Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss International Air Lines plant eine spürbare Verringerung ihrer extern angemieteten Flugzeugkapazitäten für die kommenden Jahre. Wie Finanzvorstand Dennis Weber im Rahmen der Präsentation der Ergebnisse für das erste Halbjahr mitteilte, soll die Zahl der im sogenannten Wetlease betriebenen Maschinen bis zum Sommer 2027 von derzeit 27 auf etwa 20 Flugzeuge gesenkt werden.
Bei diesem Verfahren mietet die Fluggesellschaft das Fluggerät samt Besatzung, Wartung und Versicherung von Partnerunternehmen an, um eigene Kapazitätsengpässe auszugleichen. Der geplante Rückbau betrifft vor allem Kooperationen mit den Partnergesellschaften Helvetic Airways und Air Baltic. Als Hauptgrund für die Reduzierung nennt das Management eine präzisere Datenbasis sowie eine verbesserte Abstimmung bei der Einsatzplanung von eigenen Flugzeugen, Triebwerken, Cockpit- und Kabinenpersonal. Trotz des beabsichtigten Rückgangs bleiben Wetlease-Angebote für die Lufthansa-Tochtergesellschaft ein Instrument, um Flugstreichungen im Zubringernetz für die Langstrecke zu verhindern. Auf der eigenen Flottenseite zeichnen sich nach Phase betrieblicher Unsicherheiten technische Konsolidierungen bei der Kurzstrecke sowie eine Erweiterung der Langstreckenkapazitäten ab. Die Unternehmensführung stuft das laufende Geschäftsjahr als Konsolidierungsphase ein, um ab dem Jahr 2027 wieder bessere Ertragsstrukturen und Kapazitätszuwächse zu erzielen.
Neuausrichtung der externen Mietflotte und Partnerschaften
Im aktuellen Sommerflugplan greift die Schweizer Fluggesellschaft in erheblichem Umfang auf Fremdkapazitäten zurück. Bis zu 27 Maschinen von Drittanbietern stehen derzeit im Dienst der Swiss, um den vorgesehenen Flugplan auf den europäischen Regional- und Kurzstrecken abzudecken. Hauptpartner sind hierbei die Schweizer Helvetic Airways sowie die lettische Air Baltic. Die Kosten für solche Vereinbarungen liegen in der Regel über den Aufwendungen für den Eigenbetrieb, weshalb die Verringerung der Mietflotte um rund ein Viertel einen wesentlichen Hebel zur Senkung der variablen Flugbetriebskosten darstellt.
Hinsichtlich der künftigen Ausgestaltung der Partnerschaften verwies das Management darauf, dass die genaue Verteilung der verbleibenden Aufträge noch nicht abschließend festgelegt ist. Die Zusammenarbeit mit Helvetic Airways soll fortgeführt werden, während bezüglich des Umfangs der Kooperation mit Air Baltic derzeit noch Prüfungen laufen. Das Präzisieren der internen Dienstpläne und Wartungszyklen ermöglicht es dem Unternehmen, mehr Flüge mit eigenem Gerät und Personal durchzuführen, wodurch die Abhängigkeit von externen Dienstleistern sinkt.
Technische Stabilisierung der Kurzstreckenflotte und Ersatzteilversorgung
Ein wesentlicher Grund für den bisherigen Bedarf an Wetlease-Flugzeugen waren die anhaltenden technischen Probleme mit den Pratt & Whitney-Triebwerken bei den Schmalrumpfflugzeugen. Bei den Maschinen der Baureihe Airbus A220 führte der Mangel an funktionsfähigen Triebwerken zu Stillständen. Um den Betrieb der verbleibenden Flotte aufrechtzuerhalten, nahm das Unternehmen zwei Maschinen des Typs A220-100 außer Dienst und entnahm deren Triebwerke als Ersatzteile für die übrige Flotte. Drei weitere A220 stehen derzeit betriebsfähig, aber ohne einsatzbereite Aggregate am Boden. Trotz dieser Maßnahmen stellt die Finanzführung die Weiterführung der A220-100-Unterflotte vorerst nicht infrage.
Auf der Ebene der A320neo-Flotte, die ebenfalls von den weltweiten Wartungsengpässen bei Pratt & Whitney betroffen ist, befinden sich aktuell drei bis vier Flugzeuge außer Dienst. Hier rechnet die Fluggesellschaft jedoch mit einer schrittweisen Verbesserung der Lage. Der Triebwerkshersteller arbeitet an der Verlängerung der Wartungsintervalle und der Erhöhung der mechanischen Stabilität der Komponenten, was die Standzeiten der Flugzeuge in den kommenden Monaten verringern dürfte.
Ausbau der Langstreckenkapazitäten und Erneuerung der Kabinen
Im Segment der Langstrecke treibt die Fluggesellschaft die Modernisierung und Erweiterung der Flotte voran. Die Zahl der Großraumflugzeuge vom Typ Airbus A350 soll von derzeit zwei Einheiten im Laufe des Jahres auf insgesamt fünf Maschinen aufgestockt werden. Diese Modelle bieten eine höhere Sitzplatzkapazität und Reichweite, was die Position des Drehkreuzes Zürich auf den interkontinentalen Routen stärken soll.
Parallel dazu hat die Überarbeitung der bestehenden Langstreckenflotte begonnen. Das erste Flugzeug vom Typ Airbus A330 befindet sich zur Erneuerung der Kabinenausstattung in einer Werft in Hongkong. Der Umbau umfasst die Installation neuer Sitzkonfigurationen in allen Beförderungsklassen. Die Rückkehr der ersten umgerüsteten Maschine in den regulären Liniendienst wird in drei bis vier Monaten erwartet. Nach und nach soll die gesamte A330-Flotte diesen Modernisierungsprozess durchlaufen.
Wirtschaftliche Entwicklung am Standorts Genf und Mittelfristprognose
Die geschäftliche Entwicklung an den beiden Schweizer Betriebsstandorten verläuft unterschiedlich. Während das Langstreckengeschäft am Flughafen Genf mit der Verbindung nach New York profitabel arbeitet, schreibt das Europageschäft ab Genf weiterhin rote Zahlen. Das Management strebt an, die Kurzstreckenverbindungen ab Genf bis zum Jahr 2027 in die Gewinnzone zu führen, wofür die Anpassung der Kapazitäten und die Entwicklung der Kerosinpreise entscheidend sein werden.
Das laufende Jahr wird von der Unternehmensführung explizit als Übergangsperiode definiert. Die Kombination aus reduzierten Wetlease-Kosten, der schrittweisen Rückkehr von am Boden stehenden Flugzeugen und der Inbetriebnahme neuer Langstreckenflugzeuge soll die betriebliche Effizienz heben. Ab dem Jahr 2027 plant die Airline, auf Basis einer konsolidierten Kostenstruktur wieder ein nachhaltiges Wachstum bei den Passagierzahlen und im Flugangebot zu realisieren.