Nach einem neuen Gesetz ist Air Belgium von einer gerichtlichen Reorganisation in eine gerichtliche Aufsicht übergegangen, die als „Übertragung eines Unternehmens unter gerichtlicher Aufsicht“ bekannt ist. Dies bedeutet die Gründung eines neuen Unternehmens ohne Schulden sowie die Liquidation des alten Unternehmens. Diese Entscheidung wurde am 19. September 2024 vom Handelsgericht Wallonisch-Brabant bestätigt.
Das neue Verfahren ermöglicht es Air Belgium, ihre Vermögenswerte und Aktivitäten in eine neue Gesellschaft zu übertragen, um den Erlös für die Gläubiger zu maximieren. Ein gerichtlich bestellter Verwalter wird mit dieser Aufgabe betraut, und das Unternehmen hat vier Monate Zeit, um potenzielle Käufer für die neue Gesellschaft zu finden. Die Unternehmensführung strebt einen Abschluss innerhalb der nächsten sechs Wochen an.
Der Hintergrund dieser Maßnahmen ist die andauernde finanzielle Krise, die Air Belgium seit ihrer Gründung im Jahr 2016 begleitet. Die Fluggesellschaft hat über 119 Millionen Euro Verluste angesammelt, unter anderem durch die Covid-19-Pandemie, steigende Treibstoffpreise und intensiven Wettbewerb. Im Jahr 2022, als sich das Unternehmen langsam von der Pandemie erholte, beeinflusste der Ukraine-Krieg die Treibstoffpreise negativ und führte zu weiteren finanziellen Herausforderungen. Dies zwang die Gesellschaft, unrentable Strecken zu streichen und sich auf profitablere Ziele wie Südafrika und Mauritius zu konzentrieren.
Herausforderungen bei der Kapitalbeschaffung
Im Rahmen des neuen Verfahrens wurde ein unverbindliches Übernahmeangebot eines europäischen Investors vorgestellt, der alle Anteile an der Fluggesellschaft erwerben möchte. Zuvor war ein Angebot von Privatinvestoren gescheitert, da es nicht die benötigten 18 Millionen Euro für die Sanierung erreichte. Der aktuelle Stand der Verhandlungen deutet darauf hin, dass das Management unter Druck steht, schnell zu handeln, um die finanzielle Situation zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern.
Die Flotte von Air Belgium besteht aus einer Mischung aus Passagier- und Frachtflugzeugen. Dazu gehören umgerüstete A330-200-Frachter sowie B747-8F-Frachter, die von der Hongyuan-Gruppe betrieben werden. Trotz der Fokussierung auf Fracht- und ACMI-Dienste bleibt die Unsicherheit über die zukünftige Rentabilität der Fluggesellschaft bestehen.
Auswirkungen auf die Mitarbeiter
Die Entscheidung zur gerichtlichen Aufsicht hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die rund 500 Beschäftigten der Fluggesellschaft. Der CEO Terzakis hat kürzlich die Mitarbeiter über die Situation informiert und betont, dass die gerichtliche Verwaltung darauf abzielt, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob ein Käufer gefunden werden kann und ob die Fluggesellschaft sich erfolgreich neu ausrichten kann.
Die Entwicklungen bei Air Belgium sind nicht nur für die Fluggesellschaft selbst, sondern auch für die gesamte Branche von Bedeutung. Die Herausforderungen, mit denen die Fluggesellschaft konfrontiert ist, spiegeln die breiteren Schwierigkeiten der Luftfahrtbranche wider, die weiterhin mit den Nachwirkungen der Pandemie und den steigenden Betriebskosten zu kämpfen hat. Die Reaktionen der Wettbewerber und der Marktteilnehmer werden in den kommenden Monaten genau beobachtet werden müssen.
Air Belgium steht an einem kritischen Punkt in ihrer Geschichte, an dem die Entscheidung, unter gerichtliche Aufsicht zu gehen, sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung darstellt. Während das Unternehmen versucht, sich neu zu organisieren und Investoren zu gewinnen, bleibt abzuwarten, ob es in der Lage sein wird, sich von seinen Schulden zu befreien und einen nachhaltigen Betrieb aufrechtzuerhalten.