Sieben Monate nach dem tragischen Absturz einer Embraer E-190 der Azerbaijan Airlines im Dezember 2024, bei dem 38 Menschen ums Leben kamen, bereitet Aserbaidschan eine internationale Klage gegen Rußland vor.
Präsident Ilham Alijew verkündete diese Absicht während des Global Media Forums in Xankändi am 19. Juli 2025 und kritisierte die mangelnde Kooperation und klare Antworten seitens Rußlands. Ein offizieller Bericht deutet auf äußere Beschädigungen des Flugzeugs hin, die mit Schrapnell von einer Flugabwehrrakete übereinstimmen. Die mutmaßliche Verwicklung russischer Luftabwehrsysteme in den Vorfall könnte weitreichende diplomatische und juristische Konsequenzen haben und wirft ernste Fragen zur Verantwortung und Transparenz auf internationaler Ebene auf.
Das tragische Unglück vom 25. Dezember 2024
Am 25. Dezember 2024 ereignete sich ein folgenschwerer Flugunfall, der die internationale Gemeinschaft erschütterte. Eine Embraer E-190 der Azerbaijan Airlines, registriert als 4K-AZ65, befand sich auf dem Flug J2-8243 von Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, nach Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens in Rußland. Kurz nach dem Start änderte das Flugzeug plötzlich seinen Kurs über dem Kaspischen Meer und stürzte schließlich etwa fünf Kilometer vom Internationalen Flughafen Aqtau (Aktau) in Kasachstan entfernt ab.
Die Katastrophe forderte 38 Menschenleben. Unter den Todesopfern befanden sich der Kapitän, der Co-Pilot, ein leitender Flugbegleiter und 35 Passagiere. Glücklicherweise überlebten 29 Personen den Absturz, obwohl das Flugzeug beim Aufprall in mehrere Teile zerbrach, was die Heftigkeit des Ereignisses verdeutlicht. Die Nachricht von dem Unglück verbreitete sich schnell und löste weltweit Bestürzung und Anteilnahme aus. Die sofortige Einleitung einer Untersuchung war unerläßlich, um die Ursache dieser Tragödie zu klären.
Solche Luftfahrtunglücke sind oft das Ergebnis einer komplexen Kette von Ereignissen, die von technischen Defekten über menschliches Versagen bis hin zu externen Einflüssen reichen können. Die Anfangsuntersuchungen konzentrierten sich auf die Rekonstruktion der letzten Minuten des Fluges und die Analyse der Trümmerteile, um Hinweise auf die Absturzursache zu finden.
Indizien für einen Raketentreffer: Die Untersuchungsergebnisse
Ein offizieller Bericht zum Absturz des Embraer E-190 enthüllte beunruhigende Details, die die Ermittlungen in eine spezifische Richtung lenkten. Der Bericht verwies auf Anzeichen von externen Beschädigungen entlang des Flugzeugrumpfes, insbesondere im Heckbereich des Flugzeugs. Diese Schäden waren nach Einschätzung der Experten konsistent mit Schrapnell von einer Flugabwehrrakete.
Es ist ein bekanntes technisches Merkmal moderner Flugabwehrraketen, daß sie ein Ziel nicht direkt treffen müssen, um es außer Gefecht zu setzen. Stattdessen sind sie oft so konstruiert, daß sie in der Nähe des Ziels explodieren und dabei eine Wolke von Metallfragmenten – sogenanntes Schrapnell – freisetzen. Diese Fragmente durchschlagen dann die Flugzeugstruktur und beschädigen vitale Systeme wie Triebwerke, Steuerflächen, Hydraulik oder elektrische Systeme, was letztlich zum Absturz des Flugzeugs führt.
Ein entscheidender Hinweis war die Aussage von Rußlands Präsident Wladimir Putin, der bestätigte, daß die russische Luftabwehr am Tag des Absturzes aktiv war. Diese Aussage, in Kombination mit den gefundenen Beweismitteln, verdichtete den Verdacht auf eine mögliche Verwicklung russischer Streitkräfte. Berichten zufolge haben aserbaidschanische Ermittler später ein Fragment einer Pantsir-S-Rakete aus dem Wrack geborgen. Die Pantsir-S ist ein russisches Flugabwehrsystem, das für die Kurzstreckenverteidigung gegen Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und präzisionsgelenkte Munition konzipiert ist.
Der Zwischenfallbericht stellte klar fest, daß das Flugzeug von „Fremdkörpern“ getroffen wurde, die nicht Teil des Flugzeugs waren. Fotos im Bericht zeigten mehrere Einschlaglöcher auf der linken Seite des Leitwerks, die auf diese Fremdeinwirkung hindeuteten. Gleichzeitig gab es keine Hinweise auf einen Vogelschlag oder interne technische Fehlfunktionen, was die Theorie eines externen Angriffs weiter stützte.
Diplomatisches Schweigen und Aserbaidschans Forderung nach Verantwortung
In den sieben Monaten seit dem Absturz hat sich Aserbaidschan um eine Klärung der Umstände bemüht, ist jedoch nach eigenen Angaben auf mangelnde Kooperation seitens Rußlands gestoßen. Präsident Ilham Alijew äußerte seine Frustration über die ausbleibenden Antworten Moskaus. „Die Umstände des Vorfalls sind klar wie Kloßbrühe“, sagte Alijew. „Wir wissen, was passiert ist, und wir können es beweisen. Noch wichtiger ist, wir glauben, russische Beamte kennen die Wahrheit auch.“
Der Generalstaatsanwalt Aserbaidschans hat nach dem Absturz mehrere offizielle Anfragen an das Ermittlungskomitee Rußlands gerichtet, die jedoch unbeantwortet blieben oder mit dem Hinweis auf „laufende Ermittlungen“ abgetan wurden. Diese mangelnde Transparenz und die Weigerung, konkrete Informationen zu liefern, haben die Spannungen zwischen den beiden Staaten verschärft.
Aserbaidschan fordert nun eine formelle Erklärung der Verantwortung von Rußland, die Bestrafung der beteiligten Personen und eine volle Entschädigung für die Familien der Opfer, die Verletzten und den Verlust des Flugzeugs. Alijew betonte, daß dies „Standarderwartungen nach internationalem Recht und guter Nachbarschaft“ seien. Er stellte die rhetorische Frage: „Die eigentliche Frage ist: Warum haben sie nicht getan, was jeder verantwortungsvolle Nachbar tun würde?“
Diese Forderungen basieren auf dem Prinzip der staatlichen Verantwortlichkeit im Völkerrecht, wonach ein Staat für Völkerrechtsverletzungen, die ihm zugerechnet werden können, zur Rechenschaft gezogen werden muß. Im Falle eines versehentlichen Abschusses eines Zivilflugzeugs durch Militärkräfte eines Staates, ist dieser Staat nach internationalem Recht zu Kompensation und zur Aufklärung des Vorfalls verpflichtet.
Präzedenzfälle und die Komplexität internationaler Klagen
Die internationale Luftfahrtgeschichte kennt mehrere Präzedenzfälle, in denen Zivilflugzeuge versehentlich oder absichtlich von militärischen Kräften abgeschossen wurden. Einer der bekanntesten Fälle ist der Abschuß von Korean Air Lines Flug 007 im Jahre 1983 durch die Sowjetunion, bei dem alle 269 Insassen ums Leben kamen. Ein weiterer tragischer Vorfall war der Abschuß von Malaysia Airlines Flug MH17 im Jahre 2014 über der Ostukraine, der 298 Todesopfer forderte. Die internationale Untersuchung kam zu dem Schluß, daß das Flugzeug von einer russischen Buk-Rakete getroffen wurde, die aus dem von Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert wurde. Diese Fälle zeigen die extreme Komplexität und Sensibilität solcher Vorfälle, insbesondere wenn militärische Akteure involviert sind und Staaten die Verantwortung abstreiten.
Internationale Klagen sind oft langwierig und kompliziert. Sie können vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) oder anderen internationalen Schiedsgerichten verhandelt werden. Die Beweisführung ist dabei entscheidend, insbesondere wenn es um die Zurechenbarkeit einer Handlung zu einem Staat geht. Die Tatsache, daß aserbaidschanische Ermittler ein Fragment einer russischen Rakete geborgen haben sollen, könnte ein starkes Beweismittel in einem solchen Verfahren sein.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Rußland könnten durch diese Klage erheblich belastet werden. Rußland hat traditionell einen starken Einfluß in der Region Südkaukasus. Eine Klage könnte nicht nur zu einer Verurteilung führen, sondern auch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern nachhaltig beeinflussen. Die Forderung Aserbaidschans nach Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien ist jedoch ein starkes moralisches Argument, das die internationale Gemeinschaft aufmerksam verfolgen wird.
Der tragische Absturz der Azerbaijan Airlines Embraer E-190 im Dezember 2024 nimmt eine beunruhigende Wendung, da Aserbaidschan nun Rußland wegen einer mutmaßlichen Verwicklung in den Vorfall verklagen will. Die Indizien, insbesondere die äußeren Beschädigungen des Flugzeugs, die mit einem Raketentreffer übereinstimmen, und die Bergung eines mutmaßlichen Raketenfragments, deuten auf einen Abschuß durch ein Flugabwehrsystem hin. Präsident Alijews Forderung nach Verantwortung, Bestrafung der Schuldigen und voller Kompensation für die Opferfamilien unterstreicht die Entschlossenheit Aserbaidschans, Gerechtigkeit zu suchen. Die Weigerung Rußlands, klare Antworten zu liefern, könnte die diplomatischen Beziehungen erheblich belasten und die Komplexität internationaler Rechtsstreitigkeiten in Fällen mit militärischer Beteiligung verdeutlichen. Die Weltöffentlichkeit wird diesen Prozeß aufmerksam verfolgen, da er weitreichende Implikationen für die internationale Luftfahrtsicherheit und die staatliche Rechenschaftspflicht hat.