Die neuseeländische Fluggesellschaft Air New Zealand sieht sich mit einer ernsten Bedrohung des Flugbetriebs konfrontiert, nachdem die Gewerkschaften E tū und FAANZ für den 8. Dezember 2025 zu einem umfassenden Streik aufgerufen haben. Rund 1.250 Mitglieder, hauptsächlich Kabinenpersonal, werden voraussichtlich an der ganztägigen Arbeitsniederlegung teilnehmen, nachdem monatelange Tarifverhandlungen über Löhne und Arbeitsbedingungen gescheitert waren. Die Fluggesellschaft hat bereits eine Reiseinformation an ihre Passagiere herausgegeben.
Die Gewerkschaften begründen den Streik nicht nur mit der Forderung nach einer fairen Bezahlung, die über dem Inflationsniveau liegt, sondern warnen explizit vor einer steigenden Ermüdungsgefahr und einer sinkenden Arbeitsmoral, die die Sicherheit des Flugbetriebs gefährden könnte. Air New Zealand arbeitet intensiv daran, eine Einigung zu erzielen und Beeinträchtigungen für die Kunden zu vermeiden.
Der Streitpunkt: Überlastung und mangelnde Wertschätzung
Der geplante Streik, der am 8. Dezember 2025 zu unterschiedlichen Zeiten sowohl die Regionalflotten (geplant zwischen 05:00 und 23:00 Uhr) als auch die nationalen und internationalen Flotten (geplant zwischen 00:01 und 23:59 Uhr) betreffen soll, ist die Eskalation eines tiefgreifenden Konflikts. Die Gewerkschaften E tū und FAANZ, die das Kabinenpersonal vertreten, betonen, dass das jüngste Angebot von Air New Zealand die Verantwortung, den Druck und die mit der Arbeit verbundenen Ermüdungsrisiken nicht angemessen widerspiegele.
Ein Sprecher der Gewerkschaft E tū äußerte die Besorgnis der Beschäftigten, dass das Unternehmen „Effizienz über das Wohlbefinden der Besatzung stellt“. Viele Mitarbeiter berichteten von bereits überdehnten Dienstplänen und einer allgemeinen Überlastung. Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Forderung des Unternehmens nach höherer Produktivität die Ermüdungsgefahr („fatigue risk“) massiv erhöhe. Ermüdung im Luftverkehr gilt als ernstes Sicherheitsrisiko, das potenziell die Sicherheit sowohl des Personals als auch der Passagiere beeinträchtigen kann.
Zudem berichten Mitarbeiter von einem Gefühl der mangelnden Wertschätzung und einer Kluft zur Unternehmensleitung. Um eine Gehaltserhöhung auf Inflationsniveau zu erhalten, werde von den Mitarbeitern verlangt, hart erkämpfte Arbeitsbedingungen aufzugeben. Dieses Vorgehen führe zu einer niedrigen Arbeitsmoral und einem Gefühl der Entfremdung, obwohl das Unternehmen seine Mitarbeiter in der Öffentlichkeit als sein größtes Kapital bezeichne. Nationalsekretärin Rachel Mackintosh von E tū unterstrich, dass das Personal über die Maßen hinausgehende Leistungen erbracht habe und nun eine faire Einigung verlange, die ihre Fähigkeiten, ihre Verantwortung und ihre zentrale Rolle bei der Gewährleistung der Sicherheit widerspiegle.
Air New Zealands Reaktion und Flottenwachstum
Air New Zealand, die sich weiterhin bemüht, eine „faire und nachhaltige Lösung“ mit den Gewerkschaftsvertretern zu finden, hat die Verhandlungen für die kommende Woche angesetzt. Das Unternehmen erklärte, dass es derzeit noch keine Auswirkungen auf den Flugplan gebe und man hart daran arbeite, eine Störung der Kunden zu vermeiden. Sollte der Streik jedoch stattfinden, muss Air New Zealand möglicherweise auf Alternativflüge umbuchen und/oder für die Unterbringung der betroffenen Passagiere sorgen.
Der Konflikt fällt in eine Phase, in der die Fluggesellschaft selbst massive Wachstumspläne verfolgt. Air New Zealand plant, ihre Flotte in den kommenden fünf Jahren um 13 zusätzliche Flugzeuge zu erweitern. Dieses geplante Wachstum, das sowohl auf die Steigerung der Kapazität als auch auf die Modernisierung der Flotte abzielt, wird jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn das Unternehmen über ausreichend motiviertes und verfügbares Personal verfügt. Die Diskrepanz zwischen den ehrgeizigen Expansionsplänen und den als unzureichend empfundenen Arbeitsbedingungen für das Kabinenpersonal steht im Zentrum des Konflikts.
Historischer Kontext und Branchenvergleich
Die Forderungen der neuseeländischen Kabinenbesatzungen spiegeln einen breiteren Trend in der globalen Luftfahrtindustrie wider. Seit dem Ende der globalen Gesundheitskrise und der Wiederaufnahme des Flugverkehrs kämpfen viele Fluggesellschaften weltweit mit Personalengpässen und dem Druck der Belegschaften, die während der Krise erlittenen Lohnkürzungen oder eingefrorenen Bedingungen auszugleichen. Die Forderung, Zugeständnisse bei den Arbeitsbedingungen gegen eine inflationsbereinigte Gehaltserhöhung einzutauschen, wird von Gewerkschaften in vielen Ländern als inakzeptabler Rückschritt gewertet.
In der Vergangenheit hat die Luftfahrtbranche in Neuseeland und Australien bereits ähnliche Konflikte erlebt, bei denen Fragen der Müdigkeitskontrolle und der Dienstplangestaltung zentrale Streitpunkte waren. Die Regulierung der Ermüdungsrisiken im Luftverkehr unterliegt strengen internationalen Standards (icao), da die Sicherheit von Flügen unmittelbar von der Wachsamkeit der Besatzungsmitglieder abhängt. Die spezifische Warnung der Gewerkschaft vor einer Zunahme der Ermüdungsrisiken unterstreicht somit die ernste Dimension der Verhandlungen, da sie direkt auf die Einhaltung der Sicherheitsstandards abzielt.
Sollte der Streik tatsächlich am 8. Dezember stattfinden, würde dies eine der verkehrsreichsten Zeiten im Reisejahr, kurz vor den Hauptreisezeiten, empfindlich treffen. Die Öffentlichkeit, die nach Jahren der Reisebeschränkungen wieder verstärkt Flüge bucht, reagiert auf solche Unsicherheiten oft sensibel. Der Ausgang der nun folgenden Verhandlungsrunde wird nicht nur über die Arbeitsbedingungen der 1.250 Mitarbeiter entscheiden, sondern auch darüber, ob Air New Zealand ihre geplante Expansion in einem stabilen operativen Umfeld fortsetzen kann.