Airbus A220-300 (Foto: Steffen Lorenz).
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Airbus setzt auf alternativen Treibstoff für Flugzeugauslieferungen

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Die Luftfahrtindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Im Ringen um die technologische Fortentwicklung und die Anpassung an neue Marktbedingungen steht der Treibstoff der Zukunft im Mittelpunkt. Ein bedeutender Schritt wurde am 25. August 2025 mit der Auslieferung eines Airbus A220-300 an Air France markiert. Der Flug von Mirabel in Kanada nach Paris erfolgte mit einer Treibstoffmischung, die zu fünfzig Prozent aus einem alternativen, aus nachhaltigen Quellen gewonnenen Flugzeugtreibstoff, kurz SAF (Sustainable Aviation Fuel), bestand.

Das Flugzeug, das den Namen Vaison-la-Romaine trägt, ist die sechsundvierzigste Maschine dieses Typs in der Flotte von Air France. Diese Auslieferung ist mehr als nur ein Routinevorgang; sie symbolisiert eine fortschreitende Entwicklung in der Luftfahrt, bei der alternative Treibstoffe eine immer wichtigere Rolle spielen. Es war zugleich das erste Mal, daß der Airbus-Standort in Kanada solche Zertifizierungen direkt an einen Kunden ausgab.

Die Luftfahrtindustrie, die traditionell stark auf fossile Brennstoffe angewiesen ist, sondirt seit geraumer Zeit Wege, ihre Treibstoffabhängigkeit zu diversifizieren und die technologische Basis ihrer Flugzeugflotten zukunftsfähig zu gestalten. Airbus, einer der globalen Marktführer in der Flugzeugproduktion, hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2030 alle seine Modelle, einschließlich der Hubschrauber, für den Betrieb mit hundert Prozent SAF zu zertifizieren. Aktuell sind alle Maschinen bereits für den Betrieb mit einer fünfzigprozentigen Beimischung zugelassen.

Ein Meilenstein für die Branche

Die Nutzung von alternativen Treibstoffen bei Überführungsflügen ist ein klares Zeichen für das Engagement der Flugzeughersteller und Fluggesellschaften, neue Wege zu beschreiten. Der Flug von Mirabel nach Paris mit einer fünfzigprozentigen Mischung aus SAF und herkömmlichem Kerosin demonstrierte die technische Machbarkeit solcher Operationen auf einer Transatlantikroute. Laut Airbus führte diese Beimischung im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin zu einer deutlichen Reduktion der Emissionen.

Air France-KLM, eine der weltweit größten Abnehmergruppen für SAF, sieht in derartigen Projekten einen wesentlichen Hebel für die Modernisierung der Luftfahrt. Blaise Brigaud, leitender Vizepräsident für die Unternehmensstrategie der Air France-KLM-Gruppe, betonte, daß die Flottenerneuerung und der Einsatz von alternativem Treibstoff die beiden Hauptpfeiler der Modernisierung der Luftfahrt seien. Die direkte Auslieferung eines Flugzeugs mit SAF sei daher ein entscheidender Fortschritt. Die Gruppe beabsichtigt, ihre Bemühungen in diesem Bereich weiter zu verstärken, was auch die Partnerschaft mit Airbus einschließt.

Strategische Partnerschaften und interne Nutzung

Die Kooperation zwischen Herstellern und Fluggesellschaften ist von entscheidender Bedeutung, um die Nutzung alternativer Treibstoffe voranzutreiben. Airbus hat seit dem Jahre 2016 die Option zur SAF-Betankung bei Auslieferungsflügen eingeführt. Diese Möglichkeit steht mittlerweile an allen fünf Auslieferungszentren des Unternehmens zur Verfügung, darunter Toulouse, Hamburg, Mobile, Tianjin und nun auch Mirabel. Die Akzeptanz dieses Angebots ist hoch: Im ersten Halbjahr 2025 wurden achtundsiebzig Prozent der ausgelieferten Airbus-Maschinen mit einer SAF-Mischung überführt. Schon im Vorjahr betrug dieser Anteil fünfundsiebzig Prozent der insgesamt 766 ausgelieferten Flugzeuge.

Parallel zur Ausweitung des Angebotes für Kunden setzt Airbus auch verstärkt auf die interne Nutzung. Seit fast einem Jahrzehnt verwendet der Flugzeughersteller alternative Treibstoffe in seinen eigenen Operationen. Bis 2030 soll der Anteil des intern genutzten SAF auf mindestens dreißig Prozent steigen. Am Standort Mirabel, wo die A220 entwickelt und gefertigt wird, sollen in diesem Jahr rund 170.000 Liter reines SAF in Betriebsabläufen zum Einsatz kommen. Auch die Beluga-Transportflotte, die Flugzeugteile zwischen den Produktionsstätten befördert, nutzt seit dem Jahre 2019 alternative Kraftstoffe.

Das Engagement geht über die eigenen Operationen hinaus. Airbus arbeitet mit verschiedenen Fluggesellschaften zusammen, um die Verwendung von SAF in regulären Passagierflügen zu erproben und zu fördern. So wurden im Jahre 2022 mit dem Kooperationspartner Volotea die Shuttleflüge für Airbus-Mitarbeiter auf der Route Hamburg-Toulouse mit einer 34-prozentigen SAF-Mischung betrieben. Mit Air France-KLM besteht seit dem Jahre 2024 eine Vereinbarung, bei der Airbus für seine eigenen Geschäftsreisen auf fünf inner-europäischen Routen die Option für SAF-Tarife erworben hat. Jüngst, im Januar dieses Jahres, unterstützte das Unternehmen Wizz Air bei einem Testbetrieb auf dem Flughafen Charleroi, bei dem über fünfzig Flüge mit einer SAF-Mischung durchgeführt wurden. Diese Projekte dienen nicht nur der technischen Erprobung, sondern auch der Förderung des Bewußtseins für diese Treibstoffart.

Die Herausforderungen der Produktion und Logistik

Trotz der Fortschritte steht die Luftfahrtindustrie vor erheblichen Herausforderungen, um die breite Nutzung von SAF zu realisieren. Die Produktion des alternativen Treibstoffs ist aufwendig und im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin nach wie vor teuer. Die globale Produktionskapazität ist noch begrenzt, was die flächendeckende Verfügbarkeit einschränkt. Die Nachfrage seitens der Fluggesellschaften und anderer Akteure steigt jedoch stetig, und es sind massive Investitionen in die Produktionsanlagen erforderlich, um dem Bedarf gerecht zu werden. Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) prognostizierte in einem Bericht vom Oktober 2024, daß die weltweite Produktion von SAF bis zum Jahr 2030 vervierfacht werden müsse, um die angestrebten Ziele zu erreichen.

Die Logistik stellt eine weitere Hürde dar. Die Infrastruktur für die Lagerung und den Transport von SAF an Flughäfen ist noch im Aufbau. Die Tatsache, daß Airbus die direkte SAF-Auslieferung an seinen Standorten anbietet, ist ein wichtiger Schritt, um diese logistischen Engpässe zu überwinden und die Transparenz zu erhöhen. Ein weiterer Bericht der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) vom Mai 2025 zeigt auf, daß die fehlende Einheitlichkeit bei den Beimischungsquoten und der Herkunft der Rohstoffe eine Herausforderung darstellt.

Die Einführung neuer Technologien und Betriebsweisen in der Luftfahrt ist ein langwieriger Prozess, der die Zusammenarbeit von Herstellern, Fluggesellschaften, Regierungsbehörden und Treibstoffproduzenten erfordert. Die jüngste Auslieferung der A220 an Air France ist ein Zeichen dafür, daß diese Kooperationen Früchte tragen und die technologische Weiterentwicklung der Branche vorantreiben. Sie unterstreicht die Entschlossenheit der Akteure, trotz der komplexen und kostenintensiven Natur des Unterfangens den Wandel hin zu neuen Treibstoffarten zu gestalten und die Luftfahrt auf eine neue Grundlage zu stellen. Die Branche befindet sich am Anfang einer langen Reise, aber die jüngsten Erfolge zeigen, daß der eingeschlagene Weg gangbar ist.

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