Die japanische ANA Holdings und die nationale Raumfahrtagentur JAXA haben die Einführung eines weltweit einzigartigen Systems zur automatisierten Erfassung der atmosphärischen Zusammensetzung im Linienflugverkehr bekannt gegeben.
Das Projekt basiert auf einer seit September 2020 bestehenden Forschungskooperation und nutzt modifizierte Satelliten-Fernerkundungstechnologien, die für den Einsatz in Passagierflugzeugen angepasst wurden. Kernstück der Initiative ist die Integration hochauflösender Sensoren in die Kabinenstruktur einer Boeing 737, um kontinuierlich Daten über Gaskonzentrationen, insbesondere über städtischen Ballungsräumen, zu sammeln. Durch die vollständige Automatisierung entfällt die bisher notwendige manuelle Einrichtung der Messgeräte vor jedem Testflug, was eine dauerhafte Überwachung des japanischen Luftraums ermöglicht.
Zusätzliche technische Recherchen belegen, dass das System wesentliche Komponenten der „IBUKI“-Satellitentechnologie (GOSAT) nutzt, die bereits seit 2009 zur globalen Treibhausgasbeobachtung aus dem Weltraum eingesetzt wird. Die Neuerung besteht in der Kombination großflächiger Satellitendaten mit den wesentlich feiner aufgelösten Messwerten aus niedrigeren Flughöhen. Experten weisen darauf hin, dass Flugzeuge als Plattformen ideal sind, um vertikale Profile der Atmosphäre zu erstellen, die für die Kalibrierung von Klimamodellen unerlässlich sind. Die gewonnenen Daten dienen der detaillierten Analyse von Emissionsquellen in Städten, in denen der Großteil der menschgemachten Schadstoffe entsteht, und ermöglichen eine präzise Bewertung der Wirksamkeit lokaler Minderungsstrategien.
Wirtschaftlich eröffnet diese Kooperation der Luftfahrtindustrie neue Betätigungsfelder an der Schnittstelle zur Wissenschaft. ANA plant, das System im regulären Flugbetrieb über Japan zu validieren und das Netzwerk perspektivisch auf weitere Routen auszuweiten. Die technische Herausforderung bestand vor allem in der Modifikation der Flugzeughülle und der Zertifizierung der Messinstrumente für den kommerziellen Betrieb unter Berücksichtigung strenger Sicherheitsauflagen der Luftfahrtbehörden. Durch die nahtlose Einbindung in den Flugplan entstehen wertvolle Datenreihen ohne zusätzliche Sonderflüge, was die Effizienz der Atmosphärenforschung erheblich steigert.
Die Kooperation zwischen dem Privatsektor und der staatlichen Raumfahrtbehörde gilt als wegweisend für die Nutzung ziviler Infrastruktur zu Forschungszwecken. Zukünftige Entwicklungen sollen über die reine Gasbeobachtung hinausgehen und auch die Erfassung von Partikeldichten sowie meteorologischen Parametern einschließen. In Branchenkreisen wird erwartet, dass ähnliche Systeme bald auch von anderen internationalen Fluggesellschaften übernommen werden könnten, um ein global lückenloses Überwachungsnetzwerk am Rand der Troposphäre zu etablieren. Japan festigt mit dieser Technologie seine führende Rolle in der hochpräzisen Sensortechnik und der integrierten Erderkundung.