Die Untersuchung des tragischen Absturzes von Air India Flug AI171, der sich vor einigen Wochen ereignete, nimmt eine entscheidende Wendung. Ein vorläufiger Bericht der indischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde (Aircraft Accident Investigation Bureau, AAIB) legt den Schwerpunkt der Ermittlungen auf die Aktionen der Piloten, nachdem keine technischen oder wartungsbedingten Mängel am Flugzeug festgestellt wurden.
Der Vorstandsvorsitzende von Air India, Campbell Wilson, hat die Mitarbeiter der Fluggesellschaft in einem internen Memo, welches dem Wall Street Journal vorliegt, dazu aufgerufen, voreilige Schlüsse zu vermeiden, da die Untersuchung noch lange nicht abgeschlossen sei und der Bericht „weder eine Ursache identifiziert noch Empfehlungen ausgesprochen“ habe. Der Absturz löste eine Welle von Spekulationen aus, doch die offiziellen Stellen mahnen zur Geduld und zur genauen Analyse der Fakten.
Der Vorfall: Ein Rätsel am Start und die ersten Erkenntnisse
Der Absturz von Air India Flug AI171 hat die Luftfahrtgemeinschaft erschüttert und eine intensive Untersuchung nach sich gezogen. Während die genauen Umstände des Unglücks noch im Dunkeln liegen, hat der kürzlich veröffentlichte vorläufige Untersuchungsbericht des Aircraft Accident Investigation Bureau (AAIB) Indiens neue Erkenntnisse zutage gefördelt, die den Fokus der Ermittlungen nun auf die Handlungen der Flugbesatzung richten.
Gemäß dem Bericht wurden die Triebwerks-Kraftstoffsteuerschalter des Flugzeugs während des Startvorgangs kurzzeitig auf die Position „Abschaltung“ (cutoff) gestellt. Dies führte dazu, daß die Triebwerke ihre Drehzahl reduzierten, ein Vorgang, der im Normalbetrieb ausschließlich zum Abschalten der Triebwerke erfolgt. Aus der Aufzeichnung des Cockpit-Voice-Recorders (Stimmenrekorders im Cockpit) geht hervor, daß in den letzten Augenblicken vor dem Absturz einer der Piloten fragte, warum die Kraftstoffzufuhr unterbrochen worden sei. Der andere Pilot antwortete daraufhin, er habe dies nicht getan. Sekunden später wurde ein „Mayday“-Notruf abgesetzt, während das Flugzeug rapide an Höhe verlor und abstürzte.
Die Tatsache, daß keine technischen Probleme oder Wartungsmängel am Flugzeug festgestellt wurden – Air India hatte alle notwendigen Wartungsarbeiten durchgeführt –, verstärkt die Annahme, daß menschliches Handeln eine entscheidende Rolle bei dem Unglück gespielt haben könnte. Ermittler konzentrieren sich nun darauf, zu verstehen, warum die Schalter auf „Abschaltung“ gestellt wurden und ob dies absichtlich oder versehentlich geschah. Die Analyse der komplexen Abläufe in einem Cockpit während des Starts ist hierbei von höchster Bedeutung.
Interne Kommunikation und die Mahnung zur Besonnenheit durch den CEO
Angesichts der Veröffentlichung des vorläufigen Berichts und der daraus resultierenden Spekulationen hat Campbell Wilson, der Vorstandsvorsitzende von Air India, ein internes Memo an die Mitarbeiter der Fluggesellschaft versandt. In diesem Memo, das dem Wall Street Journal vorliegt, betonte Wilson am 14. Juli 2025, daß die Untersuchung des Absturzes „noch lange nicht abgeschlossen“ sei. Er räumte ein, daß der vorläufige Bericht zwar „größere Klarheit geschaffen, aber auch zusätzliche Fragen aufgeworfen“ habe.
Wilson warnte die Belegschaft eindringlich davor, „voreilige Schlüsse“ zu ziehen. Er hob hervor, daß der vorläufige Bericht „weder eine Ursache identifiziert noch Empfehlungen ausgesprochen“ habe. Dies ist ein wichtiger Hinweis auf die Natur vorläufiger Berichte, die in der Regel keine abschließenden Urteile fällen, sondern erste Fakten und Untersuchungsschwerpunkte präsentieren. „In den letzten 30 Tagen haben wir einen fortlaufenden Zyklus von Theorien, Anschuldigungen, Gerüchten und reißerischen Schlagzeilen erlebt, von denen viele später widerlegt wurden“, so Wilson. Diese Aussage zielt darauf ab, die interne und externe Kommunikation zu moderieren und eine faktenbasierte Herangehensweise an die tragischen Ereignisse zu fördern. Die Sensibilität und Komplexität von Flugunfalluntersuchungen erfordert oft Geduld und Zurückhaltung bei der Bewertung von Indizien.
Gesundheitliche Aspekte und die Rolle der Piloten im Fokus
Ein weiterer Aspekt, der in den Fokus der Ermittlungen gerückt ist, betrifft den medizinischen Status des Kapitäns. Es gab Behauptungen, er habe an Depressionen und psychischen Problemen gelitten, was die Ermittler veranlaßte, seine medizinischen Unterlagen zu prüfen. Nach Angaben von The Telegraph stand der Kapitän kurz vor der Pensionierung, erwog jedoch, die Fluggesellschaft zu verlassen, um sich nach dem Tod seiner Mutter und einer darauf folgenden Trauerzeit um seinen betagten Vater zu kümmern. Solche persönlichen Umstände können eine Rolle spielen, doch die Bewertung ihrer Relevanz für einen Flugunfall ist äußerst komplex und bedarf sorgfältiger professioneller Begutachtung.
Campbell Wilson von Air India trat diesen Spekulationen jedoch entschieden entgegen. Er stellte klar, daß es „keine Beobachtungen bezüglich [des medizinischen Status] der Piloten“ gegeben habe. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, offizielle medizinische Gutachten und Flugtauglichkeitsprüfungen abzuwarten, anstatt sich auf Gerüchte zu verlassen. Die psychische Gesundheit von Piloten ist in der Luftfahrtindustrie ein sensibles und wichtiges Thema, das strengen Vorschriften und regelmäßigen Kontrollen unterliegt, um die Flugsicherheit zu gewährleisten. Die Flugtauglichkeit wird in regelmäßigen Abständen von spezialisierten Flugmedizinern überprüft, und alle Auffälligkeiten führen zu weiteren Untersuchungen oder vorübergehenden Flugverboten.
Der Kontext von Flugunfalluntersuchungen und ihre Bedeutung
Flugunfalluntersuchungen sind hochkomplexe und langwierige Prozesse, die darauf abzielen, die Ursache eines Unglücks zu ermitteln, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Organisationen wie das Aircraft Accident Investigation Bureau (AAIB) in Indien arbeiten dabei oft nach internationalen Standards und Protokollen, die von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) festgelegt werden. Diese Untersuchungen umfassen die Analyse von Flugschreibern (Flugdatenrekorder und Stimmenrekorder), Wrackteilen, Zeugenaussagen, Wetterdaten, Flugplänen und menschlichen Faktoren.
Die Rolle menschlicher Faktoren, einschließlich Pilotenfehlern oder -handlungen, ist in der Luftfahrtgeschichte oft eine zentrale Komponente von Unfallanalysen. Dies kann von Fehlinterpretationen von Daten, Fehlbedienungen, Kommunikationsproblemen bis hin zu Auswirkungen von Streß oder Ermüdung reichen. Die genaue Rekonstruktion der Ereignisse vor einem Absturz ist entscheidend, um Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die nicht nur auf technische Verbesserungen abzielen, sondern auch auf die Optimierung von Trainingsprogrammen, Cockpit-Prozeduren und der Unterstützung der Flugbesatzungen.
Air India, als Indiens nationale Fluggesellschaft und eine der größten Airlines des Landes, steht unter besonderer Beobachtung, wenn es zu solchen Vorfällen kommt. Die 1932 gegründete Fluggesellschaft blickt auf eine lange Geschichte zurück und ist bestrebt, ihre Sicherheitsstandards kontinuierlich zu verbessern, um das Vertrauen der Passagiere zu gewährleisten.
Der vorläufige Untersuchungsbericht zum Absturz von Air India Flug AI171 hat den Fokus der Ermittlungen auf die Aktionen der Piloten gelenkt, nachdem keine mechanischen oder wartungsbedingten Mängel am Flugzeug festgestellt wurden. Die Erkenntnisse aus dem Stimmenrekorder des Cockpits, die auf eine unbeabsichtigte oder ungeklärte Betätigung der Kraftstoffsteuerschalter hinweisen, bilden den Kern der weiteren Analyse. Obwohl Gerüchte über den Gesundheitszustand des Kapitäns kursieren, mahnt der CEO von Air India zur Besonnenheit und betont, daß die Untersuchung noch im Gange ist und keine voreiligen Schlüsse gezogen werden sollten. Der Fall unterstreicht die Komplexität von Flugunfalluntersuchungen und die Bedeutung einer umfassenden Analyse aller Faktoren, um die Ursache zu ermitteln und die Flugsicherheit zukünftig zu verbessern.