Die Internationale Flug-Transport-Vereinigung (IATA) hat Ende Oktober 2025 erneut die Alarmglocken geläutet: Weltweit halten Regierungen beträchtliche Airline-Gelder in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar zurück, die eigentlich an die Fluggesellschaften zur Rückführung in deren Heimatmärkte überwiesen werden müssten. Diese Gelder stammen aus dem regulären Geschäftsbetrieb, insbesondere aus dem Verkauf von Tickets und Frachtleistungen. Obwohl sich die Situation seit dem letzten Bericht im April 2025 geringfügig um 100 Millionen US-Dollar verbessert hat, bleibt die Blockade ein massives Problem für die globale Luftfahrtbranche.
Die IATA sieht in dieser Praxis einen klaren Verstoß gegen internationale Verpflichtungen und bilaterale Luftverkehrsabkommen, die eine uneingeschränkte Rückführung von Einnahmen garantieren sollen. Ein überwältigender Anteil von 93 Prozent der blockierten Gelder, das entspricht 1,12 Milliarden US-Dollar, ist in Regionen Afrikas und des Nahen Ostens angesiedelt. Die Organisation fordert die betreffenden Regierungen nachdrücklich auf, alle Restriktionen aufzuheben und den Fluggesellschaften den uneingeschränkten Zugriff auf ihre hart erwirtschafteten US-Dollar-Einnahmen zu gewähren.
Die geografische Konzentration des Problems
Die Blockade der Airline-Gelder ist geografisch stark konzentriert, wobei zehn Länder für beinahe 90 Prozent der Gesamtsumme verantwortlich sind. Konkret machen zehn Staaten in Afrika, dem Nahen Osten und Südasien 89 Prozent der gesamten blockierten Gelder aus, was 1,08 Milliarden US-Dollar entspricht.
| Land | Betrag in Millionen US-Dollar |
| Algerien | 307 |
| XAF-Zone* | 179 |
| Libanon | 138 |
| Mosambik | 91 |
| Angola | 81 |
| Eritrea | 78 |
| Simbabwe | 67 |
| Äthiopien | 54 |
| Pakistan | 54 |
| Bangladesch | 32 |
*Die XAF-Zone umfasst Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, den Tschad, die Republik Kongo, Äquatorialguinea und Gabun.
Auffällig ist, dass Algerien in diesem Berichtszeitraum erstmals an die Spitze der Liste gerückt ist. Eine neue Genehmigungspflicht des dortigen Handelsministeriums hat die ohnehin schon komplexen Dokumentationsanforderungen für Fluggesellschaften zusätzlich erschwert, was zu einem deutlichen Anstieg der blockierten Summen geführt hat. Die IATA drängt die algerische Regierung, diese unnötigen Prozesse und Auflagen zu revidieren.
Im Bereich der XAF-Zone, die zentralafrikanische Staaten umfasst, ist eine leichte Entspannung der Lage zu verzeichnen, da die blockierten Gelder seit April 2025 von 191 Millionen US-Dollar auf 179 Millionen US-Dollar gesunken sind. Dennoch melden Fluggesellschaften weiterhin erhebliche Schwierigkeiten bei der Rückführung ihrer Passagier-Einnahmen. Die IATA appelliert in diesem Zusammenhang an die Zentralbank der Zentralafrikanischen Staaten (BEAC), den internen dreistufigen Validierungsprozess zu optimieren und die Bearbeitungszeiten zu verkürzen, um den Rückstau weiter abzubauen.
Ökonomische und politische Ursachen
Nach Einschätzung von Willie Walsh, dem Generaldirektor der IATA, sind politische und wirtschaftliche Instabilität die Hauptursachen für die Devisenbeschränkungen in Afrika und dem Nahen Osten, die zu dieser massiven Blockade führen. Die Länder ringen oft mit knappen Devisenreserven, und die Verteilung der verfügbaren Fremdwährungen wird zu einer schwierigen politischen Entscheidung.
Die Konsequenzen dieser Blockaden für die Fluggesellschaften sind erheblich. Walsh betonte, dass Fluggesellschaften verlässlichen Zugriff auf ihre US-Dollar-Einnahmen benötigen, um ihren laufenden Betrieb, ihre Rechnungen, die oft in US-Dollar beglichen werden müssen, und vor allem die Aufrechterhaltung wichtiger Flugverbindungen zu sichern. Angesichts der ohnehin geringen Gewinnmargen in der Luftfahrt und der hohen Kostenbelastung, insbesondere für Treibstoff, der in US-Dollar bezahlt wird, stellt die Zurückhaltung der Gelder eine existenzbedrohende Herausforderung dar.
Fluggesellschaften müssen regelmäßig hohe Ausgaben in Fremdwährung tätigen, beispielsweise für Leasingraten, Wartung von Flugzeugen, internationale Versicherungen oder die Abwicklung von Flügen an ausländischen Flughäfen. Wenn Einnahmen aus wichtigen Märkten in der jeweiligen Landeswährung blockiert werden und nicht in die benötigte harte Währung konvertiert werden können, geraten die Liquidität und die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen unter Druck.
Der Appell an die Regierungen
Die IATA macht deutlich, dass die Einhaltung der Verpflichtungen zur Rückführung nicht nur eine Frage der Vertragstreue ist, sondern auch im ureigenen Interesse der blockierenden Länder liegt. Flugverbindungen spielen eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche Dynamik, da sie Volkswirtschaften weltweit vernetzen, den Handel ankurbeln und den Zustrom von Investitionen sowie Reisenden erleichtern. Walsh argumentierte, dass die langfristigen Vorteile für Wirtschaft und Arbeitsplätze, die durch einen gesunden Luftverkehrssektor entstehen, die kurzfristige finanzielle Entlastung durch die Zurückhaltung der Devisen bei Weitem überwiegen.
Die Organisation fordert die Regierungen daher auf, der effizienten Rückführung von Airline-Geldern Priorität bei der Devisenverteilung einzuräumen, selbst in Zeiten knapper Devisenreserven. Das Blockieren der Gelder kann langfristig dazu führen, dass Fluggesellschaften ihre Kapazitäten in den betroffenen Märkten reduzieren oder im Extremfall die Strecken ganz einstellen, was die betroffenen Länder international isoliert und ihre wirtschaftliche Entwicklung hemmt.
Die Situation im Libanon, wo 138 Millionen US-Dollar blockiert sind, ist besonders prekär. Das Land leidet seit Jahren unter einer tiefgreifenden Finanz- und Wirtschaftskrise, die zu einer massiven Abwertung der Landeswährung und einem chronischen Mangel an Devisen geführt hat. Ähnliche Szenarien spielen sich in Simbabwe, Äthiopien, Mosambik und Angola ab, wo politische Instabilität und makroökonomische Schieflagen die Hauptgründe für die Devisenbeschränkungen sind.
Transparenz als Lösungsansatz
Um den Druck auf die Regierungen zu erhöhen und die Öffentlichkeit über die Entwicklungen zu informieren, hat die IATA eine spezielle Webseite eingerichtet. Dort werden vierteljährlich die Fortschritte bei der Freigabe der Gelder verfolgt, Hintergrundinformationen bereitgestellt und aktuelle Entwicklungen hervorgehoben. Diese Transparenzoffensive soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen der Blockade auf die internationale Konnektivität und die Wirtschaft der betroffenen Länder zu schärfen.
Die Forderung der IATA ist klar: Die Einhaltung der völkerrechtlichen Verpflichtungen ist essentiell, um die globale Luftverkehrslandschaft funktionsfähig zu halten und die wichtige Rolle der Fluggesellschaften als Katalysatoren für den internationalen Handel und Austausch zu sichern. Die fortlaufende Blockade von Geldern stellt nicht nur eine Belastung für die Airlines dar, sondern gefährdet auch die Konnektivität und die wirtschaftlichen Perspektiven jener Staaten, die diese Politik verfolgen. Die Verbesserung um 100 Millionen US-Dollar ist ein kleiner Lichtblick, aber die verbleibenden 1,2 Milliarden US-Dollar erfordern eine dringende und entschlossene Reaktion der verantwortlichen Regierungen.