Vor wenigen Tagen sorgte die Ankündigung, dass es in diesem Jahr erstmals einen All-you-can-eat-Weihnachtsmarkt in Wien geben wird, für mediales Aufsehen. Zahlreiche Medien kündigten die Attraktion an, jedoch erwartet die Besucher vor Ort kein klassischer Weihnachtsmarkt wie beispielsweise vor dem Wiener Rathaus oder dem Schloss Schönbrunn.
Seit 20. November 2025 und noch bis 6. Jänner 2025 wartet auf dem Areal des im Wiener Prater angesiedelten Lokals „Der Garten“ der eigenen Angaben nach erste All-Inclusive-Weihnachtsmarkt der österreichischen Bundeshauptstadt. Da diese für zahlreiche traditionelle Weihnachtsmärkte bekannt ist, sind die Erwartungen hoch. Die All-you-can-eat-Pauschale lockt sicherlich auch Personen an, die sehr genau wissen, dass Punsch, Glühwein, Langos und Co Jahr für Jahr teurer werden.
Sechs Stände
„Günstig“ ist der Besuch des All-you-can-eat-Weihnachtsmarkts allerdings nicht. Bis zu 45,90 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr können pro Erwachsenem anfallen. Bei Onlinebuchung muss ein Timeslot gebucht werden. Dieser dauert 2,5 Stunden. Während dieser Zeit können sämtliche Getränke und Speisen, ausgenommen jene, die deutlich als nicht inkludiert gekennzeichnet sind, nach dem Motto All-you-can-eat bzw. All-you-can-drink konsumiert werden. So oft man möchte kann man sich an den Ständen Nachschub holen.
Und genau das ist auch das Thema, denn es gibt lediglich sechs Stände, die kreisrund angeordnet sind. Es sind auch keine Händler, die zum Beispiel Christbaumkugeln und sonstiges Dekorationsmaterial zum Kauf anbieten, vertreten. Viel mehr erinnert dieser so genannte Weihnachtsmarkt an eine Art kleines Streetfood-Festival mit dem Unterschied, dass eine Pauschale bezahlt wird und dann All you can Eat gilt.
Die Auswahl der Speisen und Getränke ist nicht übermäßig groß, jedoch fällt auf, dass für Weihnachtsmärkte eher untypische Produkte wie Burger, Hotdogs und Co angeboten werden. Dem Veranstalter kann aber in diesem Punkt überhaupt kein Vorwurf gemacht werden, denn auf der Homepage wird transparent darüber informiert was es zu Essen und Trinken gibt. Somit können sich die Besucher bereits im Vorfeld informieren, ob ihnen das Angebot zusagt oder eben nicht.
Die Portionen, die an den Ständen ausgegeben werden, sind eher klein, was jedoch angesichts des Umstands, dass All-you-can-eat gilt, irrelevant ist. Man kann sich durchverkosten und was einem am besten geschmeckt hat, kann man sich ja in unbegrenzter Menge nachholen. Die Getränke werden in typischen Weihnachtsmarkt-Tassen bzw. wiederverwendbaren Kunststoffbechern (z.B. Bier, Cola, Wasser und so weiter) ausgegeben. Es ist darauf hinzuweisen, dass es günstigere Ticketvarianten gibt, in denen alkoholische Getränke wie Glühwein und Punsch nicht inkludiert sind. Diese richten sich beispielsweise an Jugendliche, an die aus gesetzlichen Gründen kein Alkohol ausgeschenkt werden darf oder aber an Personen die schlichtweg alkoholfrei bleiben wollen.

Eher kleines Foodfestival als Weihnachtsmarkt
Wer einen großen Weihnachtsmarkt mit gefühlt hunderten Ständen erwartet und glaubt, dass alles bis hin zur Christbaumkugel inkludiert ist, wird bitter enttäuscht. Wer jedoch gemütlich mit Freunden ein paar Punsch oder Glühweine trinken möchte, dazu das Speisenangebot durchverkosten möchte, ist hier eher richtig. Vielleicht wäre es sinnvoller das Angebot nicht als Weihnachtsmarkt anzupreisen, sondern als eine Art Outdoor-Bar oder Streetfood-Festival mit weihnachtlichem Touch. Was inkludiert ist geht klar und deutlich aus den Angaben des Veranstalters auf seiner Homepage hervor. Dass es jedoch vor Ort nur wenige Stände gibt und es eine eher kleine Angelegenheit ist, sieht man erst an Ort und Stelle.
Auch ist darauf hinzuweisen, dass Veranstaltungsort „Der Garten“ im Wiener Prater ein wenig ungeschickt erreichbar ist. Das Auto sollte, wenn man vor hat ein paar Punsch oder Glühweine zu trinken, ohnehin besser zu Hause bleiben. Von der Straßenbahnhaltestelle „Prater Hauptallee“ (Linie 1) sind es einige Schritte. Alternativ können auch die Linien 1, 4A oder 80A bis Wittelsbachstraße genutzt werden. Leider gibt es dann ein Ärgernis, denn der Eingang Rustenschacherallee wird seitens des Veranstalters nicht genutzt, so dass man um das Areal sowie eine Sportanlage herum gehen muss, so dass man zum Haupteingang in der Prater Hauptallee kommt.
Dort gibt es zwar eine große Leuchtreklame „Der Garten“ jedoch keinerlei wahrnehmbare Werbung bzw. Ankündigung, dass im hinteren Teil des Areals der Weihnachtsmarkt stattfindet. Geht man an leeren Tischen und Sitzgelegenheiten vorbei und folgt einfach der weihnachtlichen Musik, erreicht man die Kassa und ist dann schon richtig: Übrigens: Wer keine Eintrittskarte hat, kann diese auch selbstverständlich spontan vor Ort kaufen. Die Online-Reservierung wird empfohlen, aber an Ort und Stelle sind auch Karten zu bekommen.
Es bleibt abzuwarten, ob das Konzept, das eigenen Angaben nach erstmals in Wien aufgelegt wurde, erfolgreich ist. Wenn ja, wäre es durchaus interessant im Sommer daraus eine Art Streetfood-Festival zu machen. Oder aber die Idee Weihnachtsmarkt für das kommende Jahr weiterzuentwickeln und größer, insbesondere mit mehr Ständen, aufzuziehen.
