Embraer E195LR (Foto: Mario Caruana / MAviO News).
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Airbus buhlt aggressiv um LOT-Flottenerneuerung: Konkurrenzkampf mit Embraer intensiviert sich

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Die polnische Fluggesellschaft LOT Polish Airlines steht vor einer bedeutenden Entscheidung bezüglich der Erneuerung ihrer Kurz- und Mittelstreckenflotte. Im Fokus dieses Wettbewerbs stehen der europäische Flugzeugbauer Airbus und der brasilianische Hersteller Embraer.

Während Embraer traditionell ein wichtiger Lieferant für LOT war und über einen gewissen „Heimvorteil“ verfügt, hat Airbus laut Branchenkreisen ein „aggressives“ Angebot für 84 Flugzeuge des Typs A220 unterbreitet. Dieses Angebot umfaßt sowohl die kleinere A220-100 als auch die größere A220-300 Variante und verspricht Liefertermine ab dem Jahr 2027. Airbus scheint entschlossen, LOT, einen langjährigen Betreiber von Embraer-Jets, in sein Kundenportfolio zu integrieren.

Airbus sichert Lieferpositionen und argumentiert mit Lufthansa-Verbindung

Nach Brancheninformationen hält Airbus derzeit konkrete Lieferpositionen für die A220 im Programm für LOT frei und rechnet mit einer zeitnahen Entscheidung der polnischen Fluggesellschaft. LOT selbst hatte im März eine Entscheidung „in den nächsten Monaten“ angekündigt. Um das Geschäft zu gewinnen, hat Airbus LOT ein umfassendes und, wie das polnische Luftfahrtportal „Rynek Lotniczy“ unter Berufung auf Airbus-Verkaufschef Christian Scherer berichtete, „aggressives“ Angebotspaket geschnürt.

Ein zentrales Verkaufsargument von Airbus scheint dabei die Größe der A220 zu sein. Laut Scherer sei die A220 das geeignetere Flugzeug für die von LOT angestrebte, zügige Expansion. Insbesondere die A220-300 böte im direkten Vergleich zur Embraer E195-E2 mehr Sitzplätze. Zudem verweist Airbus auf die potentielle zukünftige Entwicklung einer noch größeren Version, der A220-500, für die LOT bei einem Programmstart als möglicher Abnehmer gehandelt wird. Ein weiteres gewichtiges Argument von Airbus zielt auf das Wachstumspotenzial des osteuropäischen Luftverkehrsmarktes ab. Scherer argumentierte, daß, wenn LOT diese zusätzlichen Passagiere nicht befördere, dies unter anderem die Lufthansa tun werde, was die strategische Bedeutung einer Flottenmodernisierung für LOT unterstreicht.

Embraer kontert mit schnellerer Verfügbarkeit und bestehender Flottenerfahrung

Embraer kann im Gegenzug mit einer potenziell schnelleren Verfügbarkeit neuer Flugzeuge punkten. Der brasilianische Hersteller wäre nach eigenen Angaben in der Lage, erste Flugzeuge der E2-Familie bereits im Jahr 2026 auszuliefern. Zudem setzt LOT bereits seit Ende 2024 drei geleaste Embraer E195-E2 ein, die mit 136 Sitzen konfiguriert sind.

Diese bereits bestehende Erfahrung mit Embraer-Jets könnte für LOT bei der Entscheidungsfindung ebenfalls eine Rolle spielen, da sie Vorteile in Bezug auf die Pilotenausbildung und die Wartung der Flugzeuge mit sich bringt. LOT betreibt derzeit eine gemischte Flotte auf ihren europäischen Strecken, bestehend aus Embraer E-Jets und Boeing 737 MAX. Eine Nachbestellung von Boeing 737 MAX hatte LOT jedoch bereits im Jahr 2024 ausgeschlossen, was die Entscheidung auf einen Wettbewerb zwischen der Embraer E2-Familie und der Airbus A220-Familie eingrenzt.

Wachstumsperspektiven und strategische Weichenstellung für LOT

Die geplante Flottenmodernisierung von LOT fällt in eine Zeit, in der westlich von Warschau ein neuer Großflughafen entsteht, der perspektivisch bis zu 40 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen soll und über Ausbaureserven verfügt. Die Entscheidung zwischen Airbus und Embraer wird somit nicht nur die Zusammensetzung der LOT-Flotte der kommenden Jahre bestimmen, sondern auch die strategische Ausrichtung der Fluggesellschaft im Hinblick auf das erwartete Wachstum im osteuropäischen Luftverkehrsmarkt maßgeblich beeinflussen.

Die Wahl des Flugzeugtyps wird entscheidend dafür sein, wie LOT ihre Kapazitäten erweitern und im Wettbewerb mit anderen Fluggesellschaften, einschließlich der Lufthansa, bestehen kann. Die Ankündigung einer baldigen Entscheidung deutet darauf hin, daß die Luftfahrtbranche die Entwicklungen in Polen aufmerksam verfolgen wird.

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