Der Wettbewerb im neuseeländischen Inlandsflugverkehr spitzt sich zu. Air New Zealand, die nationale Fluggesellschaft mit einer marktbeherrschenden Stellung, hat die Geschäftspraktiken der großen Flughäfen des Landes scharf kritisiert. Im Zentrum der Kontroverse stehen finanzielle Anreize, die den Hauptkonkurrenten, die Billigfluggesellschaft Jetstar Airways, eine Tochtergesellschaft der australischen Qantas, begünstigen sollen.
Air New Zealand argumentiert, dass diese „offenen“ Subventionen den fairen Wettbewerb verzerren und die kritische Infrastruktur der regionalen Anbindung gefährden, die das Unternehmen durch Quersubventionierung aufrechterhält. Die Flughäfen und Jetstar weisen die Anschuldigungen zurück und betonen die Notwendigkeit, den Wettbewerb zu fördern, um niedrigere Flugpreise für die Verbraucher zu gewährleisten und dem dominierenden Marktanteil von Air New Zealand entgegenzuwirken. Dieser Konflikt beleuchtet die komplexen Spannungen zwischen Marktdominanz, Wettbewerbsförderung und der Sicherstellung einer landesweiten, wirtschaftlich tragfähigen Fluganbindung.
Der Vorwurf: Unfaire Subventionen für den Rivalen
Nikhil Ravishankar, der Vorstandsvorsitzende von Air New Zealand, äußerte in einem Interview mit dem Magazin BusinessDesk seine Bedenken. Er erkennt an, dass temporäre Ermäßigungen für neue Routen oder Marktteilnehmer ein standardisiertes und akzeptables Verfahren zur Förderung von Start-ups und zur Stimulierung neuer Verbindungen darstellen. Seine Kritik zielt jedoch auf die seiner Meinung nach „kontinuierlichen Subventionen“ ab, die Jetstar auf den profitabelsten Hauptstrecken, den sogenannten „trunk routes“, gewährt werden.
Laut Ravishankar ermöglichen diese anhaltenden finanziellen Vorteile Jetstar, die Preise auf diesen hochfrequentierten Verbindungen zu unterbieten, was Air New Zealand in direkter Konkurrenz massiv unter Druck setzt. Im Gegensatz dazu bedient Jetstar nicht die unrentablen, aber für die Konnektivität des Landes essentiellen Sekundärstrecken. Air New Zealand betreibt hingegen ein weitreichendes Regionalnetz, das oft nur durch Quersubventionierung von den ertragsstärkeren Hauptstrecken aufrechterhalten werden kann. Ravishankar warnt, dass eine Aushöhlung der Rentabilität auf den Hauptstrecken durch subventionierte Konkurrenz die Fähigkeit von Air New Zealand untergräbt, diese essentielle regionale Konnektivität, die er als „kritische Infrastruktur“ für Neuseeland bezeichnet, weiterhin zu gewährleisten.
Die Reaktion der Flughäfen: Wettbewerb als oberstes Gebot
Die neuseeländischen Flughäfen, vertreten durch die New Zealand Airports Association und insbesondere den Auckland International Airport, wiesen die Vorwürfe umgehend als „absurd“ zurück. Sie verweisen auf den anhaltend dominanten Marktanteil von Air New Zealand, der im Inlandflugverkehr bei signifikanten 86 Prozent liegt. Aus ihrer Sicht sind finanzielle Anreize unverzichtbare Instrumente, um einen funktionierenden Wettbewerb sicherzustellen und somit niedrigere Ticketpreise für neuseeländische Reisende zu erzielen.
Die Flughäfen argumentieren, dass die Anreize darauf abzielen, eine gesunde Dynamik in einem Markt zu schaffen, der stark von einem einzigen Akteur dominiert wird. Sie implizieren, dass die Beschwerden von Air New Zealand lediglich ein Versuch seien, von den eigenen Problemen abzulenken. Die Kritik der Flughäfen konzentriert sich auf die Kapazitätsengpässe und das tendenziell höhere Preisniveau, das Air New Zealand etabliert hat. Die Expansion von Jetstar wird demnach als positiver Beitrag zur Marktverbesserung gesehen, der dem Passagier durch mehr Auswahl und niedrigere Tarife zugutekommt. Jüngste Ankündigungen von Jetstar belegen einen massiven Kapazitätsausbau in Neuseeland, der über 600.000 neue Sitze pro Jahr in das Inlandsnetzwerk bringen soll, was die Bemühungen um verstärkten Wettbewerb unterstreicht.
Ein Blick auf die Wettbewerbssituation
Die Luftverkehrslandschaft in Neuseeland ist seit langem durch die starke Präsenz von Air New Zealand geprägt, welche nicht nur die Hauptverbindungen, sondern auch ein dichtes Netz an Regionalflügen bedient. Das Unternehmen hat sich über Jahrzehnte als nationaler Carrier etabliert und sieht sich selbst in einer Verantwortung für die flächendeckende Erreichbarkeit des Inselstaates, oft über kleine Flughäfen, die für andere Fluggesellschaften wirtschaftlich unattraktiv sind.
Jetstar, das 2004 den Betrieb aufnahm, hat sich in Neuseeland als Billigfluganbieter positioniert und konzentriert sich primär auf die renditestarken Hauptstrecken zwischen den großen Städten, wie beispielsweise Auckland, Wellington und Christchurch. Der verstärkte Wettbewerb auf diesen lukrativen Routen führt typischerweise zu einem Preiskampf, der in der Tat zu günstigeren Tarifen für die Verbraucher führt.
Experten sehen in der Debatte eine grundlegende Herausforderung für die Luftverkehrspolitik: Wie kann ein angemessener Wettbewerb auf den Hauptstrecken gewährleistet werden, um monopolistische Preisgestaltung zu vermeiden, ohne gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage für die Quersubventionierung des regionalen Netzes zu zerstören? Die Befürworter der Flughafenanreize sehen diese als notwendiges Übel, um Jetstar überhaupt erst im Markt zu halten und die Dominanz von Air New Zealand zu lockern. Ohne diesen Druck, so die Argumentation, bestünde die Gefahr, dass Air New Zealand die Preise ungehindert erhöhen würde.
Die Bedeutung der regionalen Anbindung
Die regionalen Strecken, oft von kleineren Flugzeugen des Air New Zealand Link-Netzwerks bedient, sind für die Wirtschaft und Gesellschaft Neuseelands von erheblicher Bedeutung. Sie verbinden ländliche Gemeinden und kleinere Geschäftszentren mit den Hauptstädten und internationalen Flughäfen. Für viele isolierte Orte stellen diese Flüge die schnellste und manchmal einzige effektive Verkehrsanbindung dar.
Die Sorge von Air New Zealand ist begründet in der Struktur des Luftverkehrs: Geringer Passagierverkehr und höhere Betriebskosten auf den Regionalstrecken erfordern eine finanzielle Stützung, die traditionell aus den Gewinnen der Hauptstrecken stammt. Sollten die Margen auf den Hauptstrecken aufgrund aggressiver, subventionierter Konkurrenz dauerhaft erodieren, müsste Air New Zealand entweder die Preise auf den Regionalstrecken massiv erhöhen – was zur Isolation der Gemeinden führen könnte – oder unrentable Regionalverbindungen einstellen, was einem Rückbau der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ gleichkäme. Die neuseeländische Regierung und die Regulierungsbehörden stehen in diesem Spannungsfeld vor der Aufgabe, eine faire Wettbewerbsumgebung zu schaffen, die gleichzeitig die nationale Konnektivität langfristig sichert. Es muss eine Balance gefunden werden zwischen der Ermöglichung von Niedrigpreisangeboten durch Wettbewerb auf den Hauptachsen und der Aufrechterhaltung eines zuverlässigen und bezahlbaren Flugnetzes für die gesamte Bevölkerung, unabhängig vom Profitpotenzial der einzelnen Strecken. Die Diskussion um die Angemessenheit und Dauerhaftigkeit von Flughafen-Incentives wird somit zu einer zentralen Frage der nationalen Verkehrspolitik.