Airbus A330-900 (Foto: N509FZ).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Alarmierende Vorfälle: Delta Air Lines kämpft mit wiederholten Rauch- und Geruchsproblemen in der Kabine

Werbung

Ein Flug von Delta Air Lines von London Heathrow nach Boston musste am Sonntag, den 5. Oktober 2025, kurz nach dem Start umkehren, nachdem die Piloten Rauch und Dämpfe im Cockpit gemeldet hatten. Flug 59, durchgeführt mit einem Airbus A330-900 mit 259 Passagieren an Bord, kehrte etwa anderthalb Stunden nach dem Abflug sicher nach London zurück. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Kette ähnlicher Ereignisse bei der US-amerikanischen Fluggesellschaft ein, die in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat und sowohl die A330-Großraumflugzeuge als auch andere Modelle der Flotte betrifft.

Die wiederholten Berichte über das Eindringen von potenziell toxischen Dämpfen in die Cockpits und Passagierkabinen haben die betriebliche Sicherheit der Fluggesellschaft und die Gesundheit der Besatzungen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Die Probleme scheinen mit dem Luftversorgungssystem der Flugzeuge zusammenzuhängen, das als Zapfluftsystem bekannt ist. Bei dem jüngsten Vorfall musste die Besatzung Sauerstoffmasken anlegen, um die Dämpfe zu neutralisieren. Die Entwicklungen legen nahe, dass die Probleme über einzelne Flugzeugtypen hinausgehen und möglicherweise auf strukturelle Schwachstellen in der Wartung oder dem Design bestimmter Komponenten hindeuten.

Notlandung in London: Dämpfe zwingen Flug 59 zur Umkehr

Der Airbus A330-900 mit der Sonderlackierung „Team USA“ startete gegen 10:00 Uhr Ortszeit in London. Das Flugzeug erreichte planmäßig die Reiseflughöhe von Fuß (rund Meter) westlich der Küste Cornwalls, als die Piloten nach Berichten mit Geruchs- und Rauchproblemen konfrontiert wurden. Angesichts der Beeinträchtigung im Cockpit entschieden sich die Flugkapitäne für eine sofortige Rückkehr zum Londoner Flughafen Heathrow.

Die Piloten verzichteten darauf, Treibstoff abzulassen, was bei einem Flugzeug dieses Typs üblich wäre, um das Landegewicht zu reduzieren. Stattdessen absolvierten sie eine sogenannte Schwerlandung auf der Landebahn um 11:33 Uhr Ortszeit, etwa 90 Minuten nach dem Start. Nach der Landung wurde das Flugzeug vorsorglich von Flughafen-Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen umstellt, bevor die Passagiere sicher über Busse zum Terminal gebracht werden konnten.

Delta Air Lines entschuldigte sich in einer Stellungnahme für die Verzögerung, betonte jedoch, dass die Sicherheit von Kunden und Besatzung stets oberste Priorität habe. Der Flug wurde auf den folgenden Tag verschoben, und die Fluggesellschaft unterstützte die Passagiere bei der Unterbringung und Umbuchung. Der Vorfall in London ist der jüngste in einer Reihe von Zwischenfällen, die die Delta-Flotte betreffen.

Die Häufung von Vorfällen in der Delta-Flotte

Der Vorfall auf Flug 59 ist keine Anomalie in der jüngsten Betriebsgeschichte von Delta Air Lines. Das Unternehmen scheint besonders von Berichten über das Auftreten von Dämpfen in Cockpit und Kabine betroffen zu sein. Obwohl die A330-900-Großraumflugzeuge von Delta mit einem Durchschnittsalter von nur Jahren zu den neuesten Flugzeugen der Flotte gehören, gab es in den letzten zwei Jahren mehrere dokumentierte Abweichungen mit dieser Modellreihe:

  • 12. September 2024 (New York jfk – London Heathrow): Dämpfe in der Kabine, Rückkehr nach jfk, Notwendigkeit medizinischer Hilfe für einen Passagier.
  • 7. August 2024 (Boston – Paris): Dämpfe führten zu Unwohlsein bei mehreren Besatzungsmitgliedern. Rückkehr nach Boston, wobei der Kapitän, der Erste Offizier und fünf Flugbegleiter im Krankenhaus behandelt werden mussten.
  • 1. Januar 2024 (Rom – Boston): Dämpfe auf Reiseflughöhe, Notlandung in Shannon (Irland), Flug gestrichen.

Das Problem beschränkt sich nicht auf die A330-900. Im Jahr 2025 wurden weitere Zwischenfälle in der gesamten Flotte gemelzt:

  • Februar: Eine Boeing 717 musste nach dem Start in Atlanta umkehren, da dicker, rauchiger Qualm die Kabine füllte. Feuerwehrleute berichteten von einer „enormen Menge Rauch“ beim Öffnen der Cockpittür.
  • Februar: Auf einem Flug Amsterdam – Detroit wurde eine Airbus A330-300 wegen Dämpfen, die mehrere Flugbegleiter beeinträchtigten, nach Dublin umgeleitet.
  • Juni: Eine Boeing 757 musste auf dem Weg von Atlanta nach Orlando wegen Rauchs im Cockpit nach Jacksonville umgeleitet werden.
  • August: Eine von Republic Airways betriebene Embraer A175 meldete Dämpfe und rauchigen Geruch und landete vorsorglich in Raleigh-Durham.

Technischer Hintergrund: Die Rolle der Zapfluft und der Hilfstriebwerke

Experten bringen die Geruchsprobleme, die von Besatzungen oft als „metallisch“ oder nach „schmutzigen Socken“ riechend beschrieben werden, mit dem Zapfluftsystem (bleed-air system) der Flugzeuge in Verbindung. Dieses System leitet Frischluft von den Haupttriebwerken oder dem Hilfstriebwerk (auxiliary power unit, apu) in die Kabine und das Cockpit, nachdem die Luft durch eine Klimaanlage geleitet wurde.

Das Problem tritt auf, wenn Dichtungen entweder in den Haupttriebwerken oder im apu versagen. Dabei können Motoröl, Hydraulikflüssigkeiten oder andere potenziell schädliche Partikel in die Zapfluft und damit in den Kabinenluftkreislauf gelangen. Die Berichte über das dramatische Ansteigen der Häufigkeit solcher Vorfälle, wie das Wall Street Journal kürzlich berichtete, wecken Besorgnis in der Branche.

Interessanterweise befasst sich Delta Air Lines bereits aktiv mit einem ähnlichen Problem in einem anderen Teil ihrer Flotte: Derzeit tauscht das Unternehmen die apus von mehr als 300 Flugzeugen der Airbus A320-Familie aus, um bekannte Probleme mit toxischen Dämpfen zu beheben, die mit diesen Hilfstriebwerken zusammenhängen.

Der apu-Markt für die A320- und A330-Familien wird weitgehend von Honeywell dominiert. Berichten zufolge sind dem Hersteller seit über zwei Jahrzehnten Probleme bekannt, die auf undichte Lastdruckdichtungen in den apus zurückzuführen sind und zu solchen Rauchentwicklungen führen können. Die Vermutung liegt nahe, dass die Vorfälle auf den A330-900s der Airline, wie auf Flug 59, mit einem ähnlichen Problem im dort verbauten Hilfstriebwerk zusammenhängen könnten.

Die Risiken für das Flugpersonal: Unwohlsein und neurologische Folgen

Über den bloßen Betriebsausfall und die finanziellen Folgen der Umleitungen hinaus sind die gesundheitlichen Risiken für Passagiere und insbesondere für das Flugpersonal ein zentrales Thema. Die Symptome der Belastung reichen von üblen Gerüchen und allgemeinem Unwohlsein bis hin zu ernsthaften neurologischen und respiratorischen Beeinträchtigungen.

Ein bekannter Neurologe, Robert Kaniecki, der sich intensiv mit diesen Fällen beschäftigt, warnt davor, dass die in den Dämpfen enthaltenen Toxine Hirnverletzungen und dauerhafte Schäden am peripheren Nervensystem verursachen können. Kaniecki hat in den letzten Jahren über ein Dutzend Piloten und mehr als 100 Flugbegleiter behandelt, deren Hirnverletzungen auf die Exposition gegenüber Dämpfen an Bord von Flugzeugen zurückzuführen sind. Er beschreibt die Verletzungen als ähnlich den traumatischen Schäden, die beispielsweise Fußballspieler bei harten Zusammenstößen erleiden. Diese medizinischen Berichte unterstreichen die dringende Notwendigkeit für die Fluggesellschaften und Flugzeughersteller, die Ursachen der wiederkehrenden Geruchsprobleme eindeutig zu identifizieren und dauerhaft zu beheben.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung