Ein Flugzeug der Alaska Airlines ist am vergangenen Montag während des Anflugs auf den Flughafen von Sitka von einem Blitz getroffen worden. Trotz des dramatischen Naturereignisses konnte die Boeing 737-700 sicher landen, und es wurden keine Verletzungen bei Passagieren oder Besatzungsmitgliedern gemeldet. Der Vorfall ereignete sich am 15. Dezember 2025 auf dem Flug 62, der von der alaskischen Landeshauptstadt Juneau aus startete.
Obwohl Blitzeinschläge in der kommerziellen Luftfahrt statistisch gesehen regelmäßig vorkommen und moderne Flugzeuge technisch darauf ausgelegt sind, solche Energien abzuleiten, löste das Ereignis eine vorsorgliche Wartungskette aus. Die betroffene Maschine wurde für eine gründliche Inspektion zum Seattle-Tacoma International Airport überführt, um die Integrität der Flugzeughaut und der elektronischen Systeme sicherzustellen. Augenzeugenberichte von Bord schildern eine intensive visuelle Wahrnehmung ohne die sonst oft üblichen akustischen oder physischen Begleiterscheinungen, was den Vorfall zu einem besonderen Untersuchungsobjekt für Luftfahrtexperten macht.
Flugverlauf und zeitliche Zusammenhänge
Der Flug ASA62 startete am Montagvormittag mit einer Verspätung von etwa einer Stunde am Juneau International Airport. Anstatt wie geplant abzuheben, verließ der Jet das Gate erst um 10:49 Uhr Ortszeit. Nach einer Flugzeit von etwa 79 Minuten erreichte die Maschine den Sitka Rocky Gutierrez Airport um 12:08 Uhr. Meteorologische Analysen und Flugdaten legen nahe, dass die Maschine bei einer pünktlichen Durchführung des Fluges das Gewitterzentrum möglicherweise verpasst hätte.
Die eingesetzte Boeing 737-700 mit der Registrierung N644AS ist ein bewährtes Arbeitspferd der Alaska-Flotte. Mit einem Alter von fast 23 Jahren operiert dieser Flugzeugtyp regelmäßig unter den anspruchsvollen Bedingungen des Nordens, von Seattle bis hin zu Flugplätzen nahe der russischen Grenze an der Beringstraße. Unmittelbar nach der Landung in Sitka entschied die Fluggesellschaft, den nachfolgenden Linienflug zu streichen, um das Flugzeug einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Die Überführung nach Seattle diente dazu, spezialisierte Wartungsteams einzusetzen, bevor die Maschine am darauffolgenden Mittwoch wieder in den regulären Dienst zurückkehren sollte.
Phänomenologie des Einschlags aus Passagiersicht
Berichte von Augenzeugen an Bord der Maschine liefern detaillierte Einblicke in den Moment der Entladung. Eine Passagierin beschrieb das Ereignis als einen gigantischen Lichtblitz, der das gesamte Flugzeuginnere erfüllte, vergleichbar mit einer riesigen Blitzlichtbirne. Interessanterweise berichtete sie, dass keinerlei laute Geräusche wahrnehmbar waren. Dies steht im Kontrast zu vielen anderen dokumentierten Blitzeinschlägen in Luftfahrzeuge, bei denen Passagiere oft von einem lauten Knall berichten, der an eine Explosion oder einen Schuss erinnert.
Zudem gab es keine Berichte über Vibrationen, Erschütterungen oder das sogenannte Elmsfeuer – ein glimmendes Leuchten an den Cockpitscheiben oder Tragflächenspitzen, das durch hohe statische Aufladung entstehen kann. Auch das Phänomen, dass sich die Körperhaare der Insassen aufgrund elektrostatischer Felder aufstellen, wurde nicht beobachtet. Luftfahrtexperten weisen darauf hin, dass die Wahrnehmung eines Blitzeinschlags stark von der Eintrittsstelle am Rumpf und der Intensität der Entladung abhängt. Der Geruch von Ozon, der oft nach solchen Ereignissen in der Kabine wahrgenommen wird, wurde in den ersten Berichten aus Sitka ebenfalls nicht erwähnt.
Technische Schutzmaßnahmen und das Prinzip des Faradayschen Käfigs
Dass ein solches Ereignis glimpflich ausgeht, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis präziser Ingenieurskunst. Verkehrsflugzeuge sind nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs konstruiert. Die Aluminiumaußenhaut oder bei modernen Verbundwerkstoffen ein eingearbeitetes leitfähiges Geflecht sorgt dafür, dass der elektrische Strom um das Innere des Flugzeugs herumgeleitet wird. Die Energie tritt meist an einer Extremität wie der Nase ein und verlässt das Flugzeug an einer anderen Stelle, beispielsweise dem Heck oder den Tragflächenspitzen.
Zusätzlich verfügen Flugzeuge über statische Entlader, sogenannte Static Wicks. Diese kleinen Stäbe an den Hinterkanten der Tragflächen und des Leitwerks dienen dazu, statische Elektrizität, die durch Reibung mit der Luft oder bei einem Blitzeinschlag entsteht, kontrolliert wieder an die Atmosphäre abzugeben. Auch die empfindliche Bordelektronik und die Kraftstoffsysteme sind durch spezielle Abschirmungen vor induzierten Spannungen geschützt. Dennoch ist eine Inspektion nach jedem Einschlag obligatorisch, da die Hitze des Blitzes winzige Schmelzspuren in der Metallhaut hinterlassen oder die Magnetisierung bestimmter Bauteile beeinflussen kann.
Statistik und operative Sicherheit in der Grenzregion
In der kommerziellen Luftfahrt wird jedes Flugzeug im Durchschnitt ein- bis zweimal pro Jahr vom Blitz getroffen. In Regionen wie Alaska, wo das Wetter schnell umschlagen kann und Flugrouten oft durch turbulente Zonen führen, gehört dies zum operativen Alltag der Piloten. Die Entscheidung der Alaska Airlines, die Maschine nach Seattle zu befördern, unterstreicht die strengen Sicherheitsprotokolle der Branche. Während kleine Beschädigungen oft direkt vor Ort repariert werden können, erfordern umfassende Systemchecks die Infrastruktur eines großen Wartungszentrums.
Der Vorfall in Sitka zeigt erneut die Robustheit moderner Verkehrsflugzeuge gegenüber extremen Wetterphänomenen. Die nahtlose Kommunikation zwischen der Fluggesellschaft, dem Flughafenpersonal und den lokalen Medien trug dazu bei, die Öffentlichkeit über die Harmlosigkeit solcher Ereignisse für die Insassen aufzuklären. Die Boeing 737-700 hat ihre Flugtauglichkeit durch die sichere Landung unter Beweis gestellt und verdeutlicht, warum die Luftfahrt trotz gelegentlicher Begegnungen mit Naturgewalten als eines der sichersten Verkehrsmittel gilt.