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Attestor übernimmt Condor komplett

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Die deutsche Fluggesellschaft Condor schließt die Neustrukturierung ihrer Eigentümerverhältnisse ab. Nach der vorzeitigen Rückzahlung staatlicher Hilfsgelder im Frühjahr 2026 übernimmt der Finanzinvestor Attestor die verbliebenen Unternehmensanteile in Höhe von 49 Prozent.

Diese Anteile wurden seit der Restrukturierung des Unternehmens im Jahr 2021 treuhänderisch über die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Hessen gehalten. Grundbedingung für die Eigentumsübertragung ist das Wirksamwerden einer vertraglichen Option, die bereits beim Eintritt des Investors vereinbart wurde. Der formelle Vollzug der Anteilsübernahme ist für den 31. August 2027 angesetzt. Damit endet die Phase staatlicher Interventionen, die infolge der Insolvenz des ehemaligen Mutterkonzerns Thomas Cook sowie der globalen Verwerfungen im Luftverkehr notwendig geworden waren.

Konsolidierung nach der Thomas-Cook-Insolvenz und staatlicher Überbrückung

Die Neuordnung der Eigentümerstruktur markiert den Schlusspunkt einer mehrjährigen Restrukturierungsphase des Frankfurter Traditionsunternehmens. Im September 2019 geriet Condor durch die Insolvenz des britischen Reisepozerns Thomas Cook unverschuldet in eine existenzbedrohende Liquiditätskrise. Um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten und Tausende Arbeitsplätze zu sichern, gewährten der Bund und das Land Hessen der Fluggesellschaft einen Überbrückungskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Eine geplante Übernahme durch die polnische Aviation Group (PGL), die Muttergesellschaft der Fluglinie LOT, scheiterte im Frühjahr 2020 im Zuge des weltweiten Einbruchs des Passagierverkehrs.

In dieser Situation sprang erneut die öffentliche Hand ein, um das Überleben der Gesellschaft im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens abzusichern. Der Gesamtwert der staatlichen Hilfen und Kreditgarantien belief sich zeitweise auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Auflagen der Europäischen Kommission für die Genehmigung der Staatsbeihilfen sahen vor, dass das Unternehmen mittelfristig wieder vollständig in private Hand überführt werden musste. Mit der Rückzahlung der ausstehenden Tranchen im Frühjahr 2026 wurden die Voraussetzungen für den Ausstieg der staatlichen Treuhandgesellschaft geschaffen.

Einstieg des Finanzinvestors Attestor und Flottenerneuerung

Im Mai 2021 stieg die in London ansässige Investmentgesellschaft Attestor bei der deutschen Fluggesellschaft ein und sicherte sich zunächst eine Mehrheit von 51 Prozent der Anteile. Gleichzeitig verpflichtete sich der Investor zu signifikanten Eigenkapitaleinschüssen sowie zu Garantien für den Umbau der Flugzeugflotte. Die verbliebenen 49 Prozent wurden bei der SG Luftfahrtgesellschaft belassen, um die Einhaltung der Auflagen zur Tilgung der öffentlichen Kredite zu überwachen.

Unter der Führung von Attestor leitete das Management eine umfassende Modernisierung der Flugzeugflotte ein. Im Bereich der Langstrecke wurden die in die Jahre gekommenen Maschinen des Typs Boeing 767 schrittweise ausgemustert und durch moderne Großraumflugzeuge des Typs Airbus A330neo ersetzt. Für die Kurz- und Mittelstrecke läuft der Ausbau der Flotte auf Modelle der Airbus-A320neo-Familie. Diese Umstellung dient der Reduzierung der Betriebskosten und der Vereinheitlichung von Wartungs- und Schulungsprozessen.

Entwicklung des Streckennetzes und Anbindung des Drehkreuzes Frankfurt

Parallel zur Erneuerung der Fluggeräte hat Condor ihre Netzstruktur angepasst. Neben dem traditionellen Geschäft mit Vollcharterflügen für Reiseveranstalter erweiterte die Fluggesellschaft ihr Angebot an Linienverbindungen. Dazu gehört die Ausweitung des Städteflugnetzes von und zu europäischen Metropolen. Diese Verbindungen dienen zunehmend dazu, Fluggäste an das zentrale Drehkreuz am Flughafen Frankfurt am Main zuzuführen, um dort den Langstreckenverkehr auszulasten.

Diese Ausrichtung führte zu veränderten Marktbeziehungen mit dem größten deutschen Luftverkehrskonzern, der Lufthansa. In der Vergangenheit nutzte Condor das Zubringernetz der Lufthansa auf Basis von Spezialabkommen. Nach dem Auslaufen einzelner Vereinbarungen und den Rechtsstreitigkeiten über Zubringer-Kapazitäten entschied sich die Condor-Führung, eigene Zubringerlinien aufzubauen. Damit stieg der Wettbewerb um Passagiere an Deutschlands größtem Flughafen.

Wirtschaftliche Perspektiven und Risiken für den Privatinvestor

Mit dem geplanten Vollzug der Anteilsübernahme zum 31. August 2027 trägt Attestor die alleinige wirtschaftliche Verantwortung für den weiteren Kurs der Fluggesellschaft. Die Airline steht vor der Herausforderung, die hohen Kapitalkosten für die geleasten und gekauften Flugzeuge im laufenden Betrieb zu erwirtschaften. Die Volatilität der Kerosinpreise sowie schwankende Auslastungsquoten im touristischen Sektor bleiben wesentliche Risikofaktoren.

Die Entschuldung gegenüber dem Staat und der Übergang in eine rein private Eigentümerstruktur sichern Condor operative Handlungsfreiheit. Ob sich das Modell aus touristischem Langstreckenverkehr und eigenem Zubringernetz langfristig gegen die Konkurrenz etablierter Netzwerkträger behaupten kann, wird von der Marktentwicklung der kommenden Jahre abhängen. Der geplante Vollzug im Sommer 2027 beendet jedoch die Phase staatlicher Eigentümergefüge bei der Airline.

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