Ein Vorfall in einem Luxushotel auf den afrikanischen Kapverden hat zu einer disziplinarischen Untersuchung bei der Fluggesellschaft Easyjet geführt. Berichten zufolge soll sich ein Pilot der Airline nach einem Flug von Großbritannien nach Sal in den frühen Morgenstunden des 5. August 2025 in stark angetrunkenem Zustand und unangezogen in der Hotelanlage aufgehalten haben.
Augenzeugen, darunter Passagiere, meldeten den Vorfall, woraufhin Easyjet den Piloten umgehend suspendierte. Das Geschehen wirft ein Schlaglicht auf die strengen Verhaltensregeln für Flugpersonal und die branchenweite Problematik von Alkoholkonsum, die in der Vergangenheit bereits zu ähnlichen Zwischenfällen bei anderen Fluggesellschaften geführt hat.
Der Vorfall in der Hotelanlage: Eine Nacht endet in der Suspendierung
Der Pilot, dessen Identität von der Fluggesellschaft nicht bekanntgegeben wurde, war am Montag, dem 4. August, von Großbritannien auf die Kapverden geflogen. Er sollte am Mittwoch derselben Woche einen Rückflug antreten. Seine Pläne wurden jedoch durch einen Vorfall in der Nacht von Montag auf Dienstag durchkreuzt. Berichten britischer Medien, wie The Independent und The Sun, zufolge hatte der Pilot nach der Ankunft in seiner Unterkunft, dem Melia Dunas Beach Resort and Spa auf der Insel Sal, eine Nacht mit intensivem Alkoholkonsum verbracht.
Gegen 02:30 Uhr morgens soll er sich in stark angetrunkenem Zustand ausgezogen und durch die Empfangshalle, den Fitnessraum und den Spa-Bereich der Hotelanlage gewandelt haben. Die Situation nahm eine Wende, als er von Passagieren, die ebenfalls im Hotel untergebracht waren, erkannt wurde. Die Reisenden kontaktierten daraufhin die Fluggesellschaft Easyjet, um den Vorfall zu melden.
Easyjet reagierte umgehend und zog den Piloten von seinem Dienst ab. In einer Stellungnahme erklärte die Fluggesellschaft, daß der Pilot „gemäß unseren Vorschriften und vorbehaltlich einer Untersuchung unverzüglich vom Dienst freigestellt“ wurde. Das Unternehmen betonte, daß die Sicherheit der Passagiere und der Besatzung „höchste Priorität“ habe. Solche Vorfälle werden von Fluggesellschaften äußerst ernst genommen, da sie das Vertrauen in die Professionalität und Zuverlässigkeit der Crew untergraben und potenziell die Flugsicherheit gefährden können.
Kap Verde als strategischer Markt für Easyjet
Die Kapverden sind für Easyjet ein wichtiger und wachsender Markt. Die Fluggesellschaft, die sich hauptsächlich auf innereuropäische Verbindungen konzentriert, hat ihre internationalen Aktivitäten auf die benachbarten Kontinente ausgeweitet. Flüge auf die Insel Sal, die vom internationalen Flughafen Amílcar Cabral (SID) bedient wird, werden von drei europäischen Basen aus angeboten:
- Von Lissabon (LIS) aus gibt es im August 17 Hin- und Rückflüge.
- Von Porto (OPO) aus werden acht Flüge angeboten.
- Von London Gatwick (LGW) aus sind es 13 Rotationen im August 2025.
Der betrunkene Pilot war auf der Route von London Gatwick nach Sal im Einsatz, die zu den wichtigeren Verbindungen der Airline gehört. Laut aktuellen Flugdaten der Analytik-Firma Cirium werden alle diese Flüge mit Airbus A320-Flugzeugen durchgeführt. Zudem plant Easyjet, sein Netzwerk in diesem Winter weiter auszubauen, mit neuen Direktflügen von Manchester (MAN) und Mailand Malpensa (MXP) nach Sal, was die strategische Bedeutung der Inselgruppe für die Airline unterstreicht.
Alkoholprobleme bei Piloten: Ein wiederkehrendes Sicherheitsthema
Der Vorfall in Kap Verde ist leider kein Einzelfall und wirft die Frage nach der branchenweiten Handhabung von Alkoholkonsum durch Flugpersonal auf. Obwohl alle Airlines strenge Richtlinien haben, die es Piloten verbieten, innerhalb einer bestimmten Zeitspanne vor dem Flug Alkohol zu trinken, kommt es immer wieder zu Verstößen. Solche Vorfälle machen deutlich, wie wichtig es ist, diese Regeln strikt durchzusetzen und die Besatzung zu sensibilisieren.
Einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit verdeutlichen die Problematik:
- Im Dezember 2018 erhielt die japanische Fluggesellschaft Japan Airlines eine offizielle Verwarnung, nachdem mehrere Vorfälle mit alkoholisierten Piloten bekannt wurden.
- Im April 2024 mußte die gleiche Fluggesellschaft einen Flug von Dallas nach Tokio annullieren, nachdem der Kapitän in seinem Hotel betrunken aufgefallen war. Dies führte zu einer polizeilichen Verwarnung.
- Ein weiterer bemerkenswerter Fall ereignete sich im Juni 2023, als ein Delta Air Lines-Pilot in Edinburgh betrunken zum Dienst erschien. Er sollte einen Flug nach New York antreten. Dieser Vorfall führte zu einer Verurteilung zu zehn Monaten Gefängnis.
Die Sicherheitsvorschriften der Luftfahrtbehörden, wie etwa die amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) und die europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA), sehen strenge Regeln vor. Beispielsweise ist in der Regel ein Zeitrahmen von mindestens acht Stunden zwischen dem letzten Alkoholkonsum und dem Dienstantritt vorgeschrieben. Dieser Zeitraum wird oft als „bottle to throttle“ bezeichnet. Dennoch zeigen die Vorfälle, daß die Problematik weiterhin besteht und eine kontinuierliche Überwachung und Sensibilisierung des Personals notwendig ist. Der Vorfall in Kap Verde wird für den Easyjet-Piloten voraussichtlich nicht nur berufliche Konsequenzen, sondern auch schwerwiegende rechtliche Folgen haben.