Der Flughafen Antwerpen (Deurne) befindet sich in einer schwierigen finanziellen Lage. Der Betreiber, die LEM Antwerpen, hat für das Jahr 2024 einen Nettoverlust von 658.000 Euro gemeldet, was eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Das operative Ergebnis des Flughafens wird maßgeblich durch staatliche Subventionen gestützt, was die strukturellen Defizite des Standorts offenlegt.
Die Unternehmensleitung blickt auch für das Jahr 2025 mit Sorge in die Zukunft und warnt vor anhaltenden Verlusten. Der Flughafen sieht sich mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, darunter technische Probleme der wichtigsten Fluggesellschaft, steigende Betriebskosten und unklare staatliche Finanzierung.
Finanzielle Schieflage: Subventionen als Rettungsanker
Obwohl der Gesamtumsatz des Flughafens Antwerpen im Jahr 2024 mit 4,83 Millionen Euro leicht anstieg, reichte dies nicht aus, um die Verluste zu verhindern. Das gesamte Betriebsergebnis belief sich auf 10,81 Millionen Euro, wovon ein erheblicher Teil – nämlich 5,42 Millionen Euro – aus staatlichen Zuschüssen der flämischen Regierung stammte. Dies unterstreicht die Tatsache, daß der Flughafen ohne staatliche Unterstützung nicht eigenständig überlebensfähig wäre.
Der Betreiber führt den gestiegenen Verlust auf mehrere Faktoren zurück. Ein wesentlicher Grund war die temporäre Einstellung der Flüge der Fluggesellschaft TUI während der Hauptsaison im Sommer. Diese Unterbrechung war auf technische Schwierigkeiten mit den neuen Embraer E2-Flugzeugen der Fluggesellschaft zurückzuführen, die eine wichtige Basis am Flughafen hat. Die Ausfälle in der lukrativsten Reisezeit trafen den Flughafen in seiner Einnahmenstruktur schwer.
Zusätzlich zu den Umsatzeinbußen kämpft der Flughafen mit gestiegenen Kosten. Dazu gehören Ausgaben im Zusammenhang mit der Erneuerung von Umweltgenehmigungen, zusätzlichen Studien und, wie das Management es beschreibt, „unverhältnismäßigen“ lokalen Steuern. Diese Kostenbelastungen haben die finanzielle Situation weiter verschlechtert.
Ein Blick in die Bilanzen: Eigenkapital schwindet, Schulden bleiben
Die Bilanz des Flughafens Antwerpen zeigt eine besorgniserregende Entwicklung. Während die Gesamtaktiva des Unternehmens zum Jahresende bei 10,5 Millionen Euro lagen, ist das Eigenkapital mit 55.765 Euro in den negativen Bereich gerutscht. Dies bedeutet, daß die Schulden des Unternehmens das Vermögen übersteigen, was eine prekäre finanzielle Situation darstellt.
Die langfristigen Schulden belaufen sich auf 976.000 Euro und bestehen aus einem nachrangigen Darlehen des Mehrheitseigners Egis SA. Dieser französische Infrastrukturbetreiber, der auch an anderen Flughäfen in Europa beteiligt ist, hat eine sogenannte „Comfort Letter“-Garantie abgegeben. Dieses inoffizielle Schreiben dient als Absicherung für die Fortführung des Flughafenbetriebs und unterstreicht die Abhängigkeit des Flughafens von seinem Hauptinvestor.
Die liquiden Mittel des Flughafens beliefen sich auf 973.000 Euro, eine Summe, die zwar eine kurzfristige Liquidität sichert, aber angesichts der anhaltenden Verluste und der anstehenden Herausforderungen nicht als komfortabel angesehen werden kann.
Unsichere Zukunft: Drohende Verluste und offene Fragen
Die Geschäftsleitung von LEM Antwerpen äußert sich auch für das laufende Jahr 2025 pessimistisch und erwartet erneut Verluste. Die Zukunft des Flughafens ist von mehreren Unsicherheiten geprägt, die eine nachhaltige Sanierung erschweren. Ein großes Problem ist die Auszahlung von ausstehenden staatlichen Subventionen der flämischen Regierung. Zahlungen für die Jahre 2020 bis 2024 sind noch ausständig, was die finanzielle Planung des Flughafens erheblich behindert.
Hinzu kommt der Konkurrenzdruck durch andere Flughäfen in der Region, wie Brüssel und Charleroi, die ebenfalls um Passagiere und Fluggesellschaften buhlen. Die strengeren Umweltauflagen, die in der Zukunft zu erwarten sind, stellen eine weitere Herausforderung dar, da sie mit zusätzlichen Kosten verbunden sein könnten.
Trotz der finanziellen Schieflage hat der Flughafen seine Belegschaft leicht aufgestockt. Im Jahr 2024 beschäftigte der Flughafen im Durchschnitt 38 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), verglichen mit 34 im Vorjahr. Dies könnte darauf hindeuten, daß der Flughafen versucht, seine Dienstleistungen zu verbessern, um trotz der finanziellen Engpässe wettbewerbsfähig zu bleiben.
Eine Bewährungsprobe für den Flughafen Antwerpen
Der Flughafen Antwerpen steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Der hohe Abhängigkeitsgrad von staatlichen Subventionen und die anhaltenden Verluste zeigen, daß das Geschäftsmodell des Flughafens auf wackeligen Beinen steht. Die jüngsten Probleme mit der Hauptfluggesellschaft TUI und die steigenden Betriebskosten verschärfen die Situation zusätzlich.
Die Zukunft des Flughafens hängt nun maßgeblich von mehreren Faktoren ab: der rechtzeitigen Auszahlung der ausstehenden Subventionen, der Fähigkeit, die Betriebskosten in den Griff zu bekommen, und der Entwicklung eines soliden Geschäftsmodells, das auch ohne staatliche Unterstützung tragfähig ist. Der „Comfort Letter“ des Mehrheitseigners Egis SA mag zwar vorerst die Kontinuität sichern, doch auf lange Sicht muß der Flughafen Antwerpen einen Weg finden, seine finanzielle Unabhängigkeit zu stärken, um in einem harten Wettbewerbsumfeld bestehen zu können.