Air India hat eine vorübergehende Reduzierung ihres Flugangebotes auf Kurz- und Mittelstrecken bekanntgegeben. Die Fluggesellschaft wird bis mindestens zum 15. Juli 2025 insgesamt 118 wöchentliche Flüge auf 19 Routen streichen und den Dienst auf drei Strecken vollständig einstellen.
Diese Maßnahme, welche die Fluggesellschaft am 22. Juni 2025 als freiwilligen Schritt bezeichnete, zielt darauf ab, die operative Stabilität zu erhöhen und kurzfristige Störungen für Passagiere zu minimieren. Die Kürzungen betreffen weniger als fünf Prozent des Kurz- und Mittelstreckennetzes von Air India, stellen jedoch eine Reaktion auf jüngste operative Herausforderungen und ein tragisches Unglück dar.
Freiwillige Kürzungen zur Verbesserung der Pünktlichkeit
In ihrer Erklärung vom 22. Juni 2025 betonte Air India, daß die vorgenommenen Kürzungen eine bewußte Entscheidung zur Verbesserung der Betriebsqualität seien. Das Unternehmen strebt an, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit seiner Flüge zu erhöhen, um so das Vertrauen der Passagiere zu stärken und die Anzahl der kurzfristigen Ausfälle oder Verspätungen zu reduzieren. Solche proaktiven Maßnahmen sind in der Luftfahrtbranche nicht unüblich, insbesondere wenn eine Fluggesellschaft mit operativen Engpässen oder Qualitätsproblemen zu kämpfen hat. Oftmals sind es unvorhergesehene Ereignisse wie technische Defekte, Personalengpässe oder unzureichende Planung, die zu einer Kaskade von Störungen führen können, welche die Passagiere direkt betreffen. Durch die vorübergehende Reduzierung des Flugplans verschafft sich Air India offenbar den nötigen Spielraum, um interne Abläufe zu optimieren und die Servicequalität zu verbessern. Die Fluggesellschaft versicherte, trotz dieser Reduzierungen weiterhin nahezu 600 Kurz- und Mittelstreckenflüge täglich auf 120 nationalen und internationalen Kurzstreckenrouten durchzuführen.
Betroffene Routen und Entschädigung für Passagiere
Die drei vollständig eingestellten Routen umfassen die Verbindungen von Bengaluru (BLR) nach Singapur (SIN), Pune (PNQ) nach Singapur (SIN) und Mumbai (BOM) nach Bagdogra (IXB). Jede dieser Routen wird eine vollständige Einstellung von mindestens sieben wöchentlichen Flügen erfahren. Darüber hinaus werden andere wichtige Routen, wie beispielsweise die Verbindungen von Delhi (DEL) nach Bengaluru (BLR) und von Delhi (DEL) nach Mumbai (BOM), mit einer geringeren Anzahl von Flügen betrieben. Dies betrifft wichtige Inlandsverbindungen innerhalb Indiens, die ein hohes Passagieraufkommen aufweisen.
Air India entschuldigte sich bei den von diesen Einschränkungen betroffenen Passagieren und erklärte, proaktiv Kontakt aufzunehmen, um alternative Flüge, eine kostenlose Umbuchung oder vollständige Rückerstattungen anzubieten, je nach Wunsch der Kunden. Der überarbeitete Flugplan wird sukzessive auf der Webseite der Fluggesellschaft veröffentlicht. Das Unternehmen bekräftigte sein Engagement, den vollständigen Flugplan so schnell wie möglich wiederherzustellen, wobei die Sicherheit der Passagiere, der Besatzung und der Flugzeuge stets oberste Priorität habe.
Hintergründe der Kürzungen: Tragisches Unglück und externe Faktoren
Die jüngste Ankündigung der Kürzungen von Kurz- und Mittelstreckenflügen folgt auf eine ähnliche Reduzierung von Langstreckenflügen, die Air India bereits Anfang Juni bekanntgegeben hatte. Diese vorherigen Kürzungen waren die direkte Folge verstärkter Sicherheitsinspektionen, die nach einem tragischen Absturz einer Boeing 787-8 Dreamliner am 12. Juni 2025 notwendig wurden. Das Unglück, bei dem 229 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, ereignete sich kurz nach dem Start und führte zu einer umgehenden Überprüfung der Sicherheitsstandards und Wartungsprotokolle der Fluggesellschaft. Obwohl der genaue Grund des Absturzes noch nicht ermittelt wurde, deutet die Reaktion von Air India auf eine ernsthafte Bewertung der eigenen Flugsicherheit hin.
Neben den internen Sicherheitsüberprüfungen spielen auch externe Faktoren eine Rolle bei den operativen Herausforderungen, denen sich Air India gegenübersieht. Dazu gehören Luftraumbeschränkungen im Nahen Osten, die aufgrund der aktuellen politischen Lage und militärischer Aktivitäten in der Region immer wieder zu Umleitungen und Verzögerungen führen können. Solche Beschränkungen zwingen Fluggesellschaften dazu, längere Routen zu fliegen oder Flugpläne anzupassen, was die Betriebsplanung erheblich erschwert und die Kosten erhöht. Darüber hinaus tragen auch Curfews an wichtigen internationalen Flughäfen zu den Einschränkungen bei. Flughafen-Curfews sind festgelegte Zeiträume, in denen Starts und Landungen aus Lärmschutzgründen verboten sind. Dies schränkt die Flexibilität bei der Planung von Flugplänen ein und kann zu Verzögerungen führen, wenn Flüge aufgrund unvorhergesehener Umstände die Curfew-Zeiten überschreiten. Air India betonte, daß diese Schritte notwendig sind, um die Stabilität des Netzwerks aufrechtzuerhalten. Das Unternehmen, das sich in einem umfassenden Transformationsprozeß befindet, versucht, seine Position als führende Fluggesellschaft in Indien und international zu stärken. Dazu gehören Investitionen in neue Flugzeuge, die Verbesserung des Kundenservices und die Optimierung der Betriebsabläufe. Die aktuellen Kürzungen sind ein klares Zeichen dafür, daß die Fluggesellschaft bereit ist, kurzfristige Einbußen in Kauf zu nehmen, um langfristig eine höhere operative Effizienz und Sicherheit zu gewährleisten. Die indische Zivilluftfahrtbehörde (DGCA) überwacht solche Maßnahmen genau, um die Einhaltung der Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Es bleibt abzuwarten, wie schnell Air India in der Lage sein wird, ihren vollständigen Flugplan wiederherzustellen und welche langfristigen Auswirkungen diese Herausforderungen auf ihre Marktposition haben werden.