Die kanadische Fluggesellschaft Air Transat sieht sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Während das Unternehmen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 einen Nettoverlust von 129,1 Millionen kanadischen Dollar (etwa 89,4 Millionen US-Dollar) verzeichnete, warnte die CEO Annick Guerard vor den potenziellen Auswirkungen des Handelskriegs zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten.
Die Fluggesellschaft, die stark auf den internationalen Reiseverkehr setzt, überwacht die Situation genau, da diese Entwicklung indirekte Auswirkungen auf das Unternehmen haben könnte, obwohl die direkte Exposition gegenüber dem US-Markt begrenzt ist.
Die Auswirkungen des Handelskriegs
Die politische Auseinandersetzung zwischen Kanada und den USA, die vor allem durch die Einführung von Zöllen und Handelsbeschränkungen geprägt ist, könnte für Air Transat ernsthafte wirtschaftliche Folgen haben. Obwohl die Fluggesellschaft nur in begrenztem Maße auf den US-Markt angewiesen ist – lediglich zwei Destinationen in Florida machen etwa 3% ihrer gesamten Kapazität aus – könnte der Handelskrieg dennoch zu weitreichenderen wirtschaftlichen Unsicherheiten führen. Laut Guerard könnte die Auseinandersetzung den kanadischen Dollar entwerten, was die Betriebskosten von Air Transat erhöhen würde. Dies liegt daran, dass die Fluggesellschaft einen Großteil ihrer Kosten in US-Dollar tätigt, insbesondere für Treibstoff und Flugzeugleasing.
Doch das wirtschaftliche Risiko geht über die Währungsbewegungen hinaus. Guerard warnte, dass die unsichere wirtschaftliche Lage die Verbrauchervertrauen beeinträchtigen könnte, was potenziell zu einem Rückgang der Reisefreudigkeit führen würde. In diesem Zusammenhang betonte sie, dass die Fluggesellschaft die Marktlage genau beobachtet und in ihren Entscheidungsprozessen berücksichtigt.
Geringe Auswirkungen auf die Buchungen – vorerst
Trotz der globalen Unsicherheiten und der angespannten politischen Lage hat Air Transat noch keine negativen Auswirkungen auf ihre Buchungslage festgestellt. Die Airline hat in den vergangenen Monaten eine gewisse Stabilität aufrechterhalten und konnte die Buchungstrends beobachten, ohne dass die Tarifkündigungen eine unmittelbare Reaktion der Reisenden zur Folge hatten. Im Rahmen des Q1-Berichtes wurde betont, dass sich das Buchungsverhalten nach wie vor im Rahmen der Erwartungen befindet, insbesondere mit Blick auf die bevorstehende starke Buchungssaison im Sommer 2025.
Guerard erklärte, dass das Unternehmen weiterhin vorsichtig bleibt, jedoch keine substanzielle negative Veränderung der Buchungen beobachtet habe. Die Airline behält weiterhin ein diszipliniertes Vorgehen bei der Kapazitätsplanung bei, um der wirtschaftlichen Unsicherheit zu begegnen und die Auswirkungen des Handelskriegs abzufedern.
Dennoch gab es einen signifikanten Rückgang der Kapazität in den USA um etwa 10%. Dies ist eine direkte Reaktion auf die Unsicherheiten im Markt, die durch den Handelskonflikt noch verstärkt werden könnten. Die Airline prüft zudem, wie sich die Ankündigungen der US-amerikanischen Fluggesellschaften entwickeln und reagiert darauf, indem sie möglicherweise ihre Kapazitäten in den USA weiterhin anpasst.
Verluste im ersten Quartal 2025
Trotz eines Umsatzanstiegs von 5,6% im Vergleich zum Vorjahr, konnte Air Transat den Nettoverlust nicht abwenden. Die Einnahmen beliefen sich auf 829,5 Millionen kanadische Dollar (ca. 575,1 Millionen US-Dollar), jedoch war der Verlust mit 129,1 Millionen kanadischen Dollar signifikant. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen einen Verlust von 61 Millionen kanadischen Dollar verzeichnet.
Guerard zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Air Transat angesichts der schwierigen Marktlage eine bessere Leistung als im Vorjahr erzielt habe. Dies sei zum Teil dem „Elevation Program“ zu verdanken, das weiter voranschreite. Dieses Programm, das auf langfristige Rentabilität abzielt, sollte laut den Unternehmensplänen jährliche, bereinigte Gewinne vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) von rund 37 Millionen kanadischen Dollar (ca. 25,6 Millionen US-Dollar) erzielen.
Maßnahmen zur Verbesserung der Rentabilität
Um die Rentabilität weiter zu steigern und die finanziellen Herausforderungen zu meistern, setzt Air Transat auf verschiedene Maßnahmen. Zu den wichtigsten gehören Initiativen im Bereich des Revenue Managements sowie Produktivitätsmaßnahmen, die die Profitabilität des Unternehmens langfristig sichern sollen. Ein weiteres zentrales Thema ist die Umstrukturierung der Unternehmensfinanzen, die für die kommenden Monate geplant ist.
Die Fluggesellschaft hat auch ihre Bemühungen zur Refinanzierung ihrer Schulden intensiviert. Im ersten Quartal 2025 betrug der Schuldenstand des Unternehmens rund 800 Millionen kanadische Dollar (etwa 554,7 Millionen US-Dollar). Ein bedeutender Schritt war die Verlängerung der Fälligkeiten von 403,4 Millionen kanadischen Dollar der Schulden, um mehr Flexibilität bei den Verhandlungen mit den Gläubigern zu schaffen. Das Unternehmen befindet sich nach wie vor in Gesprächen mit der kanadischen Regierung sowie anderen Beteiligten, um eine langfristige Lösung für die Schuldenproblematik zu finden.
Ausblick auf die kommenden Monate
Die Aussichten für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2025 sind gemischt. Air Transat erwartet, dass die Auslastung der Flüge im Vergleich zum Vorjahr um etwa 2% sinken wird. Dennoch sind die Einnahmen pro verfügbarer Sitzmeile (RASM) um 2% höher als im Vorjahr, was auf eine stabilere Preisgestaltung und eine stärkere Nachfrage auf bestimmten Strecken hindeutet.
Für die Sommermonate geht die Airline von einem leichten Kapazitätswachstum von etwa 2% aus. Allerdings könnte sich diese Planung je nach Entwicklung der Situation mit den Pratt & Whitney PW1100G-Triebwerken ändern, die die Flugzeuge des Typs Airbus A321LR angetrieben. Dies könnte zu Anpassungen in der Flugplanung führen, wenn die Verfügbarkeit dieser Triebwerke weiterhin problematisch bleibt.
Trotz der Herausforderungen bleibt Air Transat entschlossen, ihre Marktstellung zu behaupten und ihre Strategie zur Stabilisierung der Finanzen fortzusetzen. Das Unternehmen bleibt jedoch auf die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen angewiesen, die die Reisebranche auch im kommenden Jahr beeinflussen könnten.