Athen-Ellinikon: Einst Tor zur Welt, nun Abriss-Lost-Place

Eine auf dem ehemaligen Flughafen Athen-Ellinikon angestellte Boeing 747 (Foto: Jan Gruber).
Eine auf dem ehemaligen Flughafen Athen-Ellinikon angestellte Boeing 747 (Foto: Jan Gruber).

Athen-Ellinikon: Einst Tor zur Welt, nun Abriss-Lost-Place

Eine auf dem ehemaligen Flughafen Athen-Ellinikon angestellte Boeing 747 (Foto: Jan Gruber).
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Seit 2001 ist der Airport geschlossen, doch beispielsweise ist das Ostterminal von außen her völlig legal zugänglich. Es gibt keine Absperrgitter oder Zäune. Lediglich ein Wachmann ist rund um die Ohr vor Ort, um weiteren Vandalismus verhindern zu können. Übrigens: Eine weitere „Mülldeponie“ scheint die ehemalige Tankstelle zu sein. Dort findet sich so ziemlich alles, das in Haushalten an Sperrmüll anfallen kann.

Während das Flair, das man am Westterminal wahrnehmen kann, faktisch nur noch aus einem Parkplatz, einem riesigen Berg Bauschutt und einer Beschilderung, die auf Abflüge und Ankünfte hinweist, besteht, gibt es im Osten wesentlich mehr zu sehen. Je nach Position hat man einen guten oder schlechten Überblick über das Areal. Zwischen den Betonplatten wachsen stellenweise Büsche, kleine Bäume, Gras und viel Ukraut. Die Natur erobert das einstige Flugfeld zurück. Leider auch gepaart mit viel Gerümpel, das hinterlassen wurde oder aber von der Bevölkerung entsorgt wurde. Bauschutt und sonstiger Unrat selbstverständlich eingeschlossen.

Das Feeling am Ostterminal ist ein wenig „strange“. Viele Schilder sind mittlerweile sehr blass, jedoch würde es auf den ersten Blick auch als Abfertigungshalle, die in Corona-Pause ist, durchgehen. Je näher man kommt, desto deutlicher wird wie desolat die Gebäude sind. Das Betreten ohne Helm ist sehr gefährlich, sagen die Bediensteten der Eigentümergesellschaft. Es wird ausdrücklich davor gewarnt ohne Genehmigung, Helm und Begleitung durch einen ortskundigen Vertreter des Besitzers in die eingezäunten Bereiche oder Gebäude „einzusteigen“. Man bekommt die Erlaubnis relativ einfach, wenn man danach fragt. Unterlässt man dies aber, so werden die Securities, die omnipräsent sind, unverzüglich die Polizei holen und im Extremfall blüht sogar zusätzlich eine zivilrechtliche Klage. Warum? Weil eben Vandalen und illegale Müllentsorger das Areal vermüllt und verschandelt haben. Es ist einfach zu viel passiert, so dass irgendwann die Besitzer die Schnauze voll haben.

Die einstige Zentrale von Olympic Airways befindet sich nur wenige Schritte vom Ostterminal entfernt. Schon fast sinnbildlich für das Schicksal des Unternehmens ist, dass primär das Westterminal genutzt wurde und sich auch dort in der Nähe Hangars und Catering-Betrieb befanden, jedoch die Verwaltung gute 15 Minuten mit dem Auto auf der anderen Seite des Areals angesiedelt war. Die Schließung des ganzen Flughafens ließ das Verwaltungspersonal von Olympic Airways kalt, denn nur die Flugzeuge – abgesehen von jenen, die man am Ellinikon „entsorgt“ hat – zogen um, die Verwaltung blieb wo sie auch vorher war. Selbst nach dem „Neustart“ als Olympic Airlines blieb das so und als mal wieder ein „Restart“ als Olympic Air erfolgt ist, änderte sich nichts. Erst nach der Übernahme durch Aegean Airlines zogen die letzten Verwaltungsmitarbeiter um und zwar in die Räumlichkeiten des neuen Eigentümers am neuen Airport. Das hindert aber nicht die Müllabfuhr daran weiterhin Mülltonnen auf dem ganzen Areal aufzustellen und diese regelmäßig anzufahren. Warum dann soviel Unrat herumliegt, ist einfach unverständlich.

Es ist aber nicht so, dass Ellinikon komplett ausgestorben ist. Beispielsweise der meteorologische Dienst und weitere Behörden halten in einem äußerst heruntergekommenen Gebäude noch die Stellung. Wo diese ihren Job erledigen ist im Grunde egal. Ob im Zuge des Abrisses ein Umzug in andere Büros oder gar zum neuen Airport erfolgen wird, ist unklar. Niemand weiß was mit dem denkmalgeschützten Ostterminal geschehen wird. Es gammelt seit 2001 vor sich hin, denn Veranstaltungen gab es hier schon lange nicht mehr. Aufgrund des schlechten Zustands der Substanz ist auch nicht damit zu rechnen, dass hier in absehbarer Zeit leben einkehren wird. Unter vorgehaltener Hand befürchten Anwohner, dass irgendwann einfach in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit dem Abriss begonnen wird. Das würde die Nachbarn nicht mal stören, denn diese sind massiv verärgert, dass sich das eigentlich noble Wohnviertel durch den „Schandfleck ehemaliger Flughafen“ nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Einen Mini-Erfolg konnten die ehemaligen Olympic-Airways-Mitarbeiter aber erzielen. Langfristig ist vorgesehen, dass ihre Sammlung, zu der sie mangels anderweitigen Interessenten gekommen sind, öffentlich zugänglich gemacht werden darf. Es ist explizit in den Plänen vorgesehen, dass auf dem Areal ein kleines Luftfahrtmuseum zur Erinnerung an Olympic Airways, den ehemaligen Airport und Meilensteine in der griechischen Fliegerei, kommt. Wer für die Kosten aufkommen muss, steht auf einem anderen Blatt Papier. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Staat, Elliniko, Athen oder am besten gleich alle das ehrenamtliche Projekt endlich unterstützen und damit einen kleinen Teil der griechischen Luftfahrtgeschichte sichern.

Der einstige Westbereich des Ellinikon kann mit der Buslinie X96 ab dem Flughafen Athen erreicht werden. Der Fahrpreis beträgt pro Richtung etwa 5,50 Euro. Um von dort aus zum Ostbereich zu gelangen, hat man die Wahl zwischen einer sprichwörtlichen Fahrt mit der Kirche ums Kreuz mit den Öffis oder aber einem längeren Spaziergang. Letzteres dürfte interessanter sein, da man an vielen Stellen direkt am Zaun gehen kann, die ehemalige Runway und andere einstige Anlagen sehen kann. Kurz vor dem Ostterminal gibt es dann als „Belohnung“ die Flugzeugsammlung zu sehen. Diese ist nicht nur verdammt gut sichtbar, sondern der rostige Zaun hat mittlerweile sehr viele Löcher, durch die Erinnerungsfotos gemacht werden können.

Wer sich auf dem öffentlich zugänglichen Bereich aufhält, nur den Lostplace bestaunt und eventuell Fotos macht, hat nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Den Securities ist sogar manchmal langweilig und freuen sich über einen kleinen Smalltalk und geben durchaus gerne Tipps was man unbedingt gesehen haben muss. Wenn man den „Hellinikon“ vor der endgültigen Beseitigung „ehemals airside“ erleben möchte, kommt man um eine offizielle Erlaubnis des Eigentümers nicht herum. Auf keinen Fall einfach „einsteigen“, das wird nicht toleriert und auf dem Rechtsweg geahndet. Wer jedoch freundlich fragt, hat durchaus gute Karten, eine Einwilligung zu bekommen.

Generell bleibt nur die Hoffnung, dass nach der Corona-Pandemie nicht vielen Airports auf der Welt eine ähnliche Zukunft blüht wie jene von Ellinikon: Jahrelanges Gammeln und dann der Abriss.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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