Symbolfoto NTSB (Foto: NTSB).
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Alaska-737-Max-Vorfall: NTSB-Anhörung soll Licht ins Dunkel bringen

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Das National Transportation Safety Board (NTSB), die unabhängige US-amerikanische Behörde, die für die Untersuchung von Unfällen im Transportwesen zuständig ist, hat nun einen konkreten Termin für eine öffentliche Anhörung im Rahmen ihrer laufenden, komplexen Untersuchung des beunruhigenden Vorfalls festgelegt, bei dem sich eine sogenannte „plug door“, eine Art Türverkleidung, kurz nach dem Start einer Boeing 737 MAX 9 der Alaska Airlines vom Portland International Airport (PDX) in Oregon löste. Dieser Zwischenfall hatte nicht nur zu einer sofortigen Notlandung geführt, sondern auch eine Welle der Besorgnis in der Luftfahrtindustrie und bei Reisenden weltweit ausgelöst.

Wie die renommierte Nachrichtenagentur Reuters am 2. Juni 2025 detailliert berichtete, gab das NTSB offiziell bekannt, daß am 24. Juni 2025 eine öffentliche Anhörung zu diesem brisanten Fall stattfinden wird. Das primäre Ziel dieser mit Spannung erwarteten Anhörung ist es, durch die Befragung von Experten, Zeugen und beteiligten Parteien weitere entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen, um die exakten Umstände und die letztendlichen, zugrundeliegenden Ursachen für die unerwartete und gefährliche Abtrennung der Türverkleidung vom Flugzeugrumpf präzise zu ermitteln.

Der beängstigende Zwischenfall ereignete sich am frühen Abend des 5. Januar 2024. An Bord des Alaska Airlines Fluges 1282, der sich auf dem Weg von Portland nach Ontario, Kalifornien, befand, befanden sich zu diesem Zeitpunkt insgesamt 171 Passagiere, darunter viele Urlaubsreisende, sowie eine sechsköpfige Besatzung. Als das relativ neue Flugzeug, eine Boeing 737 MAX 9, eine Flughöhe von etwa 16.000 Fuß (umgerechnet rund 4.900 Meter) erreicht hatte, ereignete sich das Unglaubliche: Ein komplettes Fensterelement samt der umgebenden Rumpfverkleidung, die als „plug door“ bezeichnet wird und an dieser Stelle einen optionalen Notausgang verschließt, löste sich mit einem lauten Knall abrupt vom Rumpf des Flugzeugs.

Die Piloten reagierten in dieser extremen Notfallsituation geistesgegenwärtig und leiteten umgehend eine dringende Notlandung zurück zum Startflughafen Portland ein. Während des rapiden und unkontrollierten Druckabfalls in der Kabine wurden lose Gegenstände auf dramatische Weise ins Freie gesaugt. Augenzeugenberichte schilderten, wie Mobiltelefone von Passagieren und sogar das T-Shirt eines unglücklichen Kindes aus der Kabine gerissen wurden, was die potenziell lebensbedrohliche Natur dieses Zwischenfalls auf erschreckende Weise verdeutlichte. Glücklicherweise wurde bei dem Vorfall niemand schwer verletzt.

In den unmittelbaren Tagen nach diesem alarmierenden Ereignis reagierte die Federal Aviation Administration (FAA), die oberste US-amerikanische Luftfahrtbehörde, mit einer prompten und weitreichenden Sicherheitsmaßnahme. Die FAA ordnete die sofortige Grounding (das vorübergehende Flugverbot) von insgesamt 171 Flugzeugen des Typs Boeing 737 MAX 9 an, um umfassende und detaillierte Sicherheitsüberprüfungen an diesen Maschinen durchführen zu können. Von dieser Maßnahme waren auch 65 Jets der Fluggesellschaft Alaska Airlines betroffen, die eine beträchtliche Anzahl dieses Flugzeugtyps in ihrer Flotte betreibt.

Vorläufige NTSB-Ermittlungen deuten auf das Fehlen kritischer Befestigungsbolzen hin – Mögliche Produktionsmängel im Fokus

Obwohl die exakte und abschließende Ursache für die beunruhigende Abtrennung der Türverkleidung zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht zweifelsfrei geklärt ist, veröffentlichte das NTSB bereits einen ersten, vorläufigen Untersuchungsbericht. Dieser vorläufige Bericht enthielt brisante Details und deutete stark darauf hin, daß möglicherweise schwerwiegende Mängel bei der Montage der betroffenen Türverkleidung vorlagen. Demnach deuten die ersten Erkenntnisse der Ermittler darauf hin, daß vier entscheidende Bolzen fehlten, die konstruktionsbedingt dazu dienen sollen, die sogenannte „plug door“ sicher und fest an ihrem vorgesehenen Platz im Flugzeugrumpf zu halten.

In der prägnanten Formulierung des NTSB aus dem im Februar 2024 veröffentlichten vorläufigen Untersuchungsbericht hieß es: „Vier Bolzen, die eine Aufwärtsbewegung des mittleren Notausgangs-Türstopfens verhindern sollen, fehlten, bevor sich der mittlere Notausgangs-Türstopfen von den Anschlagplatten nach oben bewegte.“ Diese Feststellung deutet unmißverständlich darauf hin, daß das Fehlen dieser kritischen Befestigungselemente möglicherweise die direkte Ursache für das Versagen der Struktur und die nachfolgende Abtrennung während des Fluges gewesen sein könnte.

Dieser schwerwiegende Zwischenfall und die unmittelbar darauf folgende, intensive und kritische Überprüfung der internen Qualitätssicherungsverfahren beim Flugzeugbauer Boeing während der Produktionsphase stürzten den traditionsreichen und renommierten Flugzeughersteller in eine Phase erheblicher Verunsicherung, interner Umstrukturierungen und eines spürbaren Vertrauensverlusts in der gesamten Luftfahrtindustrie.

Die FAA reagierte auf die offenkundigen Mängel in den Produktionsprozessen mit der Verhängung von Beschränkungen der maximal zulässigen monatlichen Produktionsrate für Boeing-Flugzeuge. Bis zum heutigen Tag unterliegt das Unternehmen einer verstärkten und engmaschigen Aufsicht durch die US-amerikanische Luftfahrtbehörde, um sicherzustellen, daß die notwendigen und geforderten Verbesserungen in den internen Produktionsabläufen und den Qualitätssicherungsmaßnahmen tatsächlich und nachhaltig umgesetzt werden.

Als eine direkte Reaktion auf die entstandene Krise und in dem erklärten Bestreben, das verloren gegangene Vertrauen der zahlreichen Fluggesellschaftskunden von Boeing sowie der besorgten Passagiere wiederzugewinnen, wurde der damalige CEO des Unternehmens, Dave Calhoun, durch Kelly Ortberg ersetzt. Dieser personelle Wechsel an der Spitze des Unternehmens wurde von vielen Beobachtern als ein notwendiger Schritt hin zu einem dringend benötigten Neuanfang und als ein deutliches Signal für das unbedingte Engagement von Boeing für höchste Sicherheitsstandards und eine kompromißlose Qualität in allen Produktionsbereichen interpretiert.

Der ehemalige FAA-Administrator Mike Whitaker äußerte sich bereits im Januar 2025 nachdrücklich zu den seiner Ansicht nach zwingend notwendigen Veränderungen innerhalb des Boeing-Konzerns: „Was wir bei Boeing dringend benötigen, ist ein fundamentaler und tiefgreifender Kulturwandel, der die Aspekte Sicherheit und Qualität über alle rein profitorientierten Interessen stellt. Dies wird einen nachhaltigen, kontinuierlichen Einsatz und ein unerschütterliches Engagement seitens Boeing erfordern, ebenso wie eine unnachgiebige und kritische Überprüfung unsererseits als Aufsichtsbehörde.“ Die nun vom NTSB anberaumte öffentliche Anhörung verspricht, weitere entscheidende Erkenntnisse im Hinblick auf die genauen Umstände und die letztendlichen Verantwortlichkeiten für diesen besorgniserregenden Zwischenfall zu liefern und somit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Hintergründe zu leisten.

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