Die türkische Billigfluggesellschaft AJet hat ihr Streckennetz ab dem Flughafen Köln/Bonn ausgebaut und eine Direktverbindung in die zentralanatolische Stadt Sivas eingerichtet. Die Tochtergesellschaft von Turkish Airlines bedient die Route einmal pro Woche, jeweils am Mittwoch, mit einer Flugzeit von rund vier Stunden.
Laut der Flughafen Köln/Bonn GmbH handelt es sich hierbei um die derzeit einzige Nonstop-Verbindung zwischen einem deutschen Verkehrsflughafen und der über 630.000 Einwohner zählenden türkischen Großstadt. Für den Flughafen in Sivas stellt die Route zudem die einzige regelmäßige internationale Flugverbindung dar, da der dortige Verkehr sonst primär auf das nationale Drehkreuz in Istanbul ausgerichtet ist.
Branchenanalysten ordnen das neue Angebot vor allem im Segment des sogenannten ethnischen Verkehrs ein. Die Verbindung zielt primär auf Reisende ab, die familiäre Kontakte in der Region Zentralanatolien pflegen. Thilo Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH, betonte die Bedeutung solcher Nischenverbindungen für das regionale Einzugsgebiet in Nordrhein-Westfalen, das eine hohe Anzahl an Menschen mit türkischen Wurzeln aufweist. AJet, die im Jahr 2024 aus der vormaligen Regionalmarke Anadolujet hervorging und seither als eigenständige Low-Cost-Airline mit einer Flotte von rund 100 Flugzeugen operiert, versucht mit solchen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, Marktanteile abseits der klassischen touristischen Badeorte an der Riviera zu sichern.
Kritische Luftfahrtexperten verweisen jedoch auf die operativen Risiken von Flugverbindungen mit einer extrem geringen Frequenz von nur einem Umlauf pro Woche. Für Passagiere bedeutet dies bei Flugausfällen oder gravierenden Verspätungen erhebliche Wartezeiten, da keine kurzfristigen Ausweichflüge auf derselben Strecke zur Verfügung stehen. Zudem steht AJet seit dem eigenständigen Markenstart unter erheblichem Druck, die Pünktlichkeitswerte und den Kundenservice zu stabilisieren, nachdem die Airline in den ersten Betriebsmonaten, insbesondere während der sommerlichen Hauptreisezeiten, mit massiven operativen Problemen, Flugstreichungen und Gepäckverzögerungen an den türkischen Drehkreuzen konfrontiert war.
Wirtschaftlich hängt der Erfolg der neuen Route maßgeblich von der saisonalen Auslastung während der Ferienmonate ab. Während der Wintermonate sinkt die Nachfrage auf anatolischen Regionalstrecken erfahrungsgemäß drastisch, weshalb Fluggesellschaften in diesem Segment oft gezwungen sind, Kapazitäten anzupassen oder Verbindungen zeitweise komplett einzustellen. Ob sich die Fluglinie dauerhaft auf dem Markt behaupten kann, wird sich an der Bereitschaft der Passagiere zeigen, die Tarife der Billigfluggesellschaft auch außerhalb der Hauptsaison zu buchen, um den aufwendigeren Umweg über die Großflughäfen in Istanbul oder Ankara zu vermeiden.