Der Ingolstädter Automobilhersteller Audi AG eröffnet seinen Beschäftigten neue berufliche Perspektiven im Rahmen eines regionalen Personalaustauschs.
Wie das zur Volkswagen AG gehörende Unternehmen am 7. Oktober 2026 bestätigte, erhalten Angestellte des Standorts Ingolstadt die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis vorübergehend zu Partnerunternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu wechseln. Das Projekt umfasst Kooperationen mit den Großkonzernen Airbus, Diehl, MBDA und KNDS, die in Bayern bedeutende Produktions- und Entwicklungsstandorte unterhalten. Mit dieser Maßnahme reagieren der Fahrzeughersteller und die Arbeitnehmervertretungen auf die strukturellen Umbrüche in der Automobilbranche und den gleichzeitigen Fachkräftemangel in kapazitiv stark geforderten Industriezweigen.
Rechtlicher Rahmen und Tarifgrundlage der Arbeitnehmerüberlassung
Das Verfahren basiert auf einem spezifischen Tarifvertrag zur Arbeitnehmerüberlassung, den die IG Metall Bayern im April 2026 mit den Arbeitgeberverbänden ausgehandelt hat. Rechtlich verbleiben alle wechselnden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während ihres Gastaufenthalts fest bei der Audi AG angestellt und behalten ihre bestehenden Arbeitsverträge bei. Ebenso ist eine vollständige Entgeltgarantie verankert: Die Beschäftigten beziehen während der gesamten Dauer des Fremdeinsatzes ihr vertraglich zugesichertes Gehalt in unveränderter Höhe.
Ein zentrales Element der Vereinbarung ist die strikte Freiwilligkeit des Einsatzes. Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, hob hervor, dass ein Wechsel ausschließlich mit der expliziten Zustimmung der jeweiligen Mitarbeiter erfolgen kann. Beschäftigten, die ein entsprechendes Angebot ablehnen, dürfen nach den Bestimmungen des Tarifvertrages keinerlei betriebliche Nachteile entstehen. Das Projekt dient somit als flexibles Instrument zum Ausgleich schwankender Auslastungen im Industriesektor.
Zielgruppen und Anforderungsprofile im Stammwerk Ingolstadt
Das Angebot richtet sich in der ersten Phase gezielt an den indirekten Tarifbereich des Hauptsitzes Ingolstadt. Angesprochen sind Fachkräfte aus den Ressorts der Technischen Entwicklung und der Qualitätssicherung. Konkret sucht der Industrieverbund nach Ingenieuren, Qualitätsingenieuren, Projektmanagern sowie qualifiziertem Werkstattpersonal. Diese Tätigkeitsfelder weisen hohe technische Schnittmengen mit den Anforderungen der Luft- und Raumfahrt sowie der Wehrtechnik auf, was den Einarbeitungsaufwand minimiert.
Nach Unternehmensangaben stieß die interne Bekanntmachung auf eine beachtliche Resonanz bei den Beschäftigten. Ende Oktober 2026 erhalten interessierte Audi-Mitarbeiter im Rahmen von Informationsveranstaltungen die Gelegenheit, in direkten Kontakt mit den Personalverantwortlichen von Airbus, Diehl, MBDA und KNDS zu treten, um spezifische Anforderungsprofile und Projektzeiträume zu erörtern.
Industrielle Transformation und Fachkräftebedarf im Regionenvergleich
Hintergrund der Initiative ist die ungleiche Auftragsentwicklung in verschiedenen Industriezweigen des Freistaates Bayern. Während die Automobilindustrie im Zuge der Elektromobilitätstransformation und weltweiter Marktanpassungen eine Phase verhaltener Kapazitätsauslastung durchläuft, verzeichnen Luftfahrt- und Verteidigungsunternehmen volle Auftragsbücher und personelle Engpässe. Unternehmen wie Airbus Defence and Space in Manching oder MBDA in Schrobenhausen stehen in unmittelbarer geografischer Nähe zum Audi-Stammwerk.
Eine Sprecherin der Audi AG erklärte, Ziel der Kooperation sei es, Beschäftigungsperspektiven für die Belegschaft zu erweitern, den gezielten Fachkräftebedarf in der Region zu bedienen und den industriellen Wandel aktiv zu begleiten. Branchenbeobachter werten das Modell als zukunftsweisenden Ansatz der Personalressourcen-Steuerung, der Entlassungen vermeidet und wertvolles Know-how im regionalen Wirtschaftsraum bindet.