Die für den 1. Juli 2026 beschlossene Senkung der Luftverkehrsteuer wird nach Einschätzung der Bundesregierung nicht zwangsläufig zu günstigeren Flugpreisen für Endverbraucher führen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder unterstrich in aktuellen Stellungnahmen, dass das primäre Ziel der steuerlichen Entlastung in der Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsstandorts liege. Da Deutschland im europäischen Vergleich bei der Erholung des Passagieraufkommens nach der Pandemie deutlich hinterherhinkt und lediglich rund 90 Prozent des Niveaus von 2019 erreicht, soll die Maßnahme vor allem Anreize für Fluggesellschaften schaffen, ihre Kapazitäten wieder verstärkt an deutschen Flughäfen zu binden. Eine direkte Weitergabe der Steuerersparnis an die Fluggäste liegt dabei allein im Ermessen der jeweiligen Unternehmen.
Hintergrund der politischen Entscheidung ist die Sorge um die schleichende Abwanderung von Flugbewegungen ins Ausland. Während Nachbarstaaten bereits Zuwächse von über 110 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau verzeichnen, kämpft Deutschland mit hohen Standortkosten. Neben der Luftverkehrsteuer belasten steigende Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungsentgelte die Kalkulationen der Airlines. Branchenexperten weisen darauf hin, dass Fluggesellschaften ihre Flotten dort stationieren, wo die operativen Rahmenbedingungen am wirtschaftlichsten sind. Die Reduzierung der Abgabe wird somit als notwendiges Signal gewertet, um ein verlässliches Streckennetz für den Wirtschaftsstandort Deutschland sicherzustellen und den Abzug weiterer Verbindungen durch Billigflieger und internationale Großcarrier zu verhindern.
Unterstützung erhält der Verkehrsminister vom Flughafenverband ADV. Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel betonte ebenfalls, dass es keinen Automatismus für Preissenkungen gebe. Die Branche sieht in der angekündigten Senkung lediglich einen ersten Schritt zur Korrektur der Wettbewerbsverzerrungen. Um eine langfristige Trendwende einzuleiten und Airlines zur Stationierung neuer Flugzeuge in Deutschland zu bewegen, seien in den Folgejahren weitere Entlastungen bei staatlich induzierten Kosten notwendig. Aktuell führen die hohen Abgaben dazu, dass viele Fluggesellschaften ihr Wachstum vor allem an osteuropäischen oder südeuropäischen Standorten vorantreiben, während das Angebot in Deutschland stagniert oder sogar schrumpft.
Die Debatte verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen staatlichen Einnahmen und der Attraktivität der Infrastruktur. Die Luftverkehrsteuer war erst im Mai 2024 deutlich angehoben worden, was zu massiver Kritik aus der Wirtschaft geführt hatte. Mit der nun für Sommer 2026 geplanten Teil-Rücknahme reagiert die Politik auf die Warnungen vor einer dauerhaften Schwächung der deutschen Drehkreuze Frankfurt und München sowie der Regionalflughäfen. Ob die Maßnahme ausreicht, um das Vertrauen der Airlines zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten, da gleichzeitig andere Standortfaktoren wie die hohen Personalkosten und langwierige Genehmigungsverfahren die Rentabilität des hiesigen Marktes weiterhin massiv beeinflussen.