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Air France-KLM bietet 300 Millionen Euro für Mehrheitsbeteiligung an Air Europa

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Die Air France-KLM Group hat ein Angebot in Höhe von 300 Millionen Euro (etwa 330 Millionen US-Dollar) vorgelegt, um eine Mehrheitsbeteiligung an der spanischen Fluggesellschaft Air Europa zu übernehmen.

Diese Entscheidung stellt den französisch-niederländischen Luftfahrtkonzern in direkte Konkurrenz mit der Lufthansa Group, die bislang als Favorit galt, um die Kontrolle über die in Madrid ansässige Airline zu erlangen. Der Kauf von Air Europa könnte einen weiteren bedeutenden Schritt in der internationalen Expansion der Air France-KLM Group darstellen, die bereits in den letzten Jahren ihre Marktstellung in Europa weiter ausgebaut hat.

Hintergründe des Angebots

Laut dem spanischen Nachrichtenportal El Confidencial hat die Air France-KLM Group der Hidalgo-Familie, die derzeit die größte Anteilseignerin von Air Europa ist, angeboten, für eine 51-prozentige Beteiligung an der Airline 300 Millionen Euro in bar zu zahlen. Darüber hinaus ist die Air France-KLM Group bereit, die noch ausstehenden Schulden von Air Europa gegenüber der spanischen Regierung zu übernehmen, die im Rahmen von Notkrediten während der COVID-19-Pandemie gewährt wurden, um die Airline vor dem finanziellen Ruin zu bewahren.

Das Angebot der Air France-KLM Group setzt die Lufthansa Group, die ihrerseits ebenfalls Interesse an Air Europa gezeigt hat, unter Druck. Die Lufthansa Group hatte sich nach einem gescheiterten Übernahmeversuch der britisch-spanischen International Airlines Group (IAG) als möglicher Käufer der Airline positioniert. Die Übernahmepläne von IAG waren im August 2024 aufgrund eines Wettbewerbsverbots der EU-Kommission gescheitert, wodurch Lufthansa als Hauptkandidat für die Übernahme galt. Berichten zufolge bot Lufthansa 240 Millionen Euro für eine 25-prozentige Beteiligung an Air Europa an, was die Situation für die spanische Fluggesellschaft noch komplizierter machte.

Air Europa – Eine Fluggesellschaft im Umbruch

Air Europa, die drittgrößte Airline Spaniens, kämpft bereits seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten. Diese wurden durch die Pandemie und die darauf folgenden Auswirkungen auf den globalen Luftverkehr noch verstärkt. Die Airline war vorübergehend auf staatliche Hilfe angewiesen, um ihre Geschäftsoperationen fortführen zu können. Trotz der Herausforderungen blieb die Fluggesellschaft in vielen Bereichen operativ und konnte 2024 rund 12 Millionen Passagiere transportieren, was eine gewisse Stabilität suggeriert.

Die Flotte von Air Europa umfasst derzeit 26 Boeing 737-800, sieben Boeing 787-8 Dreamliner und 15 Boeing 787-9 Dreamliner, mit einem durchschnittlichen Alter von 9,1 Jahren. Die Airlines der Lufthansa Group und der Air France-KLM Group sind jedoch deutlich größer und effizienter, was Air Europa unter Druck setzt, ihre Betriebsabläufe zu optimieren und wettbewerbsfähiger zu werden.

Analysten vermuten, dass Air Europa im Hinblick auf Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit noch nicht das volle Potenzial ausschöpft, was die Situation für den zukünftigen Investor noch schwieriger macht. Die spanische Airline ist seit Jahren mit Iberia, dem dominierenden spanischen Flag-Carrier, im Wettbewerb, was sich in einem suboptimalen wirtschaftlichen Betrieb widerspiegelt.

Die strategische Bedeutung der Übernahme

Die potenzielle Übernahme von Air Europa durch die Air France-KLM Group könnte für beide Parteien strategische Vorteile bieten. Die Air France-KLM Group, die in den letzten Jahren mit verschiedenen Übernahmen und Partnerschaften ihre Marktstellung stärkte, sieht in der spanischen Airline eine Möglichkeit, ihre Präsenz auf dem südlichen europäischen Markt weiter auszubauen. Insbesondere der Zugang zum spanischen Markt und die Erweiterung des Streckennetzes, vor allem in Richtung Lateinamerika und der Karibik, könnten von großer Bedeutung sein. Das Unternehmen könnte von der bestehenden Infrastruktur und den Verbindungen von Air Europa profitieren, um seine eigenen internationalen Routen zu erweitern.

Benjamin Smith, CEO der Air France-KLM Group, hatte bereits Anfang März 2025 in einer Stellungnahme die strategische Bedeutung einer Beteiligung an Air Europa betont. „Wir sehen großes Potenzial, unsere Position in Spanien zu stärken und die Synergien mit unseren bestehenden Netzwerken zu nutzen. Die Akquisition würde uns auch helfen, unser Angebot in Lateinamerika und der Karibik weiter auszubauen“, erklärte Smith.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Rolle die Lufthansa Group in dieser Konstellation spielen wird. Die deutsche Fluggesellschaft hat bereits eine gewisse Verflechtung mit Air Europa, unter anderem durch Leasingvereinbarungen, und könnte versuchen, ihre Angebote in der Region zu erweitern. Lufthansa verfolgt in den letzten Jahren eine aggressive Expansionsstrategie, indem sie immer mehr europäische Fluggesellschaften übernimmt oder mit ihnen kooperiert. Die Gruppe besitzt bereits Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen wie SWISS, Brussels Airlines, ITA Airways und Austrian Airlines. Zudem gibt es Bestrebungen, sich einen Anteil an TAP Air Portugal zu sichern.

Der Wettbewerb zwischen Air France-KLM und Lufthansa Group

Die Konkurrenz zwischen der Air France-KLM Group und der Lufthansa Group im Hinblick auf die Übernahme von Air Europa spiegelt die zunehmende Konsolidierung in der europäischen Luftfahrtindustrie wider. Beide Luftfahrtkonzerne versuchen, ihre Stellung auf dem internationalen Markt durch strategische Partnerschaften und Übernahmen weiter auszubauen. Die spanische Airline, die eine wichtige geografische Brücke zwischen Europa und Lateinamerika darstellt, ist ein begehrtes Ziel für beide Gruppen, da sie den Zugang zu neuen Märkten und wertvollen Verkehrsrechten ermöglicht.

Laut Berichten aus der spanischen Presse ist die Hidalgo-Familie, die das Familienunternehmen Globalia leitet, jedoch noch unschlüssig, welchem Angebot sie den Vorzug geben soll. Ein entscheidender Faktor könnte die Frage sein, wie die beiden Bewerber die Airline weiterentwickeln und ihre finanzielle Stabilität sichern wollen. Dabei spielen neben den finanziellen Aspekten auch strategische Überlegungen eine Rolle, etwa im Hinblick auf Codeshare-Abkommen, Interlining und die Integration von Air Europa in bestehende Netzwerke der beiden großen Gruppen.

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