Die montenegrinische Staatsfluggesellschaft Air Montenegro nimmt Ende des Jahres 2026 fünf ganzjährige Flugverbindungen ab der Hauptstadt Podgorica auf, die im Rahmen einer einjährigen gemeinwirtschaftlichen Verpflichtung (Public Service Obligation, PSO) von der Regierung finanziert werden.
Der Flugplan sieht für alle Routen jeweils drei wöchentliche Frequenzen vor. Den Auftakt bildet am 26. November 2026 die Verbindung nach Zagreb, gefolgt von Brüssel am 30. November und Frankfurt am Main am 4. Dezember. Die Strecken nach Paris-Charles-de-Gaulle sowie nach Bari starten am 17. Dezember. Der Ticketverkauf für die Verbindungen wurde freigeschaltet.
Air Montenegro sicherte sich die Verträge für alle fünf ausgeschriebenen Strecken als einziger Bieter im Vergabeverfahren. Das gesamte Fördervolumen beläuft sich auf rund 4,79 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer. Die staatlichen Subventionen teilen sich bedarfsorientiert auf die einzelnen Routen auf: Für die Anbindung an den EU-Verwaltungssitz Brüssel sind rund 1,49 Millionen Euro vorgesehen, während die Strecke nach Paris mit etwa 1,05 Millionen Euro unterstützt wird. Die Verbindung nach Frankfurt erhält Subventionen in Höhe von knapp 913.000 Euro, während für Bari rund 681.000 Euro und für die Trasse nach Zagreb etwa 662.000 Euro bereitgestellt werden.
Die Einrichtung subventionierter Flugverbindungen dient der Stabilisierung der Ganzjahresanbindung Montenegros an europäische Verwaltungsknotenpunkte und Drehkreuze. Da die Nachfrage im montenegrinischen Luftverkehr stark von der Sommersaison geprägt ist, brechen eigenwirtschaftlich betriebene Strecken in den Wintermonaten häufig ein. Das PSO-Modell soll die Grundversorgung im Passagier- und Geschäftsverkehr aufrechterhalten, indem das wirtschaftliche Risiko der Fluggesellschaft durch staatliche Ausgleichszahlungen abgefedert wird.
Die Erteilung des Zuschlags an Air Montenegro als Alleinbieter verdeutlicht jedoch die begrenzten Kapazitäten und das geringe Interesse internationaler Fluggesellschaften an unrentablen Ganzjahresstrecken im Westbalkan. Kritische Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Dauer von einem Jahr den Fluggesellschaften nur kurze Planungshorizonte bietet und die mittel- bis langfristige Konsolidierung des Streckennetzes ohne fortlaufende staatliche Hilfen ungewiss bleibt.