Die nigerianische Fluggesellschaft Air Peace hat laut Berichten des Portals News Aero schwere Vorwürfe gegen die insolvente Wet-Lease-Airline SmartLynx erhoben. Air Peace bezichtigt den Anbieter, Zahlungen für vereinbarte Flugstunden kassiert zu haben, obwohl bereits bekannt gewesen sei, dass die Leistungen aufgrund der angespannten Geschäftslage von SmartLynx nicht mehr erbracht werden würden.
Der Kern des Streits liegt in der abrupten Rücknahme von vier geleasten Airbus A320-Flugzeugen. Diese Jets seien zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2025 von SmartLynx ohne vorherige Ankündigung aus dem operativen Betrieb von Air Peace abgezogen worden. Die Kurzfristigkeit dieser Maßnahme führte bei der nigerianischen Airline zu massiven Betriebsstörungen, da zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig ein großer Teil der eigenen Flotte von Air Peace wegen geplanter Wartungsarbeiten am Boden stand.
Air Peace beziffert den ihr entstandenen Gesamtschaden auf rund 38 Millionen US-Dollar. Dieser Betrag umfasst geleistete Vorauszahlungen, Kautionen sowie erhebliche betriebliche Ausfälle und Umsatzeinbußen während einer Hauptreisezeit und einer Phase hoher Nachfrage im westafrikanischen Flugverkehr. Der Fall beleuchtet die Risiken von Wet-Lease-Vereinbarungen, insbesondere wenn der Leasinggeber in finanzielle Schwierigkeiten gerät. SmartLynx, eine in Lettland ansässige Gesellschaft, die sich auf ACMI-Dienstleistungen (Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance) spezialisiert hatte, sah sich in jüngster Zeit mit erheblichen Liquiditätsproblemen konfrontiert, die schließlich zum Insolvenzantrag führten.
Der anhaltende Konflikt zwischen Air Peace und SmartLynx, die in Afrika und Europa operierte, wird voraussichtlich rechtliche Schritte nach sich ziehen. Air Peace, die größte Airline Westafrikas, ist gezwungen, kurzfristig Kapazitäten zu substituieren, um ihr Streckennetz aufrechtzuerhalten, und kämpft gleichzeitig um die Wiedergewinnung der verlorenen Kautionen und Zahlungen.