
WestJet-Führung fordert kanadische Luftfahrtstrategie und kritisiert Gebührenstruktur
Die kanadische Fluggesellschaft WestJet fordert von der Regierung in Ottawa die Ausarbeitung einer nationalen Luftfahrtstrategie zur Stabilisierung der heimischen Branche. Konzernchef Alexis von Hoensbroech verwies bei einer Branchenrede in Calgary auf die steigenden Belastungen durch Kerosinpreise, Flughafengebühren, Flugsicherheitsabgaben sowie Kosten im Zusammenhang mit strengen Passagierrechtsregeln. Diese finanziellen Faktoren schränkten die operative Flexibilität der Fluggesellschaften beim Auffangen externer Preisschwankungen im Treibstoffsektor erheblich ein. Als zentralen Kritikpunkt benannte das Management das kanadische Gebührenmodell für die Luftfahrtinfrastruktur. Während in den USA Bundeszuschüsse zur Finanzierung von Flughäfen beitragen und Gebühren pro Passagier gesetzlich gedeckelt sind, finanzieren sich kanadische Flughäfen im Nutzerfinanzierungsprinzip selbst und wälzen Pachtzahlungen an den Staat auf die Passagiere ab. Dies führt zu Flughafenentgelten von oft rund 40 kanadischen Dollar pro Passagier, verglichen mit etwa 4,50 US-Dollar an US-amerikanischen Standorten. Zudem warf von Hoensbroech der Bundesregierung vor, den Marktwettbewerb durch gezielte finanzielle Hilfeleistungen an ausgewählte Konkurrenten zu beeinträchtigen. Die Vorstöße der zweitgrößten Fluggesellschaft des Landes erfolgen in einer Phase der Umstrukturierung im kanadischen Luftverkehrsmarkt. Nach der Einstellung des Flugbetriebs durch Billigfluganbieter wie Lynx Air und der Umpositionierung von Swoop steht der Markt vor strukturellen Anpassungen, während Großanbieter wie Air Canada und WestJet ihre Kapazitäten neu ausrichten. Branchenfachleute verweisen darauf, dass hohe Abgaben und Infrastrukturkosten nicht nur Flugpreise im Inlandsverkehr verteuern, sondern auch die internationalen Transitströme über kanadische Drehkreuze gegenüber US-amerikanischen Knotenpunkten schwächen. WestJet verlangt daher eine Reform der Pacht- und Entgeltstrukturen sowie verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen für Investitionen im Sektor. Die Umsetzung einer bundesweiten Strategie bleibt jedoch von politischem Konsens abhängig, da die





