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AUA startet Paid Catering: Künftig nicht mal mehr kostenfreies Wasser

AUA startet Paid Catering: Künftig nicht mal mehr kostenfreies Wasser

Auf Flügen unter 180 Minuten wird es ab dem Frühjahr 2021 bei Austrian Airlines nicht einmal mehr ein Glas Wasser kostenlos geben. Der Carrier wird für Speisen und Getränke in der Economy-Class zur Kasse bitten. Unter der Geschäftsleitung des Vagn Sörensen wurde dies im Jahr 2004 schon einmal eingeführt und die AUA flog damit regelrecht auf die Schnauze. Nachfolger Alfred Ötsch machte diesen Schritt sofort rückgängig.

Die Konzernmitglieder Lufthansa und Swiss werden in der Economy-Class auf der Kurzstrecke ebenfalls Paid-Catering einführen, doch dort werden die Passagiere zumindest eine kostenfreie Wasserflache erhalten. Austrian Airlines, stets betont sich selbst als „Premium-Airline“ darzustellen, vergönnt ihren Gästen künftig nicht mal mehr Wasser. Da man ohnehin schon für das Gepäck zur Kasse bittet, gehen nun die letzten Unterscheidungsmerkmale gegenüber der Lowcoster Ryanair, Easyjet und Wizzair verloren.

Doch warum ist Austrian Airlines selbst eine Wasserflasche zu teuer? Die Belegschaft wurde lapidar dahingehend informiert, dass die Wettbewerbssituation in Wien nicht mit jener in Frankfurt und München vergleichbar wäre. Daher habe man entschieden, dass für das Catering zu bezahlen ist und fertig. Weiter geht man auf diesen Aspekt gar nicht ein.

Intern ist allerdings ein anderer Grund zu hören: Die Erfahrungen mit dem Paid-Catering Anfang der 2000er Jahre sollen insbesondere deshalb negativ gewesen sein, weil damals weiterhin ein Becher Wasser kostenfrei angeboten wurde. Dies habe dazu geführt, dass der Absatz der sonstigen Getränke annähernd bei Null war, da der spontane Durst ohnehin durch das Gratis-Wasser gestillt war. Unter dem Aspekt dieser Erfahrung habe man entschieden, dass es bei Austrian Airlines – im Gegensatz zu Swiss und Lufthansa – kein kostenfreies Wasser geben wird.

„Auch künftig können wir ein Basisprodukt, den Flug, zu einem vernünftigen Preis anbieten – und geben jenen Passagieren, die mehr möchten, die Möglichkeit, aus einem Premium-Sortiment ihren Bedürfnissen entsprechend auszuwählen. Wie bei einem Baukasten-System suchen sich unsere Gäste jene Leistungen aus, die für sie relevant sind“, so Vorstandsmitglied Andreas Otto.

Das Paid-Catering wird sich bei Austrian Airlines nicht sonderlich vom Konzept der Mitbewerber unterscheiden. Die Passagiere können aus einer Speise- und Getränkekarte auswählen und anschließend bei der Crew bestellen und bezahlen. Die Entscheidung darüber von welchem Caterer die Waren bezogen werden, ist noch gar nicht gefallen. Das heißt konkret, dass noch nicht klar ist, ob Do&Co in Sachen Paid-Catering zum Zug kommen wird. Zuletzt löste der Mitbewerber DoN im Bereich der Lounge ab.

Austrian-Airlines-Sprecherin Tanja Gruber bestätigte gegenüber Aviation Direct, dass Austrian Airlines die Kurzstreckenflüge unter 180 Minuten auf Paid-Catering umstellen wird und dass es im Gegensatz zu Swiss und Lufthansa kein kostenfreies Wasser geben wird. Hinsichtlich des Speiseangebots betonte sie, dass es besonders hochwertige Spezialitäten aus Österreich geben wird. Derzeit befinde sich das künftige Sortiment in Ausarbeitung. So werden sich auf der Speisekarte österreichische Klassiker wie Apfelstrudel oder eine Brettljause finden. Kalte und warme Snacks sowie ein umfangreiches vorrangig regionales Getränkeangebot werden das neue Catering-Konzept abrunden.

„Flugreisen an sich und damit die Erwartungen unserer Passagiere haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Statt einem Pauschalangebot möchten vor allem Economy Class Fluggäste ihr Flugerlebnis zunehmend personalisieren und selbst entscheiden, welche Services ihnen wichtig sind“, erklärt Austrian Airlines Vorstandsmitglied Andreas Otto die Einführung des neuen Angebotes auf Europaflügen. „Mit unserem neuen Catering-Konzept berücksichtigen wir diesen Wunsch und investieren in ein hochwertiges Speisen- und Getränkeangebot an Bord.“

Austrian Airlines führte unter dem Vorstandsvorsitz des Vagn Sörensen im Jahr 2004 schon einmal Paid-Catering ein. Damals versuchte man das Geschäftsmodell der slowakischen SkyEurope, die von Bratislava aus ordentlich Konkurrenz machte, regelrecht zu kopieren. Selbst vor der Stationierung von Fokker 100 in der slowakischen Hauptstadt schreckte man nicht zurück. Beide Projekte gingen aber ordentlich in die Hose, denn das Angebot in Bratislava war ein Misserfolg und die Streichung des inkludierten Caterings führte zum Einbruch der Buchungszahlen. Alfred Ötsch, der ansonsten wenig Fingerspitzengefühl zeigte, machte diesen Schritt sofort wieder rückgängig.

Die Qualität des Caterings nahm in der Economy-Class der Austrian Airlines über die Jahre stark ab. Der Vorläufige Tiefpunkt ist momentan, dass unter dem Deckmantel der Corona-Pandemie nur noch Wasser, Tee oder Kaffee angeboten werden und das nicht einmal auf allen Flügen. Beispielsweise auf den Inlandsstrecken gibt es für Eco-Gäste überhaupt nichts mehr. Ab Frühjahr 2021 sollen alle Economy-Class-Passagiere auf Flügen unter 180 Minuten für Speisen und Getränke wieder ihre Geldbörse zücken müssen. Bei Ryanair, Easyjet und Wizzair ist das schon immer so und stellt sich Austrian Airlines eben auf das gleiche Niveau. Die Preise werden aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gesenkt.

Für Business Class Passagiere wird sich durch die Umstellung nichts ändern, Auswahl und Service-Angebot bleiben unverändert. Auf Flügen mit einer Flugzeit von über 180 Minuten bleibt das aktuelle Service der Economy Class ebenfalls bestehen. Auch für Austrian Airlines Fluggäste auf Austrian Holidays Charterflügen (erkennbar an der vierstelligen Flugnummer beginnend mit 2 oder 9, z.B. OS9103 nach Rhodos) gibt es keine Änderung. Snack sowie Getränke werden weiterhin kostenfrei ausgegeben.

2 Comments

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  • 0 / 10
  • […] bei Austrian Airlines vollzogen, wo es im Gegensatz zu den beiden anderen Konzernmitgliedern kein kostenfreies Wasser geben wird. Der Konzern betont in insgesamt drei Medienaussendungen, dass man mit der Umstellung auf […]

  • Wolfgang Hirschl , 17. November 2020 @ 11:13

    Das für den Kunden letzte sichtbare Unterscheidungsmerkmal geht zwar verloren. Aber wenn man an Dinge wie Pilotentrainings, Crewtrainings, Wartung und dergleichen denkt, gibt es wahrscheinlich trotzdem noch einen gewissen Qualitätsunterschied im Vergleich zu den Low-Costern. Jedenfalls ist mir kein AUA-Vorfall, wo nach einem Flame-Out eine Evakuierung bei laufenden Triebwerken, wie dies eine Lauda-Crew in Stansted durchgeführt hat, bekannt. Von den Reportagen auf Welt, etc, wo die Kollegen nach ihrer Mini-Schulung nicht einmal wissen wie man die Tür im Ernstfall aufbekommt, reden wir lieber nicht.

    Schöne Grüße aus Graz
    Wolfgang Hirschl

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