Airbus A220-300 (Foto: Air Baltic).
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Air Baltic weist Vorwürfe des Kaufs russischen Treibstoffs zurück

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Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat in scharfer Form Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sie in mehrfacher Weise gegen EU-Sanktionen verstoßen haben soll, indem sie russischen Treibstoff bezogen haben. Der Vorwurf stammt von der russischen Nachrichtenwebsite Verstka, die in einem Artikel vom 13. März 2025 behauptet, dass Air Baltic zwischen Februar 2022 und März 2024 insgesamt 28 Versuche unternommen habe, Treibstoff aus Russland zu kaufen, von denen 13 erfolgreich gewesen seien. Auf 15 weitere Versuche sei es nicht gekommen, da diese Transaktionen laut Verstka storniert worden seien.

Die Sanktionen der Europäischen Union, die ab Juni 2022 in Kraft traten, verbieten den Kauf und Import von russischem Rohöl und Petroleumprodukten, um die russische Wirtschaft in Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine zu schwächen. Die EU-Verordnung besagt ausdrücklich, dass es untersagt ist, diese Rohstoffe zu kaufen oder zu transportieren, wenn sie aus Russland stammen oder von dort exportiert werden. Gleichzeitig gab es jedoch eine Ausnahme für „einmalige Transaktionen für eine kurzfristige Lieferung“, die vor dem 5. Februar 2023 abgeschlossen und ausgeführt wurden.

Verstka erhebt nun die Behauptung, dass Air Baltic während des Zeitraums von Februar 2022 bis März 2024 russischen Treibstoff von den russischen Unternehmen Gazpromneft-Aero und Tatneft bezogen habe. Air Baltic bestreitet jedoch entschieden diese Vorwürfe und verweist darauf, dass die geltenden Sanktionen von der Fluggesellschaft strikt beachtet werden.

Die Vorwürfe im Detail

Verstka gab an, dass Air Baltic in den ersten Monaten des Jahres 2022, also vor der Einführung der Sanktionen, Treibstoff von Gazpromneft-Aero gekauft habe. Diese Einkäufe seien laut Verstka in den Monaten Februar und März 2022 erfolgt, also vor Inkrafttreten der Sanktionen. Des Weiteren soll die Fluggesellschaft im Jahr 2023 insgesamt elf Transaktionen mit Tatneft durchgeführt haben. Auch die 15 angeblich stornierten Käufe sollen sich über den Zeitraum von 2022 bis 2024 erstreckt haben.

Die Quelle von Verstka beruft sich auf zwei Datenbanken, darunter ImportGenius und ein weiteres System, das russische ausländische Wirtschaftstätigkeiten registriert. Ein anonymer Zollexperte, der die Informationen unterstützt, soll die Möglichkeit angedeutet haben, dass der russische Treibstoff möglicherweise über Drittländer und andere Transportwege nach Lettland gelangt sein könnte. Diese Spekulationen werfen die Frage auf, ob die Sanktionen in der Praxis möglicherweise umgangen wurden.

Die Reaktion von Air Baltic

Air Baltic wehrte sich umgehend gegen diese Vorwürfe und erklärte, dass die von Verstka verwendeten Datenbanken unvollständig und nicht verifizierbar seien. Die Airline distanzierte sich von den „haltlosen Anschuldigungen“ und betonte, dass sie seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine und der Einführung der EU-Sanktionen keinen Treibstoff mehr von russischen Lieferanten bezogen habe.

In einer Stellungnahme gegenüber AeroTime erklärte die Fluggesellschaft, dass die letzten Zahlungen an Gazpromneft-Aero im März und April 2022 erfolgt seien, also vor der Einführung der Sanktionen. Bezüglich Tatneft teilte Air Baltic mit, dass die letzten Zahlungen bereits im November 2021 geleistet wurden – also noch vor Beginn des Krieges. Air Baltic betonte, dass alle EU-Sanktionen bezüglich des Imports von russischem Treibstoff strikt eingehalten werden.

Darüber hinaus veröffentlichte Air Baltic eine Erklärung auf ihren Social-Media-Kanälen, in der die Fluggesellschaft klarstellte, dass sie keine Zahlungen an russische Unternehmen für Treibstoffleistungen tätige. Air Baltic stellte erneut fest, dass sie keine vertraglichen Beziehungen zu russischen Treibstofflieferanten habe und dass seit der Einführung der Sanktionen keine Zusammenarbeit mehr mit russischen Unternehmen bestehe.

Die Sanktionen der EU und ihre Ausnahmeregelungen

Die Sanktionen der EU, die mit der sechsten Sanktionswelle gegen Russland im Juni 2022 eingeführt wurden, sollten vor allem den russischen Energiesektor treffen. Diese Maßnahme war Teil eines umfassenden Versuchs, den Druck auf Präsident Wladimir Putin zu erhöhen, indem russische Einnahmequellen aus dem Öl- und Gassektor blockiert wurden. Die Sanktionen verbieten den Kauf von Rohöl und anderen petroleumhaltigen Produkten aus Russland, es gibt jedoch eine Ausnahmeregelung für Transaktionen, die vor dem 5. Februar 2023 abgeschlossen und ausgeführt wurden.

Es bleibt unklar, warum Verstka in ihrem Artikel Transaktionen hervorhebt, die bereits vor dem Inkrafttreten der Sanktionen stattgefunden haben. Die Verwendung von Daten aus ImportGenius und einem anderen System zur Dokumentation russischer Ausfuhren ist ebenfalls problematisch, da diese Quellen keine vollständigen und verlässlichen Informationen liefern können. Tatsächlich gibt es derzeit keine Beweise dafür, dass Air Baltic gegen die EU-Sanktionen verstoßen hat.

Lücken in der Berichterstattung und Auswirkungen auf das Vertrauen

Die Berichterstattung von Verstka und die darin enthaltenen Anschuldigungen werfen einen Schatten auf das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Quellen und die Richtigkeit der Informationen. Der Hinweis auf ein möglicherweise „umgehendes“ System zur Lieferung von russischem Treibstoff könnte Spekulationen anheizen, aber es fehlen handfeste Beweise, die diese Behauptungen stützen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass Air Baltic weiterhin betont, dass alle geltenden Sanktionen strikt eingehalten werden.

Für Air Baltic, die größte Fluggesellschaft in Lettland, ist es von entscheidender Bedeutung, das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Aufsichtsbehörden zu wahren. Jegliche Zweifel an der Einhaltung internationaler Sanktionen könnten nicht nur das Ansehen der Airline schädigen, sondern auch rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Die Entschlossenheit der Fluggesellschaft, die Sanktionen zu befolgen, wird durch ihre öffentliche Stellungnahme unterstrichen, die die konsequente Vermeidung von Geschäftskontakten mit russischen Treibstofflieferanten bekräftigt.

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