 wurden über drei Millionen Passagiere gezählt, was das anhaltende Wachstum und die steigende Marktposition in der Region unterstreicht. Vor dem Hintergrund dieser Expansion und einer geplanten Flottenerweiterung auf 32 Flugzeuge bis 2026 stellt die Anmietung von A220-Kapazitäten eine operative Absicherung dar.

Für Air Baltic, deren Flotte aus über 50 Airbus A220-300 besteht, ist der ACMI-Markt ein wichtiges Geschäftsfeld. Die Fluggesellschaft hat sich als einer der größten Betreiber des A220 weltweit und als führender Wet-Lease-Anbieter in Europa etabliert. Das Abkommen mit Air Serbia unterstützt Air Baltic dabei, die Flottenauslastung zu optimieren und das Ertragsmodell durch die Bereitstellung von Kapazitäten für andere Fluggesellschaften zu diversifizieren. Schätzungen gehen davon aus, dass der europäische ACMI-Markt zwischen 2025 und 2032 erheblich wachsen wird, wobei die operative Flexibilität ein entscheidender Treiber ist.

Airbus A220-300: Ein Testlauf für Air Serbias Zukunft

Die Integration des Airbus A220-300 in den Flugbetrieb von Air Serbia durch die Partnerschaft mit Air Baltic ist mehr als nur eine kurzfristige Kapazitätslösung. Wie Jiří Marek, der Vorstandsvorsitzende von Air Serbia, betonte, wird der A220 ein „wichtiges Modell und Referenzpunkt für künftige Entscheidungen bezüglich der Zusammensetzung der Flotte von Air Serbia“ sein.

Die derzeitige Flotte von Air Serbia ist heterogen und umfasst Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge der Typen Airbus A319, A320 und Embraer ERJ 190, sowie Regionalflugzeuge vom Typ ATR 72 und Langstreckenjets vom Typ Airbus A330. Im Rahmen ihrer Flottenstrategie plant Air Serbia, ältere Modelle wie die Airbus A319 schrittweise auszumustern und erwägt einen Ersatz durch moderne Flugzeugtypen wie die Embraer E195 oder die Airbus A220-Familie. Die A220-300, die in einer 148-Sitz-Konfiguration für Air Serbia zum Einsatz kommt, ist bekannt für ein erhöhtes Passagiererlebnis, insbesondere durch breitere Sitze in einer 3-2-Anordnung, größere Fenster und eine modernere Kabinenausstattung. Dies bietet Passagieren einen höheren Komfort im Vergleich zu älteren Schmalrumpfflugzeugen wie dem A320. Die zweijährige Wet-Lease-Vereinbarung bietet Air Serbia somit die Möglichkeit, den Flugzeugtyp umfassend im eigenen Netzwerk zu testen, betriebswirtschaftliche Daten zu sammeln und das Passagierfeedback einzuholen, bevor eine endgültige Entscheidung über zukünftige Großbestellungen getroffen wird. Langfristige Flottenmodernisierungen sind bei Air Serbia frühestens ab 2027 zu erwarten.

Regionaler Verbund zwischen Balkan und Baltikum

Die enge operationelle Bindung zwischen Air Serbia und Air Baltic, die auf einer über zehnjährigen Codeshare-Zusammenarbeit fußt, stärkt die Konnektivität zwischen den Balkan- und den baltischen Regionen. Codeshare-Abkommen ermöglichen es Passagieren beider Fluggesellschaften, nahtlose Anschlussflüge über die jeweiligen Drehkreuze zu buchen, was die Reichweite beider Netzwerke effektiv vergrößert.

Die Erweiterung dieser Partnerschaft durch das ACMI-Leasing signalisiert ein gemeinsames Interesse daran, die Zuverlässigkeit des Flugplans zu verbessern und die operative Stabilität zu erhöhen. Im europäischen Luftverkehrsmarkt, der sich weiterhin von früheren Turbulenzen erholt und gleichzeitig mit Kapazitätsengpässen und Lieferkettenproblemen kämpft, ist die gegenseitige Unterstützung durch Leasingvereinbarungen zu einem wichtigen Faktor geworden. Die Allianz ermöglicht es Air Serbia, ihre ehrgeizigen Wachstumsziele im Kurz- und Mittelstreckenbereich abzusichern, während sie gleichzeitig die Voraussetzungen für eine zukünftige, eigenständige Flottenentscheidung schafft. Die Fluggesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Passagierzahlen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um etwa sechs Prozent zu steigern. Das Wet-Lease-Abkommen mit Air Baltic spielt eine zentrale Rolle, um diese gesteigerte Nachfrage zu bewältigen und die Marktpräsenz weiter auszubauen.

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