Triebwerk eines Airbus A321neo (Foto: Steffen Lorenz).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Airbus fordert Überprüfungen bei den Modellreihen A330neo und A321neo

Werbung

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus sieht sich mit zusätzlichen Überprüfungen im Rahmen seiner Qualitätssicherung konfrontiert.

Nach dem Fund eines zurückgelassenen Werkzeugs im Höhenleitwerk einer A330neo hat der Flugzeugbauer die Betreiber ausgewählter Maschinen dieses Typs aufgefordert, entsprechende Kontrollen auf lose Gegenstände durchzuführen. Parallel dazu arbeitet der Hersteller gemeinsam mit dem italienischen Zulieferer Leonardo an der Behebung von Mängeln beim Oberflächenschutz von Rumpfelementen der A321neo-Familie. Obwohl nach Angaben des Herstellers und der europäischen Luftfahrtbehörden bei beiden Vorfällen keine unmittelbaren Sicherheitsrisiken bestehen, führen die notwendigen Prüf- und Nacharbeitsprozesse zu Verzögerungen im Auslieferungsplan für das vierte Quartal 2026.

Fund von Fremdkörpern im Höhenleitwerk der A330neo

Auslöser für die Inspektionsempfehlung bei der A330neo-Flotte war die Entdeckung eines Werkzeugs in der Struktur des Höhenleitwerks einer noch nicht ausgelieferten Maschine während einer Routinekontrolle im Werk. Fremdkörper in Hohlräumen von Flugzeugstrukturen, in der Fachsprache als Foreign Object Debris (FOD) bezeichnet, stellen ein potenzielles Risiko dar, da sie im Flugbetrieb Steuerungselemente blockieren oder mechanische Beschädigungen verursachen können.

Airbus reagierte umgehend und unterzog die in der aktuellen Produktion befindlichen Maschinen einer Überprüfung, sodass diese nach Konformitätsbestätigung planmäßig an Kunden übergeben werden können. Fluggesellschaften, die Flugzeuge aus potenziell betroffenen Fertigungslosen zwischen Januar 2021 und Juli 2026 erhalten haben, wurden gebeten, im Rahmen regulärer Wartungsintervalle gezielte Prüfungen durchzuführen. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) bewertete die Maßnahme als vorsorgliche Transparenz- und Sicherungsmaßnahme ohne die Notwendigkeit eines Flugverbots.

Mängel beim Oberflächenschutz an A321neo-Rumpfelementen

Ein weiterer Qualitätsmangel betrifft die Schmalrumpfsparte der A320neo-Familie, dem wirtschaftlichen Rückgrat des Konzerns. Bei Untersuchungen wurden Abweichungen beim Korrosionsschutz an Längsversteifungen (Stringern) im unteren vorderen Rumpfbereich identifiziert. Betroffen sind rund 500 Rumpfkomponenten, die vom italienischen Luftfahrtzulieferer Leonardo gefertigt wurden. Etwa die Hälfte dieser Bauteile befindet sich bereits in ausgelieferten Flugzeugen, die andere Hälfte in der aktiven Endmontage.

Nach Konzernangaben besteht auch bei dieser Abweichung keine akute Beeinträchtigung der Strukturfestigkeit oder der Flugsicherheit. Die Betreiber erhalten ein Zeitfenster von bis zu zwei Jahren, um die Nachbesserungen des Oberflächenschutzes im Rahmen planmäßiger Instandhaltungsphasen durchzuführen. Allerdings erfordern die Kontrollen an den noch in der Fertigung befindlichen Rumpfsegmenten zusätzlichen Arbeitsaufwand im Werk, weshalb rund 20 geplante Flugzeugübergaben vom dritten in das vierte Quartal 2026 verschoben werden mussten.

Auslieferungszahlen im September und Jahresziel 2026

Die zeitintensiven Sonderprüfungen spiegeln sich in den Monatszahlen des Herstellers wider. Im September 2026 lieferte Airbus nach Branchenangaben rund 72 Zivilflugzeuge an Kunden aus, womit das Niveau des Vergleichszeitraums des Vorjahres nahezu erreicht wurde. Über die ersten neun Monate des Jahres summiert sich das Auslieferungsvolumen auf etwa 547 Maschinen.

Damit verbleibe für das vierte Quartal 2026 die Notwendigkeit, mehr als 320 Flugzeuge zu übergeben, um das ausgegebene Jahresziel von rund 870 Verkehrsflugzeugen zu erreichen. Lars Wagner, Leiter des Zivilflugzeuggeschäfts bei Airbus, bekräftigte trotz der eng getakteten Lieferketten und der qualitätsbedingten Nacharbeiten seine Zuversicht, das gesteckte Jahresziel zu realisieren. Marktanalysten wie Douglas Harned vom Analysehaus Bernstein Research verweisen auf die hohe operative Belastung in den Fertigungshallen in Toulouse und Hamburg im Jahresendspurt, bewerten die finanzielle Substanz des Konzerns jedoch weiterhin positiv mit einem Kursziel von 240 Euro.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung