Die kanadische Fluggesellschaft Air Canada hat den Linienbetrieb auf einer neuen Langstreckenverbindung zwischen dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) und ihrem Drehkreuz in Montréal aufgenommen. Die Route wird im laufenden Sommerflugplan dreimal wöchentlich an den Verkehrstagen Mittwoch, Freitag und Sonntag bedient und steht bis zum 6. September zur Verfügung.
Für die darauffolgende Sommersaison ist bereits eine Ausweitung auf vier wöchentliche Umläufe im Zeitraum von Anfang Juni bis Mitte Oktober angekündigt. Nach Angaben der Betreibergesellschaft FBB soll die Verbindung die transatlantische Erreichbarkeit der deutschen Hauptstadtregion verbessern, während Wirtschafts- und Tourismusverbände wie visitBerlin und die Industrie- und Handelskammern Impulse für den geschäftlichen Austausch erwarten.
Beim Erstflug kam ein Großraumflugzeug des Typs Boeing 787-8 zum Einsatz, doch im regulären Betrieb ab dem 19. Juli 2026 ist ein Wechsel des Flugzeugtyps vorgesehen. Eingesetzt wird der neue Schmalrumpf-Langstreckenjet Airbus A321 XLR (Extra Long Range). Damit findet dieses Flugzeugmodell, das für transatlantische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit geringerem Passagieraufkommen konzipiert wurde, im Linienverkehr nach Deutschland Anwendung. Der Jet verfügt über eine Gesamtkapazität von 182 Sitzplätzen, wovon 14 auf die Business Class und 168 auf die Economy Class entfallen. Die Flugzeit für die Strecke von Berlin in die kanadische Metropole ist mit 8 Stunden und 40 Minuten angesetzt.
Luftfahrtexperten bewerten den Einsatz des Airbus A321XLR auf dieser Route unter ökonomischen Gesichtspunkten als Versuch, das finanzielle Risiko von Langstreckenflügen an Sekundärstandorten zu minimieren. Der BER litt in der Vergangenheit unter einer schwachen Auslastung im interkontinentalen Segment, da große Fluggesellschaften ihre Passagierströme bevorzugt über die Hauptdrehkreuze Frankfurt und München leiten. Ein kleineres Flugzeug wie der A321 XLR lässt sich auf saisonalen Strecken leichter wirtschaftlich auslasten als ein klassischer Großraumjet. Kritische Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass der Komfort für Passagiere in einem Single-Aisle-Flugzeug auf fast neunstündigen Flügen im Vergleich zu Großraumflugzeugen spürbar geringer ausfällt und das Frachtaufkommen durch den begrenzten Laderaum stark eingeschränkt bleibt.
Die langfristige Rentabilität der Strecke hängt maßgeblich davon ab, ob das Passagieraufkommen außerhalb der touristischen Hauptsaison im Hochsommer stabil bleibt. Die Kooperation regionaler Akteure im Rahmen des 2025 gegründeten „Connectivity Board BER“ verdeutlicht den administrativen Aufwand, der betrieben werden muss, um internationale Fluggesellschaften an den Berliner Standort zu binden. Da das Handelsvolumen zwischen Brandenburg und Kanada mit rund 1,2 Milliarden Euro im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen moderat ausfällt, muss sich zeigen, ob der Geschäftsreiseverkehr aus der Technologie- und Kreativbranche ausreicht, um die Verbindung über das Jahr 2027 hinaus dauerhaft zu etablieren.