Flagge des Irak (Foto: engin akyurt).
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Irak: FlyErbil erhält eigenes AOC

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Die im autonomen Gebiet Kurdistan ansässige Fluggesellschaft FlyErbil hat die aufsichtsrechtlichen Voraussetzungen für die Durchführung eines eigenständigen Flugbetriebs geschaffen.

Wie die Unternehmensführung am 1. November 2026 im Rahmen einer Präsentation auf dem internationalen Flughafen Erbil bekannt gab, erteilte die irakische Zivilluftfahrtbehörde ICAA (Iraqi Civil Aviation Authority) der Fluggesellschaft am 20. Oktober 2026 das eigene Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator Certificate, AOC). Die offizielle Kundgabe der Zertifizierung erfolgte am 22. Oktober 2026. Damit beendet das im Jahr 2015 gegründete und seit Juni 2018 kommerziell aktive Unternehmen seine bisherige Abhängigkeit von fremden Betriebslizenzen. Zuvor agierte FlyErbil als sogenannter virtueller Carrier, der Strecken vermarktete, die operative Ausführung jedoch Partnergesellschaften wie der irakischen UR Airlines überließ. Die Erlangung der Eigenständigkeit ist eng mit dem Erwerb eigener Flugzeuge verknüpft, da angepasste Luftfahrtvorschriften im Irak von kommerziellen Anbietern verlangen, mindestens eine Maschine außerhalb von Wet-Lease-Vereinbarungen auf dem eigenen Zertifikat zu betreiben.

Aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen und Abkehr vom Leasingmodell

Der Schritt von FlyErbil hin zur eigenständigen Fluggesellschaft erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter regulatorischer Vorgaben der irakischen Luftfahrtbehörde ICAA. Die aktualisierten Bestimmungen sehen vor, dass ein Inhaber eines Luftverkehrsbetreiberzeugnisses mindestens ein Verkehrsflugzeug im Eigentum oder im dauerhaften Trockenleasing (Dry Lease) registrieren und betreiben muss. Reine Wet-Lease-Arrangements, bei denen Fluggerät, Besatzung, Wartung und Versicherung von externen Partnern gestellt werden, reichen für die Aufrechterhaltung eines eigenen AOC im irakischen Markt nicht mehr aus.

Vor dieser Anpassung stützte sich das Geschäftsmodell von FlyErbil im Wesentlichen auf Kooperationen mit Anbietern wie UR Airlines, deren Lizenzen für die Durchführung der Flüge genutzt wurden. Chief Executive Officer Lawand Mamondy betonte am 1. November 2026 auf dem Flughafen Erbil, dass das neue Zertifikat der Fluggesellschaft die rechtliche und operative Basis bietet, Flugleistungen künftig unter eigenem Namen und mit eigenem Personal durchzuführen. Dieser Wechsel soll dem Unternehmen mehr Unabhängigkeit bei der Kapazitätenplanung und der Netzgestaltung verschaffen.

Aufbau der eigenen Flotte und Herkunft des ersten Airbus A320-200

Zur Erfüllung der behördlichen Auflagen hat FlyErbil ihr erstes eigenes Passagierflugzeug übernommen. Es handelt sich um einen Airbus A320-200 mit dem irakischen Luftfahrzeugkennzeichen YI-EBL und der Herstellerseriennummer (MSN) 3460. Das Flugzeug traf am 9. Oktober 2026 nach einem Überführungsflug aus Istanbul auf dem internationalen Flughafen Erbil ein. Die Maschine ist mit einer durchgehenden Einklassen-Bestuhlung für 180 Passagiere in der Economy-Klasse ausgestattet.

Die Historie des Fluggeräts spiegelt die Dynamik des internationalen Gebrauchtflugzeugmarktes wider: Die im Jahr 2008 gebaute Maschine wurde ursprünglich an die US-amerikanische Virgin America ausgeliefert und stand in der Folge bei Alaska Airlines, der kanadischen Canada Jetlines sowie der griechischen Marathon Airlines im Dienst. Gemäß Flottendatenbanken nahm die YI-EBL am 16. Oktober 2026 den kommerziellen Flugbetrieb für FlyErbil auf. Eine zweite Maschine des Typs Airbus A320-200 mit der Herstellerseriennummer 3536 ist der Fluggesellschaft ebenfalls zugeordnet, wird in den Branchenregistern derzeit jedoch als konserviert gelagert (stored) geführt. Ein konkretes Datum für die Beistellung und den Dienstantritt dieses zweiten Flugzeugs steht bislang aus.

Netzwerkplanung und geplante Flugziele in Europa und dem Nahen Osten

Mit der Erlangung des eigenen Betreiberzeugnisses strebt FlyErbil die schrittweise Weiterentwicklung ihres Streckennetzes ab Erbil an. Neben Inlandsverbindungen zu anderen irakischen Städten plant die Fluggesellschaft den Ausbau von Direktverbindungen im Nahen Osten sowie zu europäischen Zielen. In vorläufigen Flugplanentwürfen vom Oktober 2026 wurden unter anderem deutsche Zielhäfen wie Düsseldorf, Stuttgart, Hannover, Frankfurt, Köln/Bonn, München und Berlin genannt. Darüber hinaus umfassen die internen Zielplanungen Strecken nach Kopenhagen, London, Amsterdam und Istanbul.

Branchenanalysten weisen jedoch darauf hin, dass diese Zielorte vorerst als unverbindliche Streckenabsichten zu bewerten sind. FlyErbil hat bislang keinen verbindlichen Flugplan veröffentlicht, der die genauen Starttermine für die Wiederaufnahme oder Ersteinführung von Linienflügen zu den einzelnen Destinationen unter dem eigenen AOC festlegt. Die Anfluggenehmigungen für europäische Flughäfen hängen zudem von den luftfahrtrechtlichen Zustimmungen der jeweiligen nationalen Behörden sowie den Sicherheitsbewertungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) ab.

Herausforderungen im irakischen Luftverkehrsmarkt und regionale Konkurrenz

Der Übergang zum eigenständigen Flugbetrieb vollzieht sich in einem komplexen Marktumfeld. Die Zivilluftfahrt im Irak steht weiterhin unter der Beobachtung internationaler Regulierungsbehörden. Der staatliche Marktführer Iraqi Airways unterliegt auf europäischen Strecken weiterhin Einschränkungen, was Raum für private Anbieter schafft. Neben FlyErbil versuchen auch andere private irakische Fluggesellschaften wie Fly Baghdad oder UR Airlines, Marktanteile im ethnischen Reiseverkehr sowie im Geschäftsreiseverkehr zwischen Nordirak, der Golfregion und Europa zu sichern.

Ob FlyErbil die geplante Ausweitung des Flugbetriebs mit einer vorerst eintreffenden Ein-Flugzeug-Flotte nachhaltig umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Die Aufrechterhaltung eines stabilen Flugplans mit nur einer aktiven Maschine birgt operative Risiken bei ungeplanten technischen Wartungsarbeiten (AOG). Die Weiterentwicklung der Flottenstruktur und die erfolgreiche Einflottung des zweiten Airbus A320 werden von Branchenkennern als entscheidende Kriterien für die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens gewertet.

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