Die Fluggesellschaft Air France-KLM bereut die vorzeitige Ausmusterung ihrer Airbus A380-Flotte nicht. Dies erklärte Benjamin Smith, der Vorstandsvorsitzende der Airline-Gruppe, am 13. Juni 2025 während des Paris Air Forum, wie das Luftfahrtportal FlightGlobal berichtet.
Air France hatte ihre zehn A380 im Juni 2020 nach elfjährigem Betrieb ausgemustert, als die globale COVID-19-Pandemie den internationalen Flugverkehr zum Erliegen brachte. Trotz des seither wieder erstarkten Reisebedarfs und der Tatsache, daß andere Fluggesellschaften ihre Superjumbos wieder in Dienst gestellt haben, betont Smith, daß der A380 für Air France außerhalb der sommerlichen Hochsaison keine Gewinne abgeworfen habe. Stattdessen setze die Airline erfolgreich auf ihre modernen Airbus A350-Flotte.
Die ökonomische Realität des Superjumbos bei Air France
Der Airbus A380, einst als zukunftsweisendes Passagierflugzeug gefeiert und bei seiner Einführung als „Superjumbo“ bekannt, sollte die Luftfahrt revolutionieren. Große Fluggesellschaften wie Air France gehörten zu den ersten Bestellern des Doppeldeckers, nachdem Airbus das Programm angekündigt hatte. Auf der Paris Air Show im Jahre 2001 bestellte die französische Fluggesellschaft insgesamt zehn A380-Maschinen. Die ersten A380 im Air France-Design nahmen im Jahre 2009 den Flugbetrieb auf, zwei Jahre nachdem der Vierstrahler seinen kommerziellen Dienst bei Singapore Airlines aufgenommen hatte.
Doch trotz der anfänglichen Begeisterung und der unbestreitbaren Attraktivität für die Passagiere, die den Komfort und das Raumgefühl des A380 schätzten, erwies sich der Betrieb des größten Passagierflugzeugs der Welt für Air France als wirtschaftlich herausfordernd. Benjamin Smith von Air France-KLM bestätigte am Paris Air Forum, daß der A380 außerhalb der Sommerhochsaison keine Gewinne einbrachte. Dies stand im Gegensatz zum erfolgreichen Passagiererlebnis und der hohen Kundenzufriedenheit, die der Superjumbo zweifellos bot.
Ein wesentlicher Faktor, der die Rentabilität des A380 bei Air France beeinträchtigte, waren die hohen Betriebskosten. Der Bericht von FlightGlobal verweist darauf, daß die Flotte eine erhebliche Investition in Triebwerksüberholungen und Kabinenmodernisierungen erforderte, die auf 50 bis 60 Millionen Euro pro Flugzeug geschätzt wurden. Solche umfangreichen Wartungs- und Modernisierungsarbeiten sind bei großen Flugzeugen nach einer bestimmten Betriebszeit notwendig, stellen aber eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Die Größe des Flugzeugs erforderte zudem eine hohe Auslastung, um rentabel zu sein, was außerhalb der Spitzenzeiten auf vielen Routen schwierig zu erreichen war. Die COVID-19-Pandemie beschleunigte die Entscheidung zur Ausmusterung, da der drastische Rückgang des Reiseverkehrs die Rentabilitätsprobleme des A380 noch verschärfte und den Bedarf an Großraumflugzeugen am Hauptdrehkreuz Paris Charles de Gaulle (CDG) erheblich reduzierte.
Die COVID-19-Pandemie als Katalysator für die A380-Ausmusterung
Die globale COVID-19-Pandemie, die im Frühjahr 2020 den weltweiten Flugverkehr zum Erliegen brachte, war der entscheidende Wendepunkt für die A380-Flotte von Air France. Das Unternehmen wurde zur ersten Fluggesellschaft, die den Airbus A380 in diesem Kontext offiziell ausmusterte. Als Gründe wurden die hohen Betriebskosten, die begrenzte Rentabilität und der reduzierte Bedarf an derartigen Großraumflugzeugen im primären Drehkreuz am Flughafen Paris Charles de Gaulle (CDG) genannt. Die damalige Situation, in der der Flugverkehr auf ein Minimum reduziert war und viele Flugzeuge am Boden standen, machte den Betrieb des A380 mit seinen vier Triebwerken und seiner hohen Kapazität ökonomisch untragbar.
Es ist bemerkenswert, daß mehrere andere Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa und Qatar Airways, ihre A380-Flotten ebenfalls zunächst ausgemustert hatten. Viele von ihnen haben den Superjumbo jedoch später wieder in Dienst gestellt, als die Nachfrage nach Flugreisen nach der Pandemie wieder deutlich anstieg. Dies unterstreicht die unterschiedlichen Strategien und Bewertungen der Fluggesellschaften hinsichtlich der langfristigen Rentabilität und des Bedarfs an Großraumflugzeugen. Während einige Airlines, insbesondere in Asien und am Golf, weiterhin auf den A380 setzen, um Engpässe auf stark frequentierten Strecken zu überbrücken und die Nachfrage zu befriedigen, entschied sich Air France für einen klaren Bruch mit dem Superjumbo.
Auf die Frage, ob die Fluggesellschaft die Ausmusterung des Airbus A380 bedauere, antwortete Smith, daß Flugzeuge mit hoher Kapazität wie der A380 für Air France nicht essentiell seien. Er betonte stattdessen den Erfolg der Airbus A350-Flotte. Derzeit betreibt Air France insgesamt 37 A350 mit einem Durchschnittsalter von nur 2,8 Jahren und erwartet noch die Lieferung von vier weiteren A350-Maschinen. Die A350 ist ein zweistrahliges, modernes Großraumflugzeug, das als treibstoffeffizienter und flexibler gilt und besser zu den aktuellen Marktanforderungen von Air France paßt. Die Entscheidung spiegelt somit eine strategische Neuausrichtung wider, die auf Effizienz und Flexibilität setzt, anstatt auf schiere Größe.
Einsatzgebiete des Air France A380: Globale Reichweite und New York als Spitzenreiter
Zwischen 2009 und 2020 setzte Air France den Airbus A380 von ihrem Hauptdrehkreuz am Pariser Flughafen Charles de Gaulle (CDG) zu insgesamt 18 Flughäfen weltweit ein. Diese Routen umfaßten sowohl reguläre Verbindungen als auch einmalige Flüge und zeitlich begrenzte Dienste, wie die Luftfahrtanalysefirma Cirium ermittelt hat.
Die Bandbreite der Destinationen reichte von Nordamerika über Afrika bis nach Asien. Zu den regelmäßig bedienten Zielen gehörten Abidjan (2014-2019), Johannesburg (2010-2020), Los Angeles (2012-2020), Mexiko-Stadt (2016-2020), Miami (2014-2020), New York (2009-2020), Shanghai (2013-2020) und Washington Dulles (2011-2019). Einige Ziele, wie Atlanta, Cancun und Rio de Janeiro, wurden für einmalige Flüge oder sehr begrenzte Zeiträume angeflogen.
Eine der ungewöhnlichsten Routen, die der Airbus A380 Superjumbo von Air France bediente, war die kurze Strecke zwischen Paris Charles de Gaulle International Airport (CDG) und London Heathrow Airport (LHR). Dieser „Kurzstreckenhop“ über den Ärmelkanal wurde zwischen Juni und August 2010 geflogen und diente höchstwahrscheinlich Ausbildungszwecken für die Crews, um Flugstunden und Erfahrungen mit dem neuen Flugzeugtyp zu sammeln.
Weniger überraschend war die Route zwischen Paris und New York (JFK) diejenige mit der höchsten Anzahl von Air France A380-Flügen. Tatsächlich wurde ein Fünftel aller A380-Dienste der Fluggesellschaft auf dieser Transatlantikverbindung durchgeführt. Die Vereinigten Staaten waren insgesamt das am häufigsten von der Air France A380-Flotte angeflogene Land. Unter den fünf Top-Destinationen befanden sich drei in den USA: New York, Los Angeles und Washington, D.C. Die beiden anderen Top-Destinationen waren Johannesburg in Südafrika und Shanghai in China.
Eine frühere Analyse von Simple Flying bestätigte, daß die populärste Air France Airbus A380-Route die nach New York JFK war, mit 4.062 abgehenden Flügen. Johannesburg folgte mit 3.052 Abflügen auf dem zweiten Platz. An dritter Stelle lag Los Angeles mit 2.824 Abflügen. Die viert- und fünfthäufigsten Routen waren Washington, D.C. und Shanghai Pudong, mit 1.656 bzw. 1.603 Abflügen. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der A380 für die Langstreckenverbindungen von Air France auf stark nachgefragten Routen.
Ausblick: Die Zukunft der Großraumflotte bei Air France-KLM
Die Entscheidung von Air France, den A380 endgültig auszumustern und sich auf modernere, zweistrahlige Großraumflugzeuge wie den Airbus A350 zu konzentrieren, spiegelt einen breiteren Trend in der Luftfahrtindustrie wider. Viele Fluggesellschaften haben erkannt, daß Flexibilität und Effizienz oft wichtiger sind als die schiere Größe. Der A350, und vergleichbare Modelle wie der Boeing 787 Dreamliner, bieten eine höhere Treibstoffeffizienz, geringere Betriebskosten und eine bessere Anpassungsfähigkeit an schwankende Passagierzahlen auf Langstrecken. Dies ermöglicht es den Fluggesellschaften, Routen flexibler zu gestalten und auch weniger frequentierte Langstrecken profitabel zu bedienen.
Die Lufthansa Group, eine andere große europäische Fluggesellschaft, hat ebenfalls ihre A380-Flotte teilweise reaktiviert, aber nur auf wenigen, besonders nachgefragten Routen. Dies zeigt, daß der A380 für bestimmte Nischenmärkte und Spitzenzeiten noch immer eine Rolle spielen kann, aber nicht mehr das Universalwerkzeug für den Langstreckenverkehr ist, als das er ursprünglich konzipiert wurde. Air France-KLM setzt mit ihrer Entscheidung auf eine Flottenstrategie, die auf Effizienz und eine jüngere Flotte abzielt. Der Erfolg der A350-Flotte, wie von Benjamin Smith hervorgehoben, bestätigt diese strategische Richtung und positioniert Air France-KLM für die zukünftigen Herausforderungen und Chancen im internationalen Luftverkehr. Die Entwicklung im Luftverkehr nach der Pandemie hat gezeigt, daß eine agile Flottenplanung von entscheidender Bedeutung ist.