Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus sieht sich im laufenden Geschäftsjahr 2026 mit massiven Verzögerungen in der Lieferkette konfrontiert. Konzernchef Guillaume Faury bestätigte am Rande des World Governments Summit in Dubai, dass insbesondere der Rückstau bei der Auslieferung neuer Verkehrsmaschinen das operative Geschäft belastet. Als kritischster Faktor haben sich dabei die Triebwerke herausgestellt, deren Beschaffung bereits im Vorjahr erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Die Triebwerkshersteller wie Pratt & Whitney sowie CFM International kämpfen weiterhin mit Materialengpässen und verlängerten Wartungsintervallen für bestehende Flotten, was die Verfügbarkeit von Neuanlagen für die Montagebänder in Toulouse und Hamburg drastisch einschränkt.
Trotz dieser industriellen Hürden verzeichnet Airbus eine ungebrochen hohe Marktdynamik. Faury betonte, dass die Nachfrage im zivilen Sektor die Produktionskapazitäten bei weitem übersteige. In diesem Zusammenhang beobachtet das Unternehmen den Aufstieg des chinesischen Konkurrenten Comac mit der C919 sehr genau. Angesichts des globalen Bedarfs an Schmalrumpfflugzeugen räumte der Airbus-Chef ein, dass der Markt groß genug für zusätzliche Akteure sei, um die Lücken zu füllen, die durch die Lieferprobleme der etablierten Hersteller entstehen. Gleichzeitig fließen vermehrt Ressourcen in den Bereich der Verteidigungsprodukte, da die geopolitische Lage die Nachfrage nach militärischen Transportmaschinen und Überwachungssystemen weltweit gesteigert hat.
Zusätzliche Marktanalysen verdeutlichen die Schwere der Lage: Airbus musste seine Auslieferungsziele bereits mehrfach anpassen, da hunderte Flugzeuge aufgrund fehlender Komponenten nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnten. Experten weisen darauf hin, dass neben Triebwerken auch Engpässe bei Halbleitern und spezialisierten Flugzeugsitzen die Endlinie blockieren. Faury signalisierte in Dubai jedoch, dass der Konzern massiv in die vertikale Integration und die Sicherung seiner Zulieferbetriebe investiert, um die Stabilität für das zweite Halbjahr 2026 zu erhöhen. Die Herausforderung besteht darin, die Produktion der Erfolgsmodelle aus der A320neo-Familie hochzufahren, während die globale Logistikkette weiterhin durch Fachkräftemangel und Rohstoffknappheit fragil bleibt.
Die Konkurrenzsituation im asiatischen Raum verschärft den Druck auf Airbus zusätzlich. Während Comac versucht, seine Marktanteile über den chinesischen Heimatmarkt hinaus zu erweitern, muss Airbus sicherstellen, dass Kunden nicht aufgrund unkalkulierbarer Wartezeiten zu anderen Anbietern abwandern. Die aktuelle Strategie des Konzerns sieht daher eine engere Verzahnung mit den Triebwerkspartnern vor, um Priorisierungen bei der Auslieferung durchzusetzen. Für die Fluggesellschaften bedeuten die anhaltenden Lieferverzögerungen jedoch weiterhin eine erschwerte Flottenplanung und den Zwang, ältere Maschinen länger im Dienst zu behalten, um das Passagieraufkommen bewältigen zu können.