Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat ihre für den Winterflugplan geplanten Verbindungen vom Flughafen Lüttich nach Teneriffa Süd und Gran Canaria vollständig gestrichen.
Wie die Leitung des belgischen Flughafens bestätigte, hinterlässt der Rückzug die Einrichtung ohne jeglichen regulären Passagierlinienverkehr, nachdem bereits Tuifly ihren Betrieb am Standort im Januar 2026 eingestellt hatte. Ursprünglich beabsichtigte die Fluggesellschaft, ab Ende Oktober beide Kanarenziele jeweils zweimal wöchentlich anzusteuern. Aufgrund unzureichender Buchungszahlen war das Programm zunächst halbiert und schließlich komplett aufgegeben worden.
Ein Sprecher des Flughafens Lüttich bezeichnete die Absage als deutlichen Rückschlag für die Passagieraktivitäten des Standorts. Die Entscheidung steht im Kontext eines überarbeiteten Unternehmensplans von Air Baltic, der finanzielle Konsolidierung gegenüber reinem Kapazitätswachstum priorisiert. Die Fluggesellschaft zieht sich von defizitären Strecken an europäischen Sekundärflughäfen zurück. Neben Lüttich verlor auch der niederländische Flughafen Groningen seine geplante Verbindung nach Teneriffa, während Routen wie Vilnius–Dubai ebenfalls gestrichen oder ausgesetzt wurden. In Belgien beschränkt sich der Anbieter künftig auf die Kernrouten von Brüssel nach Riga und Tallinn.
Im Rahmen der operativen Anpassungen beabsichtigt Air Baltic, ihr Streckennetz wieder stärker auf das Hauptdrehkreuz Riga zu konzentrieren und die eigene Airbus A220-300-Flotte von derzeit 54 auf etwa 36 Maschinen bis Ende 2026 zu verringern. Parallel dazu soll das Geschäft mit der Verpachtung von Flugzeugen inklusive Besatzung an andere Gesellschaften (ACMI-Leasing) ausgebaut werden. Für den Flughafen Lüttich bedeutet der Entschluss, dass der Fokus vorerst vollständig auf dem Frachtverkehr verbleibt, welcher das Hauptstandbein des Standorts bildet, während Verhandlungen über eine etwaige Rückkehr von Passagierlinien im Sommer 2027 noch am Anfang stehen.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass Versuche von Regionalflughäfen, Passagierlinien ohne etablierte Heimatbasis oder starkes lokales Einzugsgebiet aufzubauen, mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden sind. Die Konzentration des Reiseverkehrs auf große Drehkreuze wie Brüssel erschwert kleineren Flughäfen das Erreichen wirtschaftlicher Auslastungsquoten. Für Air Baltic stellt die Reduzierung der Flotte und die Konzentration auf rentable Kernstrecken sowie das Vermietungsgeschäft den Versuch dar, die Marge im europäischen Wettbewerb zu stabilisieren.