Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus evaluiert derzeit die Entwicklung gestreckter Modellvarianten für seine Flugzeugfamilien A220 und A350. Dies geht aus aktuellen Branchenberichten hervor, die im Umfeld der Farnborough International Airshow im Juli 2026 bekannt wurden.
Während Unternehmenschef Guillaume Faury betont, dass ein formeller Verkaufsstart für diese Muster noch nicht unmittelbar bevorsteht, zeichnen sich auf Seiten der Triebwerkshersteller und potenziellen Abnehmer bereits konkrete zeitliche und technische Rahmenbedingungen ab. Gleichzeitig hält der Hersteller an seinen hochgesteckten Auslieferungszielen für das laufende Geschäftsjahr fest und bereitet Anpassungen der Produktionskapazitäten vor.
Zeitrahmen und technische Anforderungen der Triebwerksentwicklung
Im Mittelpunkt der technischen Erwägungen bei einer Verlängerung der Baureihe A350-1000 steht die Bereitstellung ausreichend leistungsstarker Antriebe. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden des Triebwerksherstellers Rolls-Royce, Tufan Erginbilgic, wird erwartet, dass Airbus innerhalb eines Jahres die grundlegende Ausrichtung für den Entwurf der vergrößerten Variante festlegen wird. Rolls-Royce agiert als exklusiver Triebwerkslieferant für die A350-Familie.
Sollte sich der Flugzeugbauer für ein Design entscheiden, das eine größere Turbineneinheit erfordert, kalkuliert der britische Triebwerkshersteller mit einem Entwicklungszeitraum von sechs bis sieben Jahren bis zur Einsatzreife des neuen Aggregats. Airbus hat bislang weder offizielle Angaben zur Passagierkapazität und Reichweite noch zum genauen Zeitplan für einen Markteintritt der vergrößerten A350-Variante gemacht. Die Abwägungen erfolgen vor dem Hintergrund einer anhaltend hohen Nachfrage nach Großraumflugzeugen im internationalen Langstreckenverkehr.
Marktchancen und Kundeninteresse bei der Baureihe A220
Parallel zu den Planungen im Langstreckensegment prüft Airbus die Einführung einer verlängerten Ausführung der A220-Familie, die unter der Bezeichnung A220-500 geführt wird. Dieses Modell würde die Kapazitätslücke zwischen der bestehenden A220-300 und den kleineren Varianten der A320neo-Familie schließen.
Auf Kundenseite stößt das Konzept bereits auf konkretes Interesse. Die asiatische Fluggesellschaft AirAsia gilt als ein möglicher Erstkunde für die A220-500. Das Unternehmen hat im Zuge von Erwägungen über die Modernisierung seiner Flotte Interesse an Optionen für bis zu 150 Flugzeuge dieses Typs signalisiert, zusätzlich zu einer bestehenden Festbestellung über 150 Einheiten der Version A220-300. Trotz dieses Marktsignals verwies Airbus-Chef Guillaume Faury im April 2026 darauf, dass eine Entscheidung über den offiziellen Programmstart beider gestreckter Flugzeugmuster nicht unmittelbar bevorstehe und von weiteren Wirtschaftlichkeitsprüfungen abhänge.
Produktionsziele und Kapazitätsanpassungen
Neben der Entwicklung neuer Modellvarianten steht die Steigerung der bestehenden Fertigungszahlen im Fokus der Unternehmensführung. Airbus hat seine Zielvorgabe reorganisationssicher bestätigt, im Jahr 2026 rund 870 Verkehrsflugzeuge an Kunden zu übergeben. Dies entspricht einer Erhöhung der Auslieferungsmenge um rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2025.
Um die gestiegene Nachfrage im Segment der Großraumflugzeuge zu bedienen, prüft der Hersteller deutliche Kapazitätserweiterungen in der Endmontage der A350. Die Hochlaufkurve der Produktion bleibt jedoch von der Stabilität der weltweiten Lieferketten und der fristgerechten Zulieferung von Komponenten abhängig. Die Ausbalancierung zwischen den bestehenden Hochlaufzielen und der Entwicklung neuer Rumpfvarianten bildet eine zentrale Aufgabe für die operative Steuerung des Konzerns.