Auf der diesjährigen Paris Air Show 2025 verdichten sich die Gerüchte um eine mögliche Erweiterung der erfolgreichen A220-Flugzeugfamilie von Airbus. Obwohl der A220 in puncto Stückzahlen noch weit von den Produktionszahlen des A320 entfernt ist, denkt der europäische Flugzeughersteller laut Kreisen intensiver über eine Erweiterung des Einstiegsprogramms nach.
Dabei soll eine „einfache Streckung“ des Flugzeugs, die A220-500, präferiert werden, um die Komplexität und die Entwicklungskosten gering zu halten. Parallel dazu treibt Airbus die Zulassung für eine dichter bestuhlte A220-300 mit bis zu 160 Sitzen voran, um die Attraktivität des Modells für Fluggesellschaften weiter zu steigern und den Auftragseingang zu beleben.
Die A220-Familie: Ein strategisches Produkt im Airbus-Portfolio
Die A220-Familie, die ursprünglich von Bombardier als CSeries entwickelt und später von Airbus übernommen wurde, hat sich als wichtiges Element im Portfolio des europäischen Flugzeugherstellers etabliert. Sie füllt eine Nische im Marktsegment der Regionaljets und kleineren Schmalrumpfflugzeuge, die typischerweise 100 bis 160 Passagiere befördern. Obwohl die Verkaufszahlen des A220 noch nicht an die des Verkaufsschlagers A320 heranreichen, gilt das Modell als äußerst modern, treibstoffeffizient und komfortabel für Passagiere.
Die strategische Bedeutung der A220 liegt darin, daß sie es Airbus ermöglicht, Fluggesellschaften eine breitere Palette von Flugzeugtypen anzubieten und so den Wettbewerb mit anderen Herstellern im Regionalflugzeugsegment, wie Embraer, zu verstärken. Um das volle Potenzial der A220 auszuschöpfen, ist es für Airbus jedoch entscheidend, den Auftragseingang weiter anzukurbeln und das Modell für eine noch größere Bandbreite von Kunden attraktiv zu machen. Dies erklärt die aktuellen Überlegungen zu einer möglichen Erweiterung der Familie.
Der A220-500: Eine „Einfache Streckung“ als bevorzugte Option
Laut Berichten von „Bloomberg“, die sich auf Insiderkreise am Rande der Paris Air Show berufen, präferiert Airbus bei der möglichen Erweiterung der A220-Familie eine „einfache Streckung“. Dies würde bedeuten, daß eine mögliche A220-500 die gleichen Triebwerke und Tragflächen wie die bestehenden Modelle A220-100 und A220-300 erhalten würde. Das Hauptziel dieses Ansatzes ist es, die Entwicklungskosten und die Komplexität des neuen Modells so gering wie möglich zu halten. Eine solche „einfache Streckung“ würde es Airbus ermöglichen, relativ schnell eine größere Variante des A220 auf den Markt zu bringen.
Allerdings hätte dieser Ansatz auch Nachteile: Das zusätzliche Gewicht der größeren Kabine und der erhöhten Passagierzahl würde die Reichweite des Flugzeugs verringern. In diesem Fall wären beispielsweise Flüge von Küste zu Küste in den Vereinigten Staaten, die oft als wichtiger Maßstab für die Reichweite im transkontinentalen Verkehr gelten, mit einer A220-500 nicht möglich. Dies würde die Flexibilität des Flugzeugs für bestimmte Langstrecken-Regionalrouten einschränken.
Die Überlegungen zur „einfachen Streckung“ deuten darauf hin, daß Airbus von früheren Ideen einer technisch komplexeren, aber reichweitenstärkeren „A221“ abrücken könnte. Eine „A221“ hätte möglicherweise neue oder modifizierte Triebwerke und/oder eine stärkere Tragflächenkonstruktion erfordert, was die Entwicklungskosten und -zeiten erheblich erhöht hätte. Die aktuelle Präferenz für eine kosteneffiziente Erweiterung spiegelt möglicherweise die Notwendigkeit wider, schnell auf die Marktbedürfnisse zu reagieren und gleichzeitig die Investitionen zu kontrollieren.
Dichter bestuhlte A220-300: Mehr Sitze, mehr Effizienz
Parallel zu den Überlegungen über eine A220-500 treibt Airbus aktiv die Zulassung für eine dichter bestuhlte Version der A220-300 voran. Ziel ist es, das Kabinenlimit von 149 auf bis zu 160 Sitze anzuheben. Diese Erhöhung der Sitzplatzkapazität um 11 Sitze würde die Wirtschaftlichkeit des Flugzeugs für Fluggesellschaften weiter verbessern, da sie mehr Passagiere pro Flug befördern und somit die Kosten pro Sitzplatz senken können.
Die Grundkonstruktion der A220-300 sieht eine 160er-Bestuhlung zwar grundsätzlich vor. Um die höhere Passagierzahl zu ermöglichen, ist jedoch die Installation von zwei zusätzlichen Notausstiegen über den Tragflächen erforderlich. Dies ist eine gesetzliche Anforderung, um die Evakuierungszeiten im Notfall zu gewährleisten. Airbus rechnet damit, das entsprechende Zulassungsverfahren bis 2026 abschließen zu können.
Für Airbus ist dies keine neue Herausforderung. Der Konzern hat in der Vergangenheit bereits mehrfach die Nutzungslimits und Sitzplatzkapazitäten seiner Standardmodelle A320 und A321 erweitert, um den Anforderungen der Fluggesellschaften gerecht zu werden. Diese Erfahrungen dürften den Prozeß für die A220-300 erleichtern. Die dichter bestuhlte A220-300 könnte eine schnelle und effektive Möglichkeit für Airbus sein, die Attraktivität des Modells zu erhöhen und den Auftragseingang in Schwung zu bringen, noch bevor eine potenzielle A220-500 auf den Markt kommt. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese strategischen Schritte auf die Wettbewerbsposition der A220 im Regionalflugzeugmarkt auswirken werden.