Die türkische Billigfluggesellschaft AJet, eine Tochtergesellschaft von Turkish Airlines, forciert ihren strategischen Flottenausbau und strebt eine deutlich größere Eigenständigkeit im Flugbetrieb an. Das Unternehmen hat separate Leasingverträge mit den Luftfahrtleasinggesellschaften Avolon und Carlyle Aviation Partners über insgesamt 14 Flugzeuge des Typs Airbus A321-200neo unterzeichnet.
Diese Schmalrumpfflugzeuge sollen planmäßig in den Jahren 2026 und 2027 ausgeliefert werden. Die Entscheidung für diese umfangreiche Trockenmietung spiegelt den strategischen Plan von AJet wider, die Abhängigkeit von kurzfristig angemieteter Kapazität, insbesondere im Rahmen von ACMI-Verträgen (Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance), zu reduzieren. Dies ist eine direkte Reaktion auf technische und wartungsbedingte Probleme, mit denen AJet im vergangenen Jahr bei Wet-Lease-Flugzeugen konfrontiert war, und soll die operative Stabilität der Fluggesellschaft langfristig sichern.
Strategische Wende: Eigenes Wachstum statt Fremdbeschaffung
Die Beschaffung von 14 weiteren Airbus A321neo-Flugzeugen im Rahmen von Trockenmietverträgen stellt eine signifikante Investition in die eigene Flotte von AJet dar. Während die genaue Triebwerksoption für die neuen Jets bisher nicht bekanntgegeben wurde, ist die Entscheidung an sich von großer Bedeutung für die zukünftige Ausrichtung der Fluggesellschaft. AJet hatte bereits zuvor Pläne bekanntgegeben, die Abhängigkeit von extern angemieteten Kapazitäten, insbesondere von ACMI-Verträgen, zu verringern. Solche Verträge, bei denen Flugzeuge inklusive Besatzung, Wartung und Versicherung angemietet werden, sind zwar flexibel, können aber auch zu operativen Problemen führen, wenn die Qualität oder Verfügbarkeit der angemieteten Maschinen nicht den Erwartungen entspricht. AJet hatte im Jahre 2024 genau solche technischen und wartungsbedingten Schwierigkeiten mit Wet-Lease-Flugzeugen, was die Notwendigkeit einer stärkeren Eigenflotte unterstrich.
Durch den Ausbau der eigenen Flotte strebt AJet eine höhere Kontrolle über den Flugbetrieb, eine verbesserte Zuverlässigkeit und letztlich eine Steigerung der Kundenzufriedenheit an. Eigene Flugzeuge ermöglichen es einer Airline, Wartungspläne besser zu steuern, Personal optimal einzusetzen und eine konsistentere Servicequalität zu gewährleisten. Dies ist besonders wichtig für einen Billigfluganbieter wie AJet, bei dem Effizienz und geringe Ausfallzeiten entscheidend für den Geschäftserfolg sind. Die Investition in moderne A321neo-Flugzeuge, die für ihre Treibstoffeffizienz und größere Reichweite bekannt sind, unterstützt zudem die langfristigen Wachstumsziele der Fluggesellschaft.
Die aktuelle Flotte und die Ambitionen der Eigenständigkeit
Die derzeitige Flottenzusammensetzung von AJet spiegelt noch immer eine starke Abhängigkeit von externen und der Muttergesellschaft Turkish Airlines gehörenden Kapazitäten wider. Laut dem ch-aviation Commercial Aviation Aircraft Data Modul umfaßt die eigene Flotte von AJet derzeit fünf Airbus A320-200, einen Airbus A320-200Neo und fünfzehn Boeing 737-800. Dies ist eine vergleichsweise kleine Eigenflotte für eine Fluggesellschaft mit den Ambitionen von AJet.
Ein wesentlicher Teil des Flugbetriebs von AJet wird derzeit noch von der Muttergesellschaft Turkish Airlines abgewickelt. Turkish Airlines betreibt zusätzlich 58 Flugzeuge für AJet. Dazu gehören ein Airbus A320-200, sieben Airbus A320-200Neo, dreizehn Airbus A321-200NX, sieben Boeing 737-8 und dreißig Boeing 737-800. AJet verfolgt das klare Ziel, diese Flugzeuge entweder in die eigene Flotte zu übernehmen oder die Wet-Lease-Vereinbarungen mit der Muttergesellschaft vollständig zu beenden. Dieser Schritt würde die operative und strategische Eigenständigkeit von AJet erheblich stärken und das Unternehmen als eigenständigen Billigfluganbieter im Markt etablieren.
Zusätzlich zu den Kapazitäten von Turkish Airlines mietet AJet derzeit dreizehn weitere Jets im Wet-Lease von externen Anbietern an. Diese umfassen hauptsächlich Airbus A321-200 und Boeing 737-8 Flugzeuge von Unternehmen wie BBN Airlines Türkiye, SmartLynx Airlines und SmartLynx Airlines Malta. Die Reduzierung dieser externen ACMI-Abhängigkeiten ist ein zentrales Element der Strategie von AJet, um die Kontrolle über ihren Flugbetrieb zu maximieren und die Kostenstruktur zu optimieren. Solche ACMI-Verträge sind in der Regel teurer als der Betrieb einer eigenen Flotte und bieten weniger Flexibilität. Die geplante Integration der neuen A321neo-Flugzeuge wird es AJet ermöglichen, einen Großteil dieser externen Kapazitäten zu ersetzen und somit eine robustere und effizientere Betriebsstruktur zu schaffen.
AJet im Kontext des türkischen Luftverkehrsmarktes
Die strategische Neuausrichtung von AJet ist auch im breiteren Kontext des dynamischen türkischen Luftverkehrsmarktes zu sehen. Die Türkei hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Luftfahrtdrehkreuz entwickelt, und Turkish Airlines ist eine der größten und am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften weltweit. Die Etablierung von AJet als eigenständige Billigflugmarke ist eine Antwort auf die wachsende Nachfrage nach kostengünstigen Flugreisen und den zunehmenden Wettbewerb in diesem Segment. Durch den Ausbau der eigenen Flotte und die Verringerung der Abhängigkeit von externen Anbietern positioniert sich AJet, um in diesem hart umkämpften Markt erfolgreich zu sein und eine führende Rolle im Billigflugsegment in der Türkei und der Region zu übernehmen.
Die Investitionen in moderne Flugzeuge wie den Airbus A321neo zeigen auch das Vertrauen von AJet in das zukünftige Wachstum des Luftverkehrs und die Fähigkeit, neue Märkte zu erschließen. Die A321neo-Variante ist besonders attraktiv für Billigfluggesellschaften, da sie eine hohe Sitzplatzkapazität mit guter Treibstoffeffizienz kombiniert, was zu niedrigeren Betriebskosten pro Sitzplatz führt. Dies ist entscheidend für das Geschäftsmodell von AJet. Der Weg zur vollständigen Eigenständigkeit und die Integration der neuen Flugzeuge werden für AJet eine große operative Herausforderung darstellen, aber auch die Möglichkeit bieten, sich als eine der führenden Billigfluggesellschaften in der Region zu etablieren.